Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Eislinger Vierfachmord war wohl ein Freundschaftsdienst
Nachrichten Panorama Eislinger Vierfachmord war wohl ein Freundschaftsdienst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:03 02.03.2010
Anzeige

Frederik B. sei zudem latent suizidgefährdet. Der Angeklagte habe seinen Eltern zwar versprochen, sich nicht umzubringen. Wenn es aber auf das Prozessende zugehe, sollte man ein besonderes Auge auf ihn haben, riet der Gutachter. Frederik B. habe ihm erzählt, er könne sich eine Rückkehr in die Gesellschaft als Vierfachmörder nicht vorstellen.

Frederik B. hatte bereits gestanden, die Schüsse auf die Eltern und die beiden Schwestern von Andreas H. auf dessen Bitten in der Nacht auf Karfreitag 2009 allein abgefeuert zu haben.

Dem Gutachter erzählte Frederik B. auch, er habe es für seine Freundschaftspflicht gehalten, Andreas H. in allen Lebenslagen zu unterstützen. Für Außenstehende habe das Vorhaben erschreckend klingen müssen, berichtete der Gutachter. Aber für den Angeklagten sei es in Ordnung gewesen. Schließlich habe er gewusst, wie schlecht es Andreas H. in seiner Familie gegangen sei, so habe Frederik B. weiter erzählt. Es wäre daher für ihn nicht vorstellbar gewesen, sich von seinem Freund abzugrenzen. Er habe in Andreas H. schließlich einen „Freund fürs Leben“ gefunden.

Die Freunde hatten für den Fall, dass einer erwischt würde, auch die Abmachung geschlossen, sich nicht gegenseitig zu verpetzen und den anderen rauszuholen - koste es, was es wolle. Dabei habe es auch Fantasien gegeben, den anderen mit Waffengewalt zu befreien. Am Tatmorgen habe ihm Andreas H. dann auch ein „Drehbuch“ mitgegeben, wie er sich bei seiner Vernehmung zu verhalten habe, berichtete Frederik B. dem Gutachter. Andreas H. habe schließlich in jeder Situation gewusst, was man machen müsse.

Die beiden Angeklagten hatten nach eigenen Angaben aber keine sexuelle Beziehung, sagte der Gutachter. Es sei zwar ein sehr enges Verhältnis gewesen, und sie seien auch hin und wieder Hand in Hand gegangen, aber sie seien definitiv nicht miteinander intim gewesen.

dpa

Mehr zum Thema

Nach dem Vierfachmord an einer Familie im badem-württembergischen Eislingen hat die Polizei am Wochenende den 18-jährigen Sohn und einen Freund als Tatverdächtige verhaftet.

13.04.2009

Nach dem Vierfachmord an einer Familie im schwäbischen Eislingen (Kreis Göppingen) sind am Sonnabend Haftbefehle gegen den 18-jährigen Sohn und dessen 19-jährigen Freund ergangen.

11.04.2009

Kurz vor Beginn des Prozesses vor dem Ulmer Landgericht hat der im Vierfach-Mord von Eislingen angeklagte Andreas H. Reue geäußert. „Das Schlimmste ist, dass ich meinen Vater so vermisse“, sagte der 19-jährige Gymnasiast in einer Erklärung, die sein Anwalt Hans Steffan der „Bild am Sonntag“ übermittelte.

11.10.2009