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Panorama Diebe stehlen Lkw-Fracht während der Fahrt
Nachrichten Panorama Diebe stehlen Lkw-Fracht während der Fahrt
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00:16 24.03.2013
Von Alexander Dahl
Foto: Bei "Truck Robberies" stehlen Diebe die Fracht eines Lkw – während der Fahrt.
Bei "Truck Robberies" stehlen Diebe die Fracht eines Lkw – während der Fahrt. Quelle: dpa
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Dortmund

Das waghalsige Vorgehen erinnert an Actionszenen aus Hollywood. Und die Umschreibung der neuen Kriminalitätsmasche kommt englisch daher: „Truck Robbery“ beschreibt das Ausrauben eines Lastwagens während der Fahrt. Dabei verfolgen die Täter mit dem Auto einen Lkw, fahren dicht heran, und dann klettert einer über das offene Schiebedach auf die Motorhaube und knackt von dort aus das Schloss der Hecktür oder schlitzt die Plane auf. Eine gleichermaßen artistische wie lebensgefährliche Aktion, schließlich würde ein Sturz von der Motorhaube den sicheren Tod bedeuten.

Und dennoch soll die Methode ein einträgliches Geschäft sein. Schwerpunkt sind bisher die Autobahnen in Nordrhein-Westfalen. 46 angebliche „Truck Robberies“ zählt eine Sonderkommission bei der Kriminalpolizei in Dortmund mittlerweile seit November 2012. Details will die Soko „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht nennen. Nach Medienberichten sollen sich die Taten immer nachts ereignen. Betroffen sind oft Kurier- und Paketdienste. Die Beute: Handys oder andere elektronische Geräte. Der Schaden: mehr als 250.000 Euro.

Laut Staatsanwaltschaft Dortmund sollen immer drei Fahrzeuge am Raub während der Fahrt beteiligt sein: Ein Auto setzt sich vor den Lastwagen und bremst ihn etwas aus, ein weiteres Auto mit dem akrobatischen Räuber setzt sich dicht dahinter. Der dritte Wagen sichert das Umfeld ab und gibt Alarm, falls die Polizei auftaucht. Von der Ladefläche aus werden geraubte Pakete in den zweiten Wagen geworfen. Vermutet wird, dass rumänische Banden hinter den Raubzügen stecken. 2008 konnte die Dortmunder Kripo eine sechsköpfige Bande festnehmen, die angeblich mit „Truck Robbery“ Beute gemacht hatte.

Auch in Niedersachsen sind immer mehr Lastwagen Ziel für Diebe. „Ladungsdiebstahl“ heißt das im klaren Beamtendeutsch. 2011 gab es 236 Fälle, 2012 schon 378 – meist entlang der Autobahnen 2 und 7. Ob dabei auch fahrende Räuber aktiv waren ist unklar. „Es ist nicht auszuschließen, dass ,Truck Robbery‘ nur als Begründung für nicht zu erklärende Ladungs- oder Frachtverluste vorgebracht wird“, heißt es in einem Aktenvermerk des Landeskriminalamtes.

Beim Bundesverband für das Güterverkehrsgewerbe wird man deutlicher. „Solche Räuber würden im Zirkus mehr Geld verdienen als auf derartigen Raubzügen“, sagt Karlheinz Schmidt, Mitglied im Präsidium des Verbandes. Er glaube nicht an „Truck Robbery“. „Da geht es wohl eher um kriminelle Fahrer, die selber Ladung stehlen und dann irgendwelche herzzerreißenden Geschichten erfinden“, sagt Schmidt.