Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Eisglatte Straßen und volle Züge in Deutschland
Nachrichten Panorama Eisglatte Straßen und volle Züge in Deutschland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:21 23.12.2010
Die Bahnsteige waren überfüllt, auf den Autobahnen ging kilometerweit nichts mehr. Aber wer noch pünktlich zum Fest bei seinen Lieben sein wollte, hatte am Donnerstag ja noch ein paar Stunden Zeit bis zum Heiligabend. Quelle: dpa
Anzeige

Die wohl drängendste Frage der vergangenen Tage, vielleicht sogar Wochen, ist nun abschließend beantwortet: Ja, es gibt weiße Weihnachten 2010. Und doch hat wohl gestern für viele Menschen das romantische Bild von der weißen Weihnacht mit jedem Zentimeter Neuschnee und Eisregen seinen Zauber verloren. Allen voran für jene Tausende, die am Tag vor Heiligabend auf spiegelglatten Straßen oder in überfüllte Zügen ausharren mussten. Denn heftige Schneefälle und auch Glatteis haben am Donnerstag den Auto-, Zug- und Fährverkehr in Nordwestdeutschland zum Teil massiv behindert.

Auf den Straßen in Niedersachsen hatte sich gestern eine bis zu zwei Zentimeter dicke Eisschicht ausgebreitet. Reisende auf der Ost-West-Verbindung A 2 wurden auf eine harte Geduldsprobe gestellt – die Wagen stauten sich in beiden Richtungen auf 100 Kilometer Länge. Auf den übrigen Straßen Niedersachsens floss der Verkehr ohne größere Schwierigkeiten. Im Lagezentrum der Polizei in Osnabrück ärgerte man sich allerdings über so manchen Lkw-Fahrer, der die Bitte, mit seinem Lastwagen die nächsten Parkplätze anzufahren oder notfalls auf dem Standstreifen zu stoppen, nicht befolgt hatte: So blockierte am Abend ein Gefahrguttransporter einen Übergang nahe dem Osnabrücker Bahnhof.

Anzeige

Dramatisch war die Lage auf der Autobahn 9 von Berlin nach München. Auf weiten Streckenabschnitten hatte in der Nacht zum Donnerstag Regen zu überfrierender Nässe geführt. Bei einer Massenkarambolage kam einen Tag vor Heiligabend bei Weißenfels in Sachsen-Anhalt ein Mann ums Leben. 51 Fahrzeuge waren in die Unfallserie auf eisglatter Fahrbahn und bei Nebel verwickelt. Zehn Menschen wurden verletzt. In Sachsen-Anhalt wurde in einigen Kreisen der Busverkehr eingestellt. Bei einem Unfall auf der A 9 zwischen Bad Dürrenberg und Naumburg krachten 45 Autos, vier Lastwagen und zwei Transporter ineinander. Auf der wichtigen und stark befahrenen Nord-Süd-Route bildete sich ein zehn Kilometer langer Stau in Richtung München.

Im Norden Schleswig-Holsteins behinderten Schneeverwehungen die Autofahrer. Auch dort stellten sich auf den Autobahnen immer wieder Lastwagen quer, Autos rutschten von vereisten Fahrbahnen.

Blitzeis legte am Morgen die Autobahn 24 BerlinHamburg lahm, die nach mehreren Unfällen bei Neuruppin zeitweise gesperrt werden musste. Auf der A 1 zwischen Hamburg und Lübeck spitzte sich die Situation am Vormittag zu, es gab mehrere Glätteunfälle mit Verletzten. Wie im übrigen Deutschland riet die Polizei auch dort: „Die Leute sollten zu Hause bleiben.“

Bei der Bahn dürften sich viele Fahrgäste darüber geärgert haben, dass sie eben dies nicht getan haben. Zum Beispiel in Schleswig-Holstein: Dort musste die Bahn sogar ihren Betrieb zwischen Oldenburg (Holstein) und Puttgarden auf der Insel Fehmarn am Vormittag wegen meterhohen Schneeverwehungen einstellen, es gab auch keine Busse als Ersatz. Ein ICE Richtung Kopenhagen musste von Oldenburg zurück nach Lübeck. Nach mehr als sechs Stunden Vollsperrung schließlich lief der Zugverkehr gegen 16 Uhr wieder. Eine Schneefräse habe die Strecke geräumt, berichtete eine Sprecherin der Bahn am Donnerstag. In Mecklenburg-Vorpommern wurde die Strecke FürstenbergNeustrelitz gestern wegen umsturzgefährdeter Bäume gesperrt, die unter der Scheelast umzustürzen drohten.

