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Panorama Diesel bald teurer als Benzin?
Nachrichten Panorama Diesel bald teurer als Benzin?
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09:48 03.01.2012
Von Sebastian Harfst
Wegen der hohen Nachfrage könnte Diesel in diesem Jahr teurer werden als Super. Quelle: dpa
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Hannover

 „Bleibt die Nachfrage nach Diesel so hoch wie aktuell und die Gesamtkonjunktur positiv, würde ich das nicht ausschließen“, sagt Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Im Dezember sind beide Kraftstoffarten zwischenzeitlich bereits fast auf demselben Preisniveau gewesen.

Die Preisschere zwischen Super und Diesel wird auch in Deutschland immer kleiner. 2010 betrug der Unterschied im Jahresmittel noch 19,1 Cent, im gesamten Jahr 2011, in dem die Deutschen laut aktueller ADAC-Statistik so viel für Kraftstoff ausgeben mussten wie nie zuvor, waren es noch 11,1 Cent. Im vergangenen Dezember rückten die beiden Kraftstoffe bereits durchschnittlich auf 7 Cent zusammen. Im Einkauf an den großen Umschlagplätzen wie Rotterdam zahlen die Mineralölunternehmen schon jetzt manchmal 1 bis 2 Cent mehr für Diesel als für Benzin. „Das liegt an der großen Nachfrage“, erklärt Karin Retzlaff vom Mineralölwirtschaftsverband (MVV).

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Nur die niedrigere Besteuerung – 47 Cent pro Liter Diesel gegenüber 65,45 Cent für den Liter Benzin – verhindert es noch, dass Diesel an der Zapfsäule das Benzin überholt. 2008 war das bereits einen Tag lang der Fall. Dass der Dieselpreis irgendwann Super hinter sich lässt, hält ADAC-Sprecher Andreas Hölzel grundsätzlich für möglich, aber unwahrscheinlich. „Die Entwicklung geht nicht automatisch so weiter“, sagt er.  „Wir wissen nicht, wie sich der Ölpreis entwickelt.“

Wissenschaftler Dudenhöffer sieht das anders: Er prognostiziert, dass der Dieselpreis auch in den nächsten fünf Jahren schneller als der Preis für Superbenzin steigen wird. 47 Prozent betrage der Anteil der Dieselmotoren bei Neuwagen in Deutschland, rechnet er vor. Im Jahr 2000 lag der Wert noch bei 30 Prozent, 1990 sogar nur bei elf Prozent. Entsprechend groß ist die Nachfrage geworden nach dem – noch – günstigeren Kraftstoff. Bei der Herstellung sind zudem Benzin und Diesel aneinandergekoppelt.

Das bedeutet, je mehr Diesel produziert wird, desto mehr Benzin fällt auch an. Die Mineralölkonzerne exportierten überschüssige Mengen mittlerweile sogar in die USA, sagt Dudenhöffer. Um aus Rohöl mehr Diesel herzustellen, müssten die Konzerne jedoch neue Raffinerien bauen. Solche Anlagen rechneten sich aber erst nach etwa 30 Jahren. Da Diesel aufgrund von Alternativen wie Erdgas und dem großen Zukunftsthema Elektromobilität als Auslaufmodell gelte, scheuten die Mineralölfirmen diese Investitionen.

MVV-Sprecherin Retzlaff verweist Dieselfahrer auf den Sommer. Dann sei die Nachfrage geringer, „der Preisvorteil wieder deutlich zu spüren“, da ist sie sicher.