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Panorama Experten erwarten im Herbst zweite Schweinegrippe-Welle
Nachrichten Panorama Experten erwarten im Herbst zweite Schweinegrippe-Welle
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09:08 27.08.2009
Ein Mitarbeiter von GalxoSmithKline in Dresden bei der Impfstoffproduktion gegen das Schweinegrippevirus.
Ein Mitarbeiter von GalxoSmithKline in Dresden bei der Impfstoffproduktion gegen das Schweinegrippevirus. Quelle: ddp
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Mit Beginn der Grippesaison sei ein „deutlicher Anstieg der Fallzahlen“ zu erwarten, sagte der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, am Mittwoch in Berlin. Dabei bestehe die „große Sorge“, dass das Virus sich nicht nur stärker verbreite, sondern die Erkrankungen auch schwerer ausfielen. Auch Todesfälle seien in Deutschland nicht auszuschließen. Die Vorsorge mit Hilfe von Impfungen sei deshalb vor allem bei Risikogruppen sehr wichtig.

Derzeit sind in Deutschland nach RKI-Angaben knapp 15 000 Menschen mit dem Grippevirus H1N1 infiziert. Im Vergleich zur letzten Erhebung vor gut einem Monat seien 359 neue Fälle bekannt geworden. Die größte Zahl neu gemeldeter Infektionen betreffe Reiserückkehrer, vor allem aus Spanien. Die überwiegende Zahl der Erkrankungen nehme in Deutschland nach wie vor einen milden Verlauf, Todesfälle seien bisher nicht bekannt.

Die „gute Nachricht“ ist laut Burger, dass die Zahl der Neuerkrankungen in der zweiten Augustwoche erstmals zurückging. Es sei allerdings nicht sicher, ob sich dieser Trend fortsetze. Den Angaben zufolge wird die am RKI angesiedelte Ständige Impfkommission (STIKO) Anfang September über eine Impfempfehlung gegen die „Schweinegrippe“ entscheiden. Die STIKO entscheide unter anderem darüber, ob die Impfung auch für Kinder und Schwangere empfohlen werden könne.

Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass Mitte Oktober die ersten Chargen des Impfstoffs gegen die Schweinegrippe ausgeliefert werden können. Anfang Dezember würden dann 50 Millionen Impfstoffdosen zur Verfügung stehen, erklärte ein Ministeriumsvertreter laut Bundestagspressedienst am Mittwoch im Gesundheitsausschuss. Damit sollen zunächst besonders gefährdete Menschen geimpft werden.

Aus der SPD-Fraktion kam demnach in der Ausschusssitzung Kritik am Vorbereitungsstand der Länder hinsichtlich der Organisation der Impfungen. In den Reihen der FDP-Fraktion wurde die „epidemiologische Sinnhaftigkeit der ganzen Angelegenheit“ bezweifelt und die Frage aufgeworfen, wie weit im Zusammenhang mit der Schweinegrippe Panik geschürt werde.

Die Linkspartei warf indes der Bundesregierung vor, diese sei nicht auf die Schweinegrippe vorbereitet. „Die Bundesregierung muss beispielsweise erklären, warum es selbst drei Jahre nach der Vogelgrippe und der begonnenen Pandemieplanung keine Strategie gibt, wie innerhalb kurzer Zeit über 20 Millionen Menschen geimpft werden sollen“, erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Frank Spieth, nach der Sitzung des Gesundheitsausschusses. Der öffentliche Gesundheitsdienst und die normalen Arztsprechstunden seien „auf einen Massenansturm nicht vorbereitet“.

ddp/afp