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Panorama Drei Tote durch Hauseinsturz in Brühl bei Köln
Nachrichten Panorama Drei Tote durch Hauseinsturz in Brühl bei Köln
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19:52 12.12.2010
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Im Regal steht noch eine DVD-Kollektion mit den Sissi-Filmen, auf der Hülle lächelt Romy Schneider. Sonst ist alles weg. Der Großteil des Hauses an der Pingsdorfer Straße 129 in Brühl bei Köln ist verschwunden. Ist mit einem dumpfen Knall in sich zusammengefallen. Aber die Regalwand mit den Sissi-DVDs ist durch Zufall verschont worden. Sie steht noch genau dort, wo ihr Besitzer sie hingestellt hat. Als ob nichts passiert wäre.

Ein Haus wird gleichsam vom Erdboden verschluckt, drei Menschen sterben, doch das Leben geht weiter. Nachbarn führen ihre Hunde aus, joggen, unterhalten sich, überlegen, wie sie den Wagen trotz Absperrung aus der Tiefgarage bekommen. Es hilft ja auch nichts, hier herumzustehen und zu gaffen, sagen sie.

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„Ich habe den Knall gehört, als ich gerade in der Küche stand, beim Spülen“, erzählt Anneke Jansen (76), die Nachbarin von gegenüber. Erst dachte sie, ihr Fernseher wäre explodiert, und rannte ins Wohnzimmer. Aber der Fernseher lief noch. Dann hat sie aus dem Fenster geschaut und sah es. Oder sah vielmehr nichts mehr, denn dort, wo das gegenüberliegende Haus hätte sein müssen, war nur noch eine Lücke.

Sonntagvormittag. Anneke Jansen steht vor ihrer Haustür und schaut über die Straße. Sie kann jetzt bei den Nachbarn ins Schlafzimmer sehen, ein Stück davon ist stehen geblieben. Holzbett mit blauem Bezug. Daneben das Bad, die Toilettenrolle hängt noch. Im Nebenhaus sitzt ein Bestattungsunternehmen. Makaber wirkt das jetzt.

„Ich kannte die vom Sehen“, sagt Jansen. „Samstags haben die immer Reklame ausgetragen, der Vater und die drei Kinder, die beiden Jungen und das Mädchen.“ Der 12-jährige Sohn der Familie hatte noch am Sonnabendabend leicht verletzt aus den Trümmern gerettet werden können. Sein älterer Bruder war am Abend der Explosion nicht zu Hause und blieb mithin unverletzt.

Anneke Jansen sinnt über das Leben nach. „Man denkt immer, es passiert woanders, und jetzt...“ Das sagen auch andere Nachbarn an diesem Vormittag. Und dann tun sie doch das, was sie sowieso getan hätten: Anneke Jansen hat Verwandte von auswärts da, die wollen den Weihnachtsmarkt sehen.

Ihr Sohn ist einer der Feuerwehrleute, die an der Unglücksstelle im Einsatz sind. Ein Bagger räumt so vorsichtig wie möglich den Schutt weg, zwischendurch suchen Spürhunde. Um 9.55 Uhr wird eine Frau gefunden, die erste der drei Vermissten. Als ein Notarztwagen vorfährt, geht im Nebenhaus ein Fenster auf, und Nachbarn beugen sich mit einer Kamera aus dem Fenster. Aber die Frau ist tot, ebenso wie ihr Lebensgefährte, dessen Leiche am Mittag entdeckt wird.

Bis zum Nachmittag hoffen die Feuerwehrleute noch, wenigstens die zehnjährige Tochter des Mannes lebend zu bergen. Vielleicht hat sie in einem Hohlraum überlebt? Aber um kurz vor 17 Uhr wird ein dritter lebloser Körper gefunden. Es ist das Mädchen.

Als die Dunkelheit hereinbricht, ist das Haus komplett verschwunden. Ein Bagger hat die Ruine, die noch stehen geblieben war, abgerissen, die Trümmer sind abtransportiert worden. Das Haus ist weg. Und drei seiner Bewohner sind tot. Ende eines Adventswochenendes.

Christoph Driessen

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