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Panorama Eine Stadt nimmt Abschied von Loki Schmidt
Nachrichten Panorama Eine Stadt nimmt Abschied von Loki Schmidt
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17:27 01.11.2010
Loki Schmidt war am 21. Oktober im Alter von 91 Jahren gestorben.
Loki Schmidt war am 21. Oktober im Alter von 91 Jahren gestorben. Quelle: dpa
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Die Nachricht vom Tod von Hannelore „Loki“ Schmidt war noch nicht alt, da wehten die Fahnen über den Dächern Hamburgs auf Halbmast. Auch eineinhalb Wochen nach dem Tod der Ehefrau des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD) ist die Trauer in der Hansestadt immer noch groß.

Mit der 91-Jährigen ist eine Persönlichkeit gegangen, die ihre Generation geprägt hat. Helmut und Loki Schmidt galten als Vorbild, ihre Verbindung als „Jahrhundertliebe“, wie es der „Stern“ in seiner jüngsten Ausgabe schrieb. Am Montag hat die Hamburger Bevölkerung im Beisein der Familie sowie internationaler Politprominenz Abschied von Loki Schmidt genommen - eine angemessene Wertschätzung für eine große Lebensleistung.

Das Ehepaar galt als volksnah und äußerst beliebt: Helmut und Loki Schmidt waren in Hamburg verwurzelt und drückten die oft zitierten hanseatischen Werte aus - Natürlichkeit und Bodenständigkeit. Seit Beginn der 1960 Jahren, als Helmut Schmidt das Amt des Innensenators der Hansestadt bekleidete, wohnten sie in einem Reihenhaus im Stadtteil Langenhorn. Doch auch später - während seiner Zeit als Bundeskanzler in Bonn und darüber hinaus - blieb das Domizil im Norden Hamburgs das Zuhause der Schmidts, ihr Rückzugsort von der Öffentlichkeit. Dort genossen sie das gemeinsame Schachspielen, die Freude an klassischer Musik, an Kunst im Allgemeinen und pflegte eine klare wie schnörkellose Sprache, einen hintergründigen Humor.

„Sie stand nicht hinter ihrem Ehemann, sondern neben ihm.“

Doch die Beliebtheit des Paares ging noch ein Stück weiter: Ihn, den Staatsmann, bewunderten die Hamburger auch für seine politische Leistung, für seine Freundschaften mit internationalen Größen wie Henry Kissinger, James Callaghan und Valéry Giscard d’Estaing, für sein gemeinsames Klavierspiel mit Justus Frantz und Christoph Eschenbach. Sie, die Naturschützerin, bewunderten die Hamburger für ihren unermüdlichen Einsatz für die Botanik und Pädagogik, für die Fähigkeit, ihren eigenen Weg zu gehen und dabei stets uneingeschränkt an Helmuts Seite zu bleiben. „Sie stand nicht hinter ihrem Ehemann, sondern neben ihm. Das ist nicht allen Politikergattinnen gegeben“, sagt Michael Naumann, langjähriger Parteifreund und Wegbegleiter des Paares sowie aktueller Chefredakteur des Magazins „Cicero“. Und so war es nicht zuletzt die fast sieben Jahrzehnte andauernde Ehe, die den Schmidts großen Respekt in ihrer Heimatstadt einbrachte.

Aufstiegserlebnisse als modellhaft empfunden

„Sie waren am Ende geradezu eine Ikone, nicht zuletzt wegen ihrer hanseatischen Art - zurückhaltend und gleichzeitig selbstbewusst, in der Rolle gewaschene Sozialdemokraten“, beschreibt Naumann die Bedeutung der Schmidts. Das Paar hätte seine „eigenen Aufstiegserlebnisse aus kleinbürgerlichem Milieu, wie das in ihrer Nachkriegsgeneration üblich war, als modellhaft empfunden“. Helmut und Loki verkörperten eine inzwischen selten gewordene Nüchternheit im Umgang mit politischen und pädagogischen Fragen.

„Darüber hinaus und am Ende konnte man sich die beiden gar nicht isoliert voneinander vorstellen“, sagte Naumann. Die Schmidts seien so beliebt gewesen, weil sie aus dem Volk gekommen seien.

Auch hat diese ikonenartige Wahrnehmung der Schmidts zuletzt noch einmal zugenommen, wie Naumann sagte. Den Grund sieht er darin, weil das Paar „für eine positive aufblühende Vergangenheit der Bundesrepublik stand, die noch nicht zu sehr von Ängsten geprägt war wie heute, von Individualisierung, von zentrifugalen Kräften“. Sie gehörten zu der Generation, die das Allerschlimmste mitgemacht und das Land wieder aufgebaut hätten. „Sie waren repräsentativ für eine ganze Generation, die sich nun mit ihnen langsam verabschiedet“, befand Naumann.

dapd

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