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Panorama Erkrankung von 200 Bergwanderern durch Norovirus ausgelöst
Nachrichten Panorama Erkrankung von 200 Bergwanderern durch Norovirus ausgelöst
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18:41 10.08.2009
Norovirus-Erreger gelten als hochinfektiös und lösen erhebliche Magen-Darm-Beschwerden aus. Quelle: Robert Koch-Institut/ddp (Archiv)
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Zunächst hatte allein eine Verunreinigung der Trinkwasseranlage auf der Rappensee-Hütte als Ursache von Magen-Darm-Problemen bei inzwischen rund 200 Bergwandern gegolten. 44 von ihnen waren am Wochenende mit Hubschraubern ins Krankenhaus gebracht und stationär behandelt worden.

Nach Angaben des Landratsamtes in Sonthofen haben mikrobiologische Untersuchungen ergeben, dass einige Patienten mit dem Norovirus infiziert waren, das offenbar von einem Hüttenbesucher eingeschleppt worden war. Das Virus gilt als hochinfektiös und löst erhebliche Magen-Darm-Beschwerden aus. Im November 2008 war die Infektion unter den Passagieren eines Rheinschiffes ausgebrochen, das daraufhin unter Quarantäne gestellt wurde. Im Juli dieses Jahres erkrankten 54 Passagiere und 22 Besatzungsmitglieder eines Kreuzfahrtschiffes vor Großbritannien an der Seuche, die sich schon allein bei äußerlichem Kontakt übertragen kann.

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Als Ursache für die Vielzahl von Erkrankungen in den Allgäuer Alpen galt zunächst verunreinigtes Trinkwasser auf der Rappensee-Hütte. Oberstdorfer Ärzte hegten jedoch bereits am Samstag den Verdacht, dass Kolibakterien allein nicht zu solch gravierenden gesundheitlichen Folgen führen können, wie sie seit Freitag bei den Besuchern des 2091 Meter hoch gelegenen Schutzhauses aufgetreten waren. Die Mediziner der örtlichen Notarztgemeinschaft hatten sich bereit erklärt, am Wochenende auch auf den benachbarten Hütten ein Quartier aufzuschlagen, um erkrankten Wanderern sofort helfen zu können. Bergsteiger hatten auf der Rappensee-Hütte ihre Trinkflaschen gefüllt, unterwegs getrunken und während der Tour zur nächsten Hütte erhebliche Probleme bekommen.

Als Erklärung wurde noch bis Montag ein möglicher Leistungsabfall bei der UV-Bestrahlung des Quellwassers zur Abtötung von Keimen angesehen. Die Lampe war am vorigen Freitag ausgetauscht worden. Harald Platz, Vorsitzender der Alpenvereinssektion Allgäu-Kempten und damit Hausherr auf der Rappensee-Hütte, reagierte mit einer gewissen Erleichterung auf das Untersuchungsergebnis. Die Leistungsstärke der Lampe habe offensichtlich keine große Rolle gespielt. Dem Hüttenwirt sei bei der Wartung der Desinfektionsanlage wohl kein Vorwurf zu machen. Am Vormittag noch hatte die Polizei mitgeteilt, dass die Kripo wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung ermittle.

Wie das Landratsamt am Montag mitteilte, blieb die Infektion mit dem Norovirus nicht auf die Rappensee-Hütte beschränkt. Bergwanderer hätten als Träger des Virus auch die Kemptner Hütte und das Prinz-Luitpold-Haus besucht. Aufgrund der Laborergebnisse habe sich der Alpenverein in Abstimmung mit dem Landratsamt entschlossen, die Desinfektionsmaßnahmen über die Rappensee-Hütte hinaus auf diese beiden Schutzhäuser auszudehnen, erklärte Pressesprecherin Brigitte Köpf am Abend. Diese Hütten bleiben jedoch mit eingeschränktem Betrieb weiter geöffnet. Die Rappenseehütte wird bis Mittwoch geschlossen sein.

ddp