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Panorama Druck auf Hells Angels wächst
Nachrichten Panorama Druck auf Hells Angels wächst
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17:30 01.06.2012
Das bundesweit angestrebte Verbot der Hells Angels könnte näher rücken. Quelle: dpa (Archivbild)
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Berlin

Nach Razzien in mehreren Städten wächst der Druck auf kriminelle Rockerclubs in Deutschland. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will ein generelles Verbot prüfen. Voraussetzung dafür ist eine bundesweite Organisationsstruktur der Clubs. Hinweise darauf mehrten sich zuletzt. „Sollte das der Fall sein, gibt es kein Ermessen mehr, sondern die Pflicht des Bundes, entsprechend auf Bundesebene Verbote auszusprechen", sagte Friedrich am Freitag zum Abschluss der Innenministerkonferenz in Göhren-Lebbin (Mecklenburg-Vorpommern).

Unterdessen werden brisante Verstrickungen zwischen Rockern und Behörden immer deutlicher. Berlins Polizeivizechefin Margarete Koppers räumte in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa ein, dass Verräter in den eigenen Reihen schon seit längerem ein Problem seien. Ähnliche Fälle wurden auch bei Ermittlungen gegen die Hells Angels in Kiel bekannt.

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Noch bevor in der Hauptstadt das Verbot einer Gruppe der Hells Angels durchgesetzt werden konnte, hatte der Club offenbar davon erfahren und sich kurzerhand selbst aufgelöst. Um überhaupt Beweise sicherstellen zu können, musste die Polizei früher als geplant zuschlagen.

Inzwischen sucht die Fachdienststelle für Polizeidelikte unter Hochdruck den „Maulwurf". Bislang müsse sie davon ausgehen, dass der Informant aus den Reihen der Polizei stamme, sagte Koppers. „Das ist ein Phänomen, mit dem wir es immer wieder bei größeren Einsätzen zu tun haben."

Die amtierende Polizeipräsidentin schließt zudem nicht aus, dass auch künftig ähnliche Pannen passieren können. „Ein vollkommen sicheres System wird es leider nicht geben." Jedoch werde nun der Umgang mit geheimen Informationen auf den Prüfstand gestellt.

Der Berliner CDU-Innenexperte Peter Trapp rechnet nach dem Verbot der Hells Angels MC Berlin City und deren Unterstützergruppe MG 81 damit, dass die Rocker dagegen juristisch vorgehen werden. „Es geht um Geld und sichergestellte Motorräder", sagte Trapp. Nach Angaben der Polizei ist ein Einspruch bislang nicht eingegangen. Dafür haben die Rocker noch bis Ende Juni Zeit.

Das Verbot bedeute nicht das Ende der Ermittlungen gegen einzelne Bandenmitglieder, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. „Nun wird in normalen Einzelverfahren weiter gegen die Rocker ermittelt." Wann es erste Anklagen geben könnte, konnte er nicht sagen. „Nun ist akribische Polizeiarbeit gefragt."

In den vergangenen Tagen war die Polizei in mehreren Städten mit großangelegten Aktionen gegen Rockerclubs vorgegangen. Es gab Razzien in Berlin und Potsdam. Davor ging die Polizei mit rund 1200 Beamten gegen Rocker in Norddeutschland vor.

Auch in Nordrhein-Westfalen ist die Rockerszene in Bewegung. Die große holländische Rockergruppe Satudarah will dort Fuß fassen. An diesem Wochenende soll die Gründung des ersten Satudarah-Chapters in Duisburg besiegelt werden. Ein örtlicher Rockerclub habe sich entschlossen, sich Satudarah anzuschließen, bestätigte die Duisburger Polizei am Freitag. Erwartet würden etwa 200 Rocker. In den niederländischen Medien wird Satudarah immer wieder im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität und Dogenhandel erwähnt.

Nach Angaben von Ermittlern verdichten sich die Hinweise auf bundesweite Rockerstrukturen. Auch die Aussage eines Kronzeugen vor einem Kieler Gericht spricht dafür. Demnach soll der Chef der Hells Angels in Hannover, Frank Hanebuth, eine führende Rolle bei der Rockerbande in Deutschland spielen und etwa der Ermordung eines Türken in Kiel zugestimmt haben. Hanebuth hat die Darstellung zurückgewiesen. Die Leiche ist bislang nicht gefunden worden.

Der Kieler Innenminister Klaus Schlie (CDU) bewertetet die Ermittlungen als Erfolg. „So weit waren wir noch nie", sagte er den "Kieler Nachrichten". Die Fahnder seien tief in die kriminellen Strukturen eingedrungen und hätten erhebliche Querverbindungen aufgedeckt, bis hin zu Korruptionsfällen in den Behörden.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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