Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Ex-Feuerwehrmann schweigt im Prozess um siebenfachen Missbrauch
Nachrichten Panorama Ex-Feuerwehrmann schweigt im Prozess um siebenfachen Missbrauch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:48 19.05.2010
Der heute 29-jährige Sascha B. soll in seiner Zeit als Jugendwart der Feuerwehr in Rinteln und Bad Nenndorf sieben Jungen missbraucht haben. Das jüngste Opfer war laut Anklage erst neun Jahre alt.
Der heute 29-jährige Sascha B. soll in seiner Zeit als Jugendwart der Feuerwehr in Rinteln und Bad Nenndorf sieben Jungen missbraucht haben. Das jüngste Opfer war laut Anklage erst neun Jahre alt. Quelle: dpa
Anzeige

Erst erschlich sich der ehemalige Jugendbetreuer der Feuerwehr in Rinteln und Bad Nenndorf das Vertrauen seiner minderjährigen Opfer. Als er sie dann in seine Wohnung gelockt hatte, schloss er die Tür ab und überredete die 9 bis 16-jährigen Jungen mit Geld und Spielekonsolen zum Sex. Zum Teil machte er seine Opfer auch mit Alkohol gefügig und filmte die Übergriffe. Seit Mittwoch muss sich der heute 29-Jährige wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen in 17 Fällen vor dem Landgericht Bückeburg verantworten.

Die hellblaue Kapuze seiner Regenjacke hat der Angeklagte beim Betreten des Gerichtssaals bis unter die Nase gezogen. Mit einem Geschirrtuch vermummt er zudem seine untere Gesichtspartie. Augenscheinlich verabscheut der 29-Jährige den öffentlichen Auftritt und schämt sich der vorgeworfenen Taten. Sein Blick ist starr nach unten gerichtet, nur ab und zu kreisen seine Augen nach oben auf die Zuhörer und zahlreichen Anwälte der Nebenklage.

Zum Prozessauftakt spricht der gehemmt und schüchtern wirkende Mann auf der Anklagebank nur ein einziges Wort. Auf die Frage der Vorsitzenden der Großen Jugendkammer, ob er sich zu den Vorwürfen äußern möchte, flüstert er ein „Nein“. „Damit bleibt den Opfern eine Aussage vor Gericht nicht erspart“, sagte Gerichtssprecher Jörg Peters. Nochmals müssen sie die traumatischen Erlebnisse vor den Richtern, Schöffen, Anwälten und vor allem vor ihrem Peiniger durchleben. Da die Zeugen minderjährig sind, ist die Öffentlichkeit während der Vernehmungen ausgeschlossen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ex-Feuerwehrmann vor, sich zwischen 2004 und 2009 an insgesamt sieben Jungen vergangen zu haben. Die Einzelheiten in der Anklageschrift sind widerwärtig: Unter anderem hat er die Jungen zum Anal- und Oralverkehr überredet. In zwei Fällen filmte er die Übergriffe sogar mit seiner Kamera - die Videobänder haben die Ermittler sichergestellt.

Oftmals durften die Jungen bei ihm übernachten. In der Nacht legte er sich dann zu seinen Opfern, streichelte sie und bot ihnen Geld für Sex. Wehrte sich ein Junge, ließ er von ihm ab - von Drohungen oder Gewalt, um die Opfer gefügig zu machen, steht nichts in der Anklage. Den Stein ins Rollen brachte die Mutter eines der Jungen, sie erstattete Anzeige bei der Polizei. Ihre Aussage ist für Anfang Juni geplant.

Welche Strafe dem Angeklagten droht, ist völlig offen. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft. Denkbar ist aber auch, dass der 29-Jährige vermindert schuldfähig ist. Dazu soll zum Ende des Verfahrens ein psychiatrischer Sachverständiger gehört werden. Mit einem Urteil ist nicht vor Ende Juni zu rechnen.

dpa

19.05.2010
19.05.2010
18.05.2010