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00:16 05.11.2015
"Durchschnittlich jedes sechste gestohlene Rad war nicht angeschlossen",  sagt ADFC-Bundesvorsitzender Ulrich Syberg. Quelle: Inga Kjer
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Hannover

Fahrrad fahren ist gesund, schont die Umwelt und den Geldbeutel. Immer mehr Leute steigen aufs Rad. Doch auch bei Dieben sind die Drahtesel begehrt: Fast jeder Bundesbürger kennt vermutlich jemanden, dem schon einmal das Fahrrad gestohlen wurde.

Wie eine aktuelle forsa-Studie, die von der Versicherungs-Gruppe Cosmos.Direct in Auftrag gegeben wurde, ergeben hat, musste mehr als ein Viertel der Bevölkerung (27 Prozent) mindestens einmal diese Erfahrung machen. Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) verschwinden hierzulande jährlich mehr als 300 000 Fahrräder. „Das sind 20 Mal so viele wie Autos“, sagt ADFC-Bundesvorsitzender Ulrich Syberg. „Wir schätzen den Wert auf mehr als 200 Millionen Euro. Das ist fast genauso hoch wie bei entwendeteten Autos.“ Die meisten Diebstähle gab es im vergangenen Jahr bundesweit in Magdeburg: Hier kamen auf 100 000 Einwohner 1638 Delikte.  

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Gelegenheit macht Diebe

Ein Grund für die hohe Anzahl der Fahrraddiebstähle ist die Fahrlässigkeit vieler Geschädigter. "Durchschnittlich jedes sechste gestohlene Rad war nicht angeschlossen", sagt Syberg.

Nach Angaben von Cosmos.Direct haben 21 Prozent der Fahrradbesitzer mindestens 750 Euro für ihr Zweirad ausgegeben. Wer davon lange etwas haben möchte, sollte daher auch beim Schloss nicht sparen. „Am sichersten sind massive Bügel-, Stahlketten- und Panzerkabelschlösser, die groß genug sind, um das Rad an einen Baum zu ketten“, sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart. „Profis schneiden dünne Kabel- oder Bügel-schlösser mit einem Handgriff durch.“ Ein gutes Schloss reiche jedoch nicht aus, auch die richtige Anbringung sei wichtig. „Das Rad sollte immer mit dem Rahmen an einem festen Gegenstand, beispielsweise einem Fahrradständer oder Laternenpfahl, angeschlossen werden“, rät Schmidt. „Andernfalls können Diebe das Rad mitsamt Schloss auf einen wartenden Lastwagen werfen und damit wegfahren.“

Auch der ADFC gibt Tipps zu einer optimalen Sicherung. So rät der Verein, Fahrräder in der Öffentlichkeit nicht in verlassenen und schlecht einsehbaren Ecken abzustellen. Je belebter ein Platz sei, desto schwieriger werde es für den Dieb, ein Fahrrad ungestört zu entwenden.

Auch im eigenen Vorgarten sollte das Rad gesichert werden. Der Fahrradclub appelliert zudem an die Behörden. Radklau sei ein Massendelikt, das der Staat aber bagatellisiere. Dringend notwendig seien sichere Fahrradparkhäuser und Abstellplätze an Bahnhöfen und öffentlichen Gebäuden – Treppengeländer oder Bauzäune eignen sich nicht als sichere Plätze. Wichtig sei zudem die Aufklärungsarbeit. „Die Polizei muss mehr Fahndungsdruck aufbauen. Sie sollte mehr Ermittler einsetzen – und beispielsweise mit Beamten in Zivil Fahrradabstellplätze an Bahnhöfen überwachen“, sagt der Bundesvorsitzende Syberg.

Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes empfiehlt zudem eine fachgerechte Fahrradcodierung. „Mit einer Codierung überlegen es sich potenzielle Diebe einmal mehr, ob sie das Rad stehlen oder nicht“, sagt Schmidt. Nützlich sei zudem ein sorgfältig ausgefüllter Fahrradpass.

Der Fahrradpass

Ein Fahrradpass enthält alle wichtigen Informationen über das Zweirad. Zu diesen gehören Angaben zur Marke, zum Modell, der Rahmenfarbe und -form und die Art der Schaltung. Der ausgefüllte Pass sollte zu Hause aufbewahrt werden und bestenfalls noch ein Foto vom Fahrrad enthalten. Alle diese Daten helfen der Polizei bei ihren Ermittlungen und können auch bei der Versicherung eingereicht werden.

Ein vorgefertigter Fahrradpass zum Ausfüllen ist in dem Faltblatt „Guter Rat ist nicht teuer. Und der Verlust Ihres Rades?“ enthalten. Dieses gibt es kostenlos bei allen Polizeidienststellen oder im Internet zum Download.
Für Smartphone-Besitzer bietet die Polizei den Fahrradpass als kostenlose App für das Handy an.

Im Project „Insect“ der Firma Fahrradjäger aus Rostock wurde eine Art Alarmanlage fürs Rad entwickelt, die sich via Bluetooth-Sender mit dem Smartphone verbindet und per App auf