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Panorama Erdbebenopfer heiratet nach Rettung aus den Trümmern
Nachrichten Panorama Erdbebenopfer heiratet nach Rettung aus den Trümmern
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14:49 26.02.2011
Emma Howard und Chris Greenslade haben drei Tage nach dem Erdbeben geheiratet.
Emma Howard und Chris Greenslade haben drei Tage nach dem Erdbeben geheiratet. Quelle: dpa
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Die vom Erdbeben schwer getroffene Stadt Christchurch hat in der Zeit größter Not einen Lichtblick erlebt: Eine junge Frau, die am Dienstag nach sechseinhalb Stunden aus den Trümmern geborgen worden war, trat am Freitag - mit blauen Flecken und Kratzern - vor den Traualtar. Ihr Bräutigam hatte auf der verzweifelten Suche nach seiner Verlobten andere Opfer aus dem eingestürzten Bürohaus gerettet. Nach ihrer glücklichen Wiedervereinigung sagten sich die Beiden: „Jetzt erst recht“, erzählten sie der Zeitung „The Press“.

Emma Howard und Chris Greenslade wollten mit ihrer Hochzeit einen Triumph über die Tragödie feiern. Kaum war die Braut befreit, fragten die Beiden beim Pastor der katholischen King-Kirche nach: „Können wir Freitag trotzdem heiraten?“ Pastor John Adams sagte sofort zu. Sämtliche Hochzeitsgäste waren ebenfalls da - unter ihnen einer, der selbst unter Erdbebentrümmern gelegen hatte.

„Ich habe meine Braut, ich habe meine guten Freunde - ich bin ein glücklicher Mensch“, sagte Greenslade. „Ich finde keine Worte“, sagte die Braut gerührt, als sie ihren frisch angetrauten Ehemann im Blitzlichtgewitter der Medien küsste.

Die Buchhalterin saß an ihrem Schreibtisch im Pyne Gould Building, als die Erde am Dienstag um 12.51 Uhr bebte. Sie wurde vom Stuhl geschleudert, ihr Schreibtisch krachte Minuten später unter der herunterbrechenden Decke zusammen. Fünf Kollegen wurden mit in dem Büro verschüttet. Emma schickte einen Hilferuf per SMS an ihren Verlobten. Der Buchhalter kam sofort. „Er dachte, er fände mich vor dem Gebäude und könnte mich gleich mit nach Hause nehmen“, erzählte die Braut Reportern.

Mit bloßen Händen wühlte sich Greenslade durch die Gesteinsbrocken - und befreite mehrere Eingeschlossene. Er war einer der ersten Helfer, die fotografiert wurden - mit einer verletzten Frau auf dem Arm, die er in Sicherheit brachte. Nur seine Emma bliebt zunächst verschwunden. Sie wurde sechseinhalb Stunden nach dem Beben von Feuerwehrleuten befreit.

„Es ist ein bittersüßer Tag“, sagte der Pastor „The Press“. „Ich habe erst heute morgen mit einem Mann gesprochen, der auf dem Weg zu demselben Gebäude war, um seinen kleinen Kindern zu zeigen, wo ihre Mama begraben ist. Und wir feiern die Hochzeit eines Mädchens, das ein paar Stockwerke höher gerettet wurde. Schon deshalb ist dies ein ergreifender Moment.“

dpa