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Panorama Erste Tote durch Schweinegrippe in Niedersachsen
Nachrichten Panorama Erste Tote durch Schweinegrippe in Niedersachsen
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19:59 20.11.2009
Die Impfaktionen gegen die Schweinegrippe sind weiter umstritten. Quelle: ddp
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Wie das Gesundheitsministerium am Montag mitteilte, erlag die 52-jährige Frau aus dem Raum Osnabrück am Montag dem H1N1-Virus. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesopfer in Deutschland auf 20. Mehr als 60 000 Menschen haben sich seit April mit dem H1N1-Virus infiziert.

Die Frau ist vergangene Woche mit einem Infekt ins Krankenhaus eingeliefert worden, wo die Ärzte dann die Schweinegrippe feststellten, sagte der Amtsarzt des Gesundheitsamtes von Landkreis und Stadt Osnabrück, Gerhard Bojara, am Montagabend. Der gesundheitliche Zustand der Frau habe sich zum Wochenende verschlechtert.

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Noch vor vier Wochen hat Bojara festgestellt, das die Mehrheit der Bevölkerung eine Impfung gegen die Schweingerippe ablehnt. „Von Tag zu Tag ist das Interesse an der Impfung gestiegen. Die Nachfrage an der Impfung ist so nachgezogen, dass es zu einem Impfstoff-Engpass in ganz Deutschland gekommen ist“, sagte der Mediziner. Die ersten Ärzte haben mit der Impfung in Niedersachsen am 28. Oktober begonnen, sagte ein Sprecher aus dem Gesundheitsministerium.

Niedersachsens Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) zeigte sich tief betroffen von der Todesnachricht. „Mein Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen. Es gilt umso mehr, mit einer Impfung besonders die Menschen vorrangig zu schützen, die im Falle einer Erkrankung möglicherweise ernsthafte Komplikationen zu befürchten haben.“ Dazu gehörten Menschen mit chronischen Erkrankungen und Personal in Krankenhäusern sowie Pflegeheimen. Niedersachsen sei mit der Notfallreserve von antiviralen Medikamenten und der Impfstrategie gut gewappnet, sagte die Ministerin. In Deutschland sind damit bis zum Montag knapp 20 Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Experten raten immer wieder, sich impfen zu lassen.

Unlängst hatte die Niedersächsische Gesellschaft für Impfwesen und Infektionsschutz (NGI) die Bevölkerung zur Impfung gegen die Schweinegrippe aufgerufen. Bedenken gegen den Impfstoff seien vollkommen unbegründet. Wie bei allen anderen Impfungen sei die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen verschwindend gering. Dementgegen sei bei der erwarteten zweiten Welle der Grippe mit einer hohen Zahl von Infizierten und entsprechend auch mehr Todesfällen zu rechnen. Der Impfstoff sei ausreichend erprobt und sicher.

In Thüringen ist erneut ein Mann nach der Impfung gegen Schweinegrippe gestorben. Der 66-Jährige, der sich am vergangenen Freitag impfen ließ, war am Montag tot in seiner Wohnung gefunden worden, teilte das Gesundheitsministerium am Nachmittag mit. Der Senior habe an einer chronischen Atemwegserkrankung gelitten. Die genaue Todesursache werde jetzt untersucht. Damit sind in Thüringen innerhalb weniger Tage drei Menschen nach der Impfung gestorben. In den ersten beiden Fällen wurde inzwischen allerdings ausgeschlossen, dass die Impfung damit in Verbindung steht.

Beim Tod eines 55 Jahre alten Mannes aus dem Eichsfeld hatte das Ministerium am Montag die Impfung als Todesursache ausgeschlossen. Die Obduktion habe ergeben, dass der Mann einem Herzinfarkt erlegen sei, der vermutlich schon vor der Impfung begonnen habe. Der 55-Jährige war am Donnerstag etwa fünf Stunden nach der Impfung gestorben. In der vergangenen Woche war bereits eine 65 Jahre alte, herzkranke Frau aus Weimar wenige Stunden nach der Impfung einer tödlichen Herzattacke erlegen.

Nach Angaben eines Ministeriumssprechers sind in Deutschland bislang 16 Menschen an der Schweinegrippe gestorben. „Vor diesem Hintergrund sollten wir die Impfungen beurteilen.“

ddp/lni