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Panorama Ermittlungen wegen Bestechung beim TÜV Nord
Nachrichten Panorama Ermittlungen wegen Bestechung beim TÜV Nord
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15:37 20.01.2010
Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen eine TÜV-Mitarbeiterin und niedersächsische Fahrlehrer aus Hannover und Hildesheim.
Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen eine TÜV-Mitarbeiterin und niedersächsische Fahrlehrer aus Hannover und Hildesheim. Quelle: Florian Wallenwein
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Eine Mitarbeiterin vom TÜV Nord sowie fünf Fahrschulen in Hannover und Hildesheim sind laut Staatsanwaltschaft in einen Bestechungsskandal verwickelt. Die Verdächtigen sollen insgesamt 800 ausländischen Fahrschülern zum Bestehen der theoretischen Fahrprüfung verholfen haben, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel am Mittwoch und bestätigte einen Bericht der „Bild“-Zeitung Hannover (Mittwoch). „Nach unseren Erkenntnissen sollen sie dafür etwa 700 Euro pro Person kassiert haben“, betonte Lendeckel. Der TÜV Nord hat die Mitarbeiterin bis auf weiteres vom Dienst freigestellt.

Die TÜV-Mitarbeiterin steht im Verdacht, streng geheime Prüfungsfragen mit Übersetzung auf Mini-Discs an Fahrlehrer weitergeleitet zu haben. Die Verdächtige habe den Vorwurf in den ersten Vernehmungen bestritten, sagte Lendeckel. Die Polizei hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Dienstag insgesamt zwölf Objekte durchsucht, darunter auch die Räume der TÜV-Zentrale in Hannover. Es geht um Bestechung, Falschbeurteilung und Verstoß gegen das Urhebergesetz.

Der TÜV Nord unterstütze die Staatsanwaltschaft in vollem Umfang und habe umgehend die interne Aufarbeitung des Falls begonnen, teilte das Unternehmen mit. Der TÜV sei seit Jahren aktiv an der Aufklärung und Verfolgung von Manipulationen theoretischer Fahrprüfungen durch Fahrschüler beteiligt und habe zahlreiche Fälle zur Anzeige gebracht.

Vor etwa einem Jahr waren in Göttingen ein TÜV-Mitarbeiter und ein Fahrlehrer zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden, weil sie brasilianischen Bundesliga-Fußballern illegal deutsche Führerscheine besorgt hatten.

Der TÜV Nord hatte sich an der Entwicklung und Einführung des fälschungssicheren Verfahrens zur Führerscheinprüfung am Computer beteiligt. Jedes Jahr führt das Unternehmen nach eigenen Angaben etwa 465 000 praktische und rund 500 000 theoretische Fahrerlaubnisprüfungen durch. Seit 2010 wird der Theorietest nur noch am Computer absolviert.

lni