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Panorama Eltern schimpfen und streiten im Auto
Nachrichten Panorama Eltern schimpfen und streiten im Auto
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10:29 12.04.2012
Von Margit Kautenburger
Foto: Eltern streiten im Auto auch, wenn Kinder mit an Bord sind.
Eltern streiten im Auto auch, wenn Kinder mit an Bord sind. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Eigentlich sollten sich Eltern hinterm Lenkrad vorbildlich verhalten, denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ihr Verhalten die spätere Fahrweise ihrer Sprösslinge beeinflusst. Der Automobilzulieferer Continental wollte in Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht Niedersachsen nun genau herausfinden, wie es in deutschen Autos wirklich zugeht, und hat dazu 500 Kinder zwischen vier und 16 Jahren befragen lassen.

Demnach schimpfen 75 Prozent der Väter und Mütter am Steuer wie die Rohrspatzen, 54 Prozent schreien sogar – Papi allerdings öfter als Mami –, und 41 Prozent streiten in Anwesenheit ihres Nachwuchses über den Fahrstil des jeweils anderen. Jeder fünfte Erziehungsberechtigte kann es nach den Beobachtungen der Kinder auch nicht lassen, während der Fahrt mit dem Handy zu telefonieren. So wundert es nicht, dass fast die Hälfte der Kinder (45 Prozent) ihren Eltern mangelnde Konzentration am Steuer vorwirft. Dennoch haben nur wenige (17 Prozent) zuweilen Angst im elterlichen Fahrzeug. 98 Prozent sagten, sie seien mit dem Fahrstil der Erwachsenen zufrieden, fast genauso viele fühlen sich auch sicher (94 Prozent).

Auch auf den unterschiedlichen Fahrstil von Vätern und Müttern geht die Umfrage ein. 73 Prozent der befragten Kinder geben an, dass ihr Vater gewöhnlich schneller fährt als ihre Mutter. Mehr als ein Drittel stuft dessen Fahrstil sogar als rüpelhaft ein. Erstaunlich ist, dass trotzdem die Hälfte (49 Prozent) lieber mit dem Vater fährt, 39 Prozent ziehen die Fahrweise der Mutter vor. Die Kinder bestätigen auch das vorherrschende Rollenklischee. Sie halten ihre Väter mehrheitlich für die geschickteren Fahrer. Rund 42 Prozent geben an, dass eher die Mutter zu Fahrfehlern tendiert.

Continental-Vorstand Ralf Cramer stimmen diese Ergebnisse nachdenklich. „Kinder sind die Autofahrer von morgen, sagt Cramer. Er sei überrascht, dass Eltern ihre Verantwortung nicht in ausreichendem Maß wahrnähmen. Cornelia Zieseniß, Geschäftsführerin der Verkehrswacht Niedersachsen, hat das Ergebnis der Umfrage erschreckt. „So deutlich haben wir das nicht erwartet“, sagt sie. Zieseniß will die Umfrage zum Anlass nehmen, die Eltern stärker zu sensibilisieren. Ihnen sei meist gar nicht bewusst, wie stark ihr Verhalten abfärbt, sagt die Verkehrsexpertin. „Wir müssen ihnen klarmachen: Fahrt doch einfach anders, wenn ihr Kinder im Auto habt. Sonst riskiert ihr, dass aus euren Kindern unvernünftige Fahrer werden.“