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Panorama Erlebniswelt Renaissance wird zum Millionengrab
Nachrichten Panorama Erlebniswelt Renaissance wird zum Millionengrab
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08:34 04.08.2009
Zwei Besucher betrachten die Ausstellung der Erlebniswelt Renaissance in Hameln.
Zwei Besucher betrachten die Ausstellung der Erlebniswelt Renaissance in Hameln. Quelle: Matthias Waldeck/lni
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Niedersachsens Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bleibt dabei, dem Projekt keine weitere finanzielle Unterstützung zu gewähren. In einem Gespräch mit dem Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont und der Hamelner Bürgermeisterin in der vergangenen Woche bestätigte Rösler seine Haltung: Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.

Die Erlebniswelt Renaissance wurde im September 2005 mit dem Ziel geschaffen, den Weserbergland-Tourismus anzukurbeln. Städteurlauber sollten mit Satelliten-gestützter Technik und Mini-Computern in sechs Orten Bauten der Weser-Renaissance erkunden können.

Die 14,1 Millionen teure EWR war zu 70 Prozent aus Mitteln von EU, Bund und Land finanziert worden. 8 Millionen Euro wurden nach dem Abschlussbericht der NBank nicht dem Förderzweck entsprechend verwendet. Dieses Geld wird die EU demnächst von Niedersachsen zurückfordern. Das Land wiederum wird die EWR-Gesellschaft damit konfrontieren, aber leer ausgehen: In den Kassen der EWR finden sich nur noch Haushaltsmittel, um laufende Kosten zu begleichen - pro Jahr nicht mehr als 80.000 Euro. Wie die EWR abgewickelt werden soll, wollen das Wirtschaftsministerium, die NBank und die drei als Gesellschafter beteiligten Landkreise Hameln-Pyrmont, Holzminden und Schaumburg am 14. August klären.

Allein 6,5 Millionen Euro der insgesamt 9,8 Millionen EWR-Fördermittel wurden im Hochzeitshaus am Standort Hameln ausgegeben. Die erhofften 200.000 zusätzlichen Besucher blieben aber aus, zudem funktionierte die Technik lange Zeit nicht. Am Ende steht die Schließung des Projekts und die bislang nicht eindeutig beantwortete Frage, wofür die Millionen geflossen sind.

Auch die Staatsanwaltschaft in Hannover kann darauf bisher keine Antwort geben. Bei vier Hausdurchsuchungen im Februar 2008 wurden zwar mehr als ein Dutzend Kartons mit beschlagnahmten Akten gefüllt, doch ist die Auswertung der Unterlagen bis heute nicht abgeschlossen. Vor Ende des Jahres werde kein Ergebnis vorliegen, teilte die Ermittlungsbehörde mit. Es sei noch völlig unklar, ob und gegen wen möglicherweise Anklage erhoben werde.

Im Jahr 2001 hatte die Stadt Hameln das Tourismus-Projekt gern in ihre Mauern aufgenommen, weil das Hochzeitshaus, eines der Prunkstücke der Weser-Renaissance im Zentrum der Altstadt, dringend saniert werden musste. Hunderttausende Euro schossen die drei als Gesellschafter fungierenden Landkreise im Laufe der Zeit nach, um das Projekt am Leben zu erhalten. Auch das Land leistete sich einen nun verlorenen Zuschuss in Höhe von 500.000 Euro. Jahrelang hielt der frühere Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) seine schützende Hand über das Projekt, lobte es immer wieder und ließ für viel Geld am Ende noch eine Machbarkeitsstudie für eine veränderte Nutzung in Auftrag geben - vergeblich. Auf den Weg gebracht hatte das von Anfang an verkorkste Projekt allerdings nicht Hirche, sondern seine Vorgängerin, die SPD-Wirtschaftsministerin Susanne Knorre.

Weil wegen der lange nicht funktionierenden Technik keine Werbung für die EWR geschaltet werden kann, blieben die Zuschauer aus. Erfolglos mühten sich die EWR-Manager auch, eine im Erdgeschoss des Hochzeitshauses untergebrachte Gaststätte in Gang zu bringen. Doch überzeugten weder das Ambiente noch das Angebot.

Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann (parteilos) hofft nach dem jüngsten Gespräch mit Rösler, nun kurzfristig die Erlaubnis zu bekommen, wenigstens das Restaurant wieder mit einem neuen Pächter beleben zu können. Das ist das einzige Ergebnis, das sie aus der Landeshauptstadt mit nach Hameln bringt. Dabei benötigte sie für einen Umbau des Hauses jedoch annähernd 2,5 Millionen Euro. Doch mehr als begleitende Gespräche will Rösler derzeit nicht zusagen. Auch wenn die EWR-Standorte in Bevern, Stadthagen und Bückeburg fortgeführt werden sollen, das EWR-Kernstück im Hochzeitshaus steht vor seiner Abwicklung.

lni