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Panorama Immunität schützt auch im Verkehr
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07:56 21.05.2014
Die „0“ im Kennzeichen verrät, dass es sich um den Dienstwagen eines Botschafters oder sonstigen Gesandten in Berlin handelt. Quelle: dpa (Archiv)
Berlin

Wer in Berlin einer dunklen Karosse mit dem amtlichen Kennzeichen „0 118“ begegnet, sollte vorsichtig sein. Am besten, man bremst leicht ab und bleibt auf der rechten Spur. Denn die „0“ im Kennzeichen verrät, dass es sich um den Dienstwagen eines Botschafters oder sonstigen Gesandten in Berlin handelt. Und diese Herren genießen bekanntermaßen Immunität – auch bei Rüpelattacken hinter dem Lenkrad und daraus resultierenden Verkehrsunfällen. Die „118“ im Kennzeichen verschärft die Lage, denn sie verweist auf Saudi-Arabien – das reiche Land, das seit einiger Zeit die schlimmsten Drängler, Vorfahrtnehmer und Falschparker in der bundesdeutschen Hauptstadt stellt.

Nach der aktuellen Statistik, die Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) jetzt präsentiert hat, waren vergangenes Jahr 69 Diplomatenautos in Unfälle verwickelt. Bei 20 Zusammenstößen wurden fünf Passanten schwer sowie 15 leicht verletzt, Konsequenzen müssen die Fahrer nicht fürchten, die Immunität schließt Strafverfolgung aus. Wohl auch deshalb haben sich Autofahrer zwischen Kreuzberg und Prenzlauer Berg angewöhnt, eine Liste aller „0“-Kennzeichen dabei zu haben. Insbesondere in einem der 47 Fälle von Fahrerflucht empfiehlt sich der schnelle Blick aufs Nummernschild.

Denn so lässt sich der Fahrer des schwer gepanzerten BMW mit der Nummer „0 140-1“ trotz Sonnenbrille als der russische Botschafter (also die Nummer 1 des Staates 140) identifizieren. Der Mann, der per Mini „0 49-30“ im Slalom durch den dichten Verkehr am Reichstag kurvt, ist Brite. Zählt allerdings zum diplomatischen Fußvolk. Ob die „Gib Gas, ich will Spaß“-Mentalität auch für deutsche Gesandte im Ausland gilt, ist unklar. Das Auswärtige Amt führt keine Statistik über Steinmeiers ferne Verkehrsrüpel.

Die größte Immunflotte stellen derzeit die Amerikaner mit 256 Autos, die Isländer teilen sich vier Wagen. Pure Glücksmomente beschert den Diplomaten-Spottern übrigens die Sichtung der Nummer „0 10-1“, denn der päpstliche Nuntius ist nur selten auf Tour und wird als blaue Mauritius unter den Limousinen-Fans gehandelt.

So gastfreundlich der diplomatische Schutzschirm auch ist, so sehr geht er Berlin ins Geld. Und die Stadt ist ja bekanntlich nicht reich. 337.775 Euro hätten Politessen bei den 21.314 Ordnungswidrigkeiten eintreiben können. Denn meistens wurde falsch geparkt. Und genau das könnte ein Trost für die Berliner Kassen sein: Viele der Chauffeure standen im Halteverbot vor Juwelieren, Feinkostgeschäften oder Einkaufsgalerien. Wo gerade die Kunden mit dem „0 118“-Schild aus Saudi-Arabien als beste Kunden gelten.

Von Harald John

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