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Panorama Explosion in Brühl - Drei Vermisste im Keller vermutet
Nachrichten Panorama Explosion in Brühl - Drei Vermisste im Keller vermutet
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08:54 12.12.2010
Nach der Explosion werden die drei Vermissten im Keller des eingestürzten Hauses vermutet. Quelle: dpa
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Blaulicht flackert an den Fassaden entlang. Grelle Scheinwerfer leuchten eine Trümmerlandschaft aus. Immer wieder prasselt Regen auf die Feuerwehrleute in Brühl bei Köln. Aber nach dem ersten frühen Erfolg, der Bergung eines verletzten Jungen, schwindet die Zuversicht mit jeder Stunde, auch noch die drei weiteren Vermissten - die Schwester des Jungen, seinen Vater und dessen Lebensgefährtin - aus dem eingestürzten Haus retten können. „Wir geben die Hoffnung nicht auf“, sagt Bürgermeister Michael Kreuzberg (CDU) dennoch.

Er spricht von einem schrecklichen Unglück. Aber auch am frühen Morgen war noch völlig unklar, was zu der Explosion geführt hatte. Das Haus war an das Gasnetz angeschlossen, aber Experten fanden keine Spuren von ausgetretenem Gas. Der Statiker Hans Nolden schloss bei einer Pressekonferenz in der Nacht Materialermüdung als Einsturzursache aus. Aber was explodiert sein könnte, dazu wollte er genauso wenig sagen wie Polizei und Feuerwehr.

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Am frühen Abend hatten Anwohner den Notruf gewählt und von einer Explosion gesprochen. In kurzer Zeit rückten mehr als 200 Feuerwehrleute, Ärzte, Sanitäter und Polizisten an. Suchhunde fanden rasch den 12 Jahre alten Jungen - aber die Retter konnten nur sehr schwer zu ihm vordringen. Kleinste Erschütterungen drohten die wenigen noch stehenden Wände zum Einsturz zu bringen.

„Es war etwas schwierig, ihn auszugraben“, schilderte Kreuzberg, „die Feuerwehrleute haben es zum Teil mit ihren bloßen Händen gemacht.“ Sanitäter versorgten den Jungen da bereits. „Man konnte den Jungen aber noch nicht rausziehen, weil ein Fuß noch eingeklemmt war.“ Unter Lebensgefahr, wie Einsatzleiter Peter Berg sagte, holten die Retter den Jungen aus den Trümmern. Inzwischen wurde er ins Krankenhaus gebracht und ist stabil. Psychologen betreuen ihn.

Vermisst werden noch seine 10 Jahre alte Schwester, sein 45 Jahre alter Vater und dessen 47 Jahre alte Lebensgefährtin. Der Vater soll im Keller gewesen sein, als das Haus einstürzte. Da aber auch die Zwischendecken einbrachen, vermuten die Experten auch die anderen beiden Vermissten unter den Trümmern im Keller. Vom Nachbarhaus aus bohrten die Feuerwehrleute Löcher durch die Wand und erkundeten mit Kameras die Trümmer. Hinweise auf weitere Überlebende gab es aber bis zum frühen Morgen nicht. Außer den Dreien wurde niemand vermisst.

Die Ermittlungen zur Ursache stehen noch ganz am Anfang. „Ich gehe im Moment von einem Unglück aus, aber es ist nichts gesichert. Es sind ja bisher praktisch keine Untersuchungen möglich gewesen aufgrund der unsicheren Lage“, sagte Bürgermeister Kreuzberg. In der Nacht informierte sich auch NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) an Ort und Stelle über die Lage. Er freue sich sehr “über die Rettung des 12-jährigen Jungen Tobias“, sagte er.

dpa