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Panorama Fahnder verfolgen Verdacht auf Betrug mit Aids-Medikamenten
Nachrichten Panorama Fahnder verfolgen Verdacht auf Betrug mit Aids-Medikamenten
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16:47 24.02.2011
Krumme Geschäfte mit Arznei gegen den Aids-Virus beschäftigen Polizei und Justiz. Quelle: dpa

Verbilligte Aids-Medikamente für Afrika sollen mehrere Arzneimittelhändler teuer an deutsche Kunden verkauft haben. Das Bundeskriminalamt (BKA) bestätigte am Donnerstag, dass gegen mehrere Pharmagroßhändler wegen des Verdachts auf systematischen Betrug ermittelt wird. Federführend seien die Staatsanwaltschaften Trier, Lübeck und Flensburg, sagte eine BKA-Sprecherin in Wiesbaden der Nachrichtenagentur dpa.

Die Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt gegen den Geschäftsführer eines Pharmahändlers auf der Insel Sylt sowie seinen Mitarbeiter. Sechs Millionen Euro Umsatz sollen die Beschuldigten mit dem Geschäft gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt nach eigenen Angaben gegen die Geschäftsführer eines Pharmagroßhändlers aus Trittau. Oberstaatsanwalt Günter Möller bestätigte entsprechende Berichte des Radiosenders NDR Info vom Donnerstag, wonach subventionierte HIV-Medikamente für Afrika illegal in Deutschland verkauft worden sein sollen.

Holger Wicht von der Deutschen Aids-Hilfe sagte, ihm sei bisher kein Betrug dieses Ausmaßes bekannt. „Das ist ein ungewöhnlicher Vorgang“, erklärte der Sprecher. Wenn die Medikamente in Afrika fehlten, könne dies Menschenleben gefährden, sagte Wicht. Er warnte indes davor, die Abgabe von verbilligten Medikamenten für arme Länder generell infrage zu stellen. Wicht schlug vor, verstärkt Lizenzen für Generikaprodukte freizugeben. Vorstandsmitglied Winfried Holz verurteilte die Vorgänge „aufs Schärfste“.

Zu den Unternehmen, deren Produkte betroffen sind, gehört der Konzern GlaxoSmithKline. Der Hersteller teilte mit, man sei bereits im August 2009 über eine einzelne gefälschte Medikamentenpackung informiert worden. Die Charge sei zurückgerufen worden. Das Unternehmen habe Großhandel und Apotheken informiert. Auch Boehringer Ingelheim rief 2009 und 2010 Chargen zurück.

Eine Sprecherin von UN-Aids sagte in Genf, die Mitarbeiter des Programms der Vereinten Nationen zu der Immunschwächekrankheit hätten von den Fällen aus Deutschland noch nicht gehört. NDR Info meldete unterdessen, der Gesamtschaden der Betrugsfälle erreiche mindestens zweistellige Millionenhöhe.

Die Ermittlungsverfahren dauern zum Teil schon länger an. Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Trier waren Ende 2010 erstmals bekannt geworden. Das Flensburger Verfahren lag seit 2009 ursprünglich bei der Staatsanwaltschaft in Bremen, sei aber Mitte 2010 weitergegeben worden, sagte Meienburg. Das BKA wurde nach Angaben seiner Sprecherin wegen der Dimension der Fälle und wegen der Verbindungen ins Ausland eingeschaltet.

dpa

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