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00:15 31.05.2014
Von Michael B. Berger
Christian Wulff ist der einzige Bundespräsident, der jemals in einem Strafprozess vor Gericht stand Quelle: dpa
Hannover

Es ist nicht das erste Buch über „die Geschichte hinter der Geschichte“, aber es wird sicher eines der spannendsten sein: Christian Wulff, Bundespräsident a. D. und vor knapp drei Monaten vom Vorwurf der Vorteilsnahme freigesprochen, will „auspacken“. Seine Sicht der Dinge darlegen. „Ganz oben Ganz unten“ lautet der Buchtitel, der zumindest in der Rechtschreibung unkonventionell ausfällt. Auch am „Ganz unten“ kann man Zweifel haben – bekommt Wulff doch einen jährlichen Ehrensold von 199  000 Euro.

Die Affäre Wulff

Mehr zum Thema finden Sie in unserer Chronik.

Der renommierte Verlag C.H. Beck verheißt in seiner Ankündigung die Geschichte einer beispiellosen Verfolgung. „Obwohl sich vor Gericht auch der letzte gegen ihn erhobene Vorwurf als haltlos erwies, reichte die öffentliche Demütigung noch über den Tag des Freispruchs hinaus.“ Es soll ein Blick hinter die Kulissen sein – den ihrerseits auch die frühere First Lady Bettina Wulff im Buch „Jenseits des Protokolls“ verschriftlicht hatte.

Das Buch von Christian Wulff wird vom Verlag wie eine Geheimsache behandelt. Keine Leseprobe vorab – die gibt es erst dann, wenn Wulff sich selbst am 10. Juni kurz nach Pfingsten vor der Bundespressekonferenz offenbart. Dann wolle er über die „Verfolgung“ durch die Medien sprechen, so der Beck-Verlag: „Auch das Verhalten der Staatsanwaltschaften in Celle und Hannover wirft Fragen auf. Ging alles mit rechten Dingen zu?“

Von der Inanspruchnahme eines günstigen Privatkredits über kostenlose Urlaube bei Unternehmern bis zur staatlichen Mitfinanzierung einer umstrittenen Lobby-Veranstaltung: Bundespräsident Christian Wulff wurde vielen Vorwürfen ausgesetzt. Geblieben ist wenig.

Diese Frage ist nicht ohne Pikanterie. Denn Wulffs Freispruch ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft in Hannover und Generalstaatsanwalt Frank Lüttig in Celle überlegen noch, ob sie im Urteil des Richters Frank Rosenow Verfahrensfehler erkennen. Bis zum 12. Juni wollen sie entschieden haben, ob sie bei der Revision bleiben. Vorher, so die Staatsanwaltschaft diese Woche, gebe es keine Entscheidung. Wulff sah sich auch vom Celler Generalstaatsanwalt verfolgt, der vor Eröffnung des Verfahrens von einer „lückenlosen Indizienkette“ gegen Wulff gesprochen hatte, was Richter Rosenow energisch bestritt. Ob die Staatsanwaltschaft jetzt „vom Baum herunterkommt“, wie es im Wulff-Prozess hieß, ist fraglich. Ein „Enthüllungsbuch“ dürfte wohl kaum dazu beitragen.

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