Die wichtige ICE-Strecke von Köln nach Berlin wurde am Donnerstag in Gütersloh wegen einer Bombe aus dem zweiten Weltkrieg für eine Dreiviertelstunde gesperrt. „43 Minuten ging nichts mehr. Da war Warten angesagt“, sagte ein Bahnsprecher in Düsseldorf. Die Bahn habe keine Wahl gehabt. „Umleitungen hätten noch größere Verspätungen bedeutet.“ Nach den Angaben waren 21 Züge betroffen. Sie fuhren insgesamt 509 Minuten Verspätung ein.

Am Tag vor Heiligabend war der Bahnverkehr im Norden am Vormittag zunächst ohne größere Probleme angelaufen. Es gab nur mäßigen Frost; dieser hatte in den vergangenen Tagen oft die Weichen einfrieren lassen. Fernzüge waren nach Auskunft der Bahn maximal eine halbe Stunde verspätet. Ab Mittag gab es dann den ersten Ansturm von Reisenden. „Heute ist Großkampftag“, sagte eine Sprecherin. Die Bahn ächzte deutschlandweit unter dem Ansturm von Weihnachtsreisenden. Auf den Bahnhöfen zwischen Flensburg und München drängten sich die Menschen, viele Fahrgäste konnten in den oft völlig überfüllten Zügen nur noch einen Stehplatz ergattern, da zahlreiche Reisende vom Auto auf die Bahn ausgewichen waren. Erneut gab es viele Verspätungen und auch Ausfälle. Die ICE-Züge dürfen weiter höchstens auf Tempo 200 beschleunigen, um Schäden durch aufgewirbelte Eisbrocken zu vermeiden.

Auch neuer Schneefall in Norddeutschland, der für heute erwartet wird, könnte wieder Probleme bereiten: „Wir rechnen an den Weihnachtstagen mit Verspätungen, wenn das Wetter sich weiter verschlechtert“, betonte eine Bahnsprecherin.

Ein Notfahrplan, der seit Mittwoch gilt und bis Neujahr gültig bleibt, soll Entlastung bringen: Von Hannover nach Berlin und von Hamburg nach München und Stuttgart setzt die Bahn zusätzliche IC-Züge ein. Etwa 50.000 zusätzliche Reisende nutzen derzeit die Bahn; über die Weihnachtstage könnten es bis zu 100.000 Reisende zusätzlich werden.

Mit langen Staus im Urlaubs- und Feierabendverkehr mussten sich gestern auch die Franzosen plagen. Betroffen war neben der Region Paris vor allem der Nordosten des Landes. Dort waren mehrere Hauptverkehrsachsen nicht mehr befahrbar. In den Ardennen musste sogar der Grenzübergang zum Nachbarn Belgien geschlossen werden.

Marina Kormbaki und Alexander Dahl

Mehr zum Thema

Trotz des extremen Winterwetters hat es am Donnerstag in der Region Hannover auf den Straßen selten gekracht. Die meisten Unfälle verliefen glimpflich. Schnee und Eis behinderten aber massiv den Verkehr. Am Abend wurde der S-Bahn-Verkehr in der Region Hannover komplett eingestellt.

23.12.2010

Bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn 9 ist einen Tag vor Heiligabend bei Weißenfels in Sachsen-Anhalt ein Mann ums Leben gekommen. 51 Fahrzeuge waren nach Polizeiangaben am Donnerstag in die Unfallserie auf eisglatter Fahrbahn und bei Nebel verwickelt. Zehn Menschen wurden verletzt.

23.12.2010

Auch in der Nacht zum Donnerstag und am Morgen hat es wegen neuem Schneefall und Blitzeis viele Unfälle gegeben. Im Bahnverkehr kommt es durch witterungsbedingte Störungen zu Verspätungen und Ausfällen von Fernzügen.

23.12.2010
Stephan Fuhrer 23.12.2010
23.12.2010