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Panorama Erster Deich an der Oder reißt
Nachrichten Panorama Erster Deich an der Oder reißt
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11:34 28.05.2010
Seit Tagen im Blick der Öffentlichkeit: Das Pegelhäuschen der Oder in Ratzdorf. Quelle: ap
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Das Oder-Hochwasser in Brandenburg hat am Freitag seinen Höhepunkt erreicht: am kritischen Pegel in Ratzdorf, wo sich Oder und Neiße treffen und die roten Ziffern des kleinen Pegelhäuschens die aktuellen Wasserstände anzeigen. Um 8.00 Uhr wurden dort 6,28 Meter gemessen, wie das Hochwassermeldezentrum in Frankfurt (Oder) mitteilte. In der Nacht waren es noch ein bis zwei Zentimeter mehr gewesen. Zugleich mussten Ministerpräsident Matthias Platzeck und Innenminister Rainer Speer (beide SPD) den ersten Schaden an einem Deich vermelden - ausgerechnet bei Ratzdorf.

„Der Deich ist in seinem Wesen nicht gefährdet“, beruhigte Speer. Eine Grasnarbe sei abgerutscht, mehr als hundert Helfer arbeiteten daran, den Schaden an der Nahtstelle zwischen einem alten und einem neuen Deich zu beheben. Platzeck hatte Medienberichten zufolge von einem etwa 25 Meter langen Riss an dem Altdeich gesprochen, der in der Nacht zum Freitag aufgetreten sei. Laut Speer gibt es an anderen Deichen entlang der Oder nach derzeitigen Erkenntnissen keine weiteren ähnlichen Schäden.

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Fest steht: Der Druck des Oder-Hochwassers auf die Deiche nimmt zu. In Brandenburg gilt bereits im Landkreis Oder-Spree, in dem auch Ratzdorf liegt, die höchste Alarmstufe 4. Es wurde damit gerechnet, dass im Laufe des Freitags dies auch in der Grenzstadt Frankfurt (Oder) geschehen sollte. Dort ist nach Angaben der Stadt bereits ein besonders gefährdeter Straßenzug überschwemmt. Beim Nachbarn in Slubice ist die Lage ernster. Der Ort liegt teilweise zwei Meter unter dem Fluss, zwei Dörfer wurden bereits evakuiert. Schulen sind geschlossen, die Menschen gehen aber wie gewohnt arbeiten.

„Die Leute sind etwas unruhig, es gibt aber keine Panik“, sagte der Sprecher des Katastrophenschutzbüros, Tomasz Pilarski, der Nachrichtenagentur dpa. Dafür gebe es auch keinen Grund. Das Wasser stehe bei 5,80 Meter, 1997 seien es 6,70 Meter gewesen. „Es besteht kein Risiko, dass wir ein Gebot zur Evakuierung ausgeben.“ Rund 30 000 gefüllte Sandsäcke verstärkten die Deiche. Bislang haben diese auch in Slubice gehalten. Angesichts des anhaltenden Hochwassers wird auf deutscher Seite am frühen Nachmittag bei Schwedt (Uckermark) nördlich von Frankfurt (Oder) ein Polder geöffnet, um Druck von den Deichen zu nehmen.

dpa