Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Ein Zirkusdirektor auf Ökomission im All
Nachrichten Panorama Ein Zirkusdirektor auf Ökomission im All
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:15 11.10.2009
Vorerst letzter Tourist im All: „Cirque du soleil“-Gründer Guy Laliberté. Quelle: afp
Anzeige

Der kanadische Milliardär hatte sich in der Nacht zum Sonnabend nach seinem einwöchigen Besuch mit einer fulminanten Ökoshow aus einer Internationalen Raumstation „ISS“ verabschiedet. Im Rahmen seiner „poetisch-sozialen Mission – Moving Stars and Earth for Water“ machte er auf die Gefährdung der Trinkwasserressourcen auf der Erde durch den Klimawandel aufmerksam. Diese Idee wurde in der zweistündigen Sendung, die im Internet (onedrop.org) zu sehen ist und zehn Millionen Dollar gekostet haben soll, durch Politiker und andere Prominente unterstützt, darunter die Musiker Shakira, Bono und Peter Gabriel und die Schauspielerin Selma Hayek.

Laliberté wird zum Leidwesen der Russen wohl der vorerst letzte zahlende Mitflieger sein. Denn angesichts ihrer permanent leeren Kassen verzichten sie nur ungern auf die gut 35 Millionen Dollar, die so ein Flug inzwischen kosten soll. Über den genauen Preis wurde diesmal Stillschweigen bewahrt, und selbst der sonst auskunftsfreudige Kanadier ließ sich die Summe nicht entlocken. Das vorläufige Aus für die Weltraumtouristen ist der Tatsache geschuldet, dass nach dem bisherigen Stand der Dinge die US-Shuttles im nächsten Jahr eingemottet werden. Damit lastet der gesamte Personenverkehr zur ISS allein auf den Schultern der Russen. Doch ihre kleinen „Sojus“-Kapseln haben nur drei Plätze. Einer davon ist dem russischen Kommandanten vorbehalten, der zweite einem Amerikaner und der dritte einem anderen ISS-Crewmitglied. Da ist also kein Platz für Weltraumtouristen.

Anzeige
Cirque du Soleil-Chef Guy Laliberté war als Weltraumtourist auf der ISS.

Doch so schnell wollen die Russen diese lukrative Einnahmequelle nicht versiegen lassen. Sie hoffen, das Problem spätestens 2012 gelöst zu haben. Dazu müssen allerdings fünf bis sechs statt bisher nur vier „Sojus“-Kapseln pro Jahr gebaut werden. „Wir streben das für die nächsten eineinhalb bis zwei Jahre an“, verkündete der Chef der Raumfahrtagentur Roskosmos, Anatoli Perminow, am Rande des Laliberté-Fluges. Die Flüge künftiger Weltraumtouristen, so es denn dazu komme, hätten aber nicht mehr die ISS zum Ziel, sagte Perminow. Russland werde vielmehr ein spezielles Raumschiff für autonome Missionen bauen. Grundlage dafür sei die neue, digitale „Sojus“-Kapsel, die im Herbst kommenden Jahres ihre Premiere feiern soll.

Die digitale „Sojus TMA-01M“ soll sich vor allem durch größere Flugsicherheit, schnellere und leichtere Systeme sowie eine um 80 Kilogramm höhere Nutzlast auszeichnen. Die digitale Technik mache zudem den bisherigen Bordingenieur überflüssig. Nach den Vorstellungen von Roskosmos sollen diese Kapseln auch speziell für den Weltraumtourismus adaptiert werden. Ein Kosmonaut könnte dann gleich zwei zahlende Mitflieger an Bord nehmen, die nur einen Crashkurs zur Vorbereitung durchlaufen müssen.

ddp