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Panorama Elbhochwasser sorgt für Besucheransturm in Hitzacker
Nachrichten Panorama Elbhochwasser sorgt für Besucheransturm in Hitzacker
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20:37 21.01.2011
Von Uwe Kreuzer
Besucher dürfen die aufgeweichten Dämme an der Elbe nicht betreten. Quelle: dpa
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Die Elbtalaue ist ein beliebtes Touristenziel. Die gleichnamige Samtgemeinde wirbt mit der Vielfalt der Natur, den urigen Rundlingsdörfern und der Weite der Landschaft. Das Elbhochwasser wird in der Werbung nicht erwähnt. Dabei sorgen die Flutwellen derzeit vor allem in Hitzacker für einen ungeahnten Besucheransturm.

Freitagnachmittag überstieg der Elbpegel bei Hitzacker schon die 7,50-Meter-Marke. Die Schutzwand aus einer 1,20 Meter hohen Mauer und zusätzlichen Elementen aus Stahl und Aluminium rund um Hitzackers historische Altstadt hielt dem Druck problemlos stand. Rund vier Dutzend Feuerwehrleute und 14 Helfer vom Technischen Hilfswerk waren in der Samtgemeinde am Freitag im Einsatz, um Deiche und provisorische Aufschüttungen zu kontrollieren. „Wir sind gut vorbereitet“, sagt Feuerwehrpressesprecher Mirko Tügel. Die Helfer seien ausgeruht.

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Im Notfall, etwa bei einem Deichbruch, könnten die 23 Ortsfeuerwehren der Samtgemeinde schnell bis zu 300 Ehrenamtliche aktivieren. Auf der anderen Seite der Elbe, in Lauenburg, musste die Feuerwehr am Freitag schon Keller leerpumpen. Nach dem für Sonntag angekündigten Höchststand werde sich das Elbhochwasser nur langsam zurückziehen, teilt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft (NLWKN) mit. „Es könnte Tage dauern, bis die Pegelstände sichtbar sinken“, sagt Sprecherin Herma Heyken.

Die Einsatzkräfte hoffen, dass die Erdwälle den Dauerdruck aushalten und nicht aufweichen. Die Deiche dürfen derzeit nicht betreten werden. „Die sind teilweise so weich, da kann man einbrechen oder abrutschen“, sagt Tügel. Außerdem könnten die Wälle beschädigt werden.

Die Polizei hatte am Freitag 50 Beamte in Hitzacker im Einsatz und für das Wochenende eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei angefordert. „Wir behalten die Verkehrssituation im Auge“, sagt Polizeisprecherin Nicole Winterbur. Denn die Samtgemeinde rechnet mit Besuchern – mit Hochwassertouristen. „Wir hatten am vergangenen Wochenende sicher 1000 Besucher mehr als sonst“, sagt Petra Steckelberg, Erste Samtgemeinderätin.

Die beobachteten den Aufbau der modernen Schutzwand. „Ich glaube, es waren noch nie so viele Leute auf einmal im Ort“, sagt Feuerwehrmann Tügel. Am Sonntag wollen viele den Höchststand der Elbe nicht verpassen, der das Jahrhunderthochwasser von 2006 noch übertreffen könnte. Damals betrug er 7,63 Meter.

„Es ist verständlich, dass sich Schaulustige das nicht entgehen lassen wollen“, sagt Claudius Teske, Erster Kreisrat im Landkreis Lüchow-Dannenberg. „Aber das muss gelenkt werden.“ Deshalb haben Landkreis und Samtgemeinde ein Verkehrskonzept erstellt. Die Polizei wird Besucher, die Hitzacker ansteuern, zu vier Aussichtspunkten leiten.

Dort gibt es Parkplätze und Elbblick. Die Insel, auf der die Altstadt liegt, darf von Auswärtigen nicht betreten werden. Zusätzlich wird die Schutzmauer mit Bauzäunen abgesperrt. Denn Polizei und Feuerwehr haben Wagemutige beobachtet, die sich über die Mauer gelehnt oder ihre Finger zwischen die Elemente geschoben haben. „Das ist ein echter Gefahrenbereich“, stellt Teske klar.

Touristen sind neugierig, und sie wollen essen. Das Team des Restaurants Waldfrieden wurde am vergangenen Sonntag von der Besucherschwemme überrascht. „Wir haben zurzeit keine Saison“, sagt Mitarbeiterin Sabine Philipp. „Aber plötzlich waren beide Gasträume voll.“ Das Restaurant bietet Elbblick, und wer zum Aussichtspunkt am sogenannten Weinberg will, kommt am Waldfrieden vorbei – die 90 Plätze waren schnell belegt.

Die kleine Winterbesetzung kam mit dem Servieren kaum hinterher. Diesmal ist das Team besser vorbereitet. „Wir sind mehr Mitarbeiter und decken mehr Tische ein“, sagt Philipp. „Und wir haben mehr Kuchen da.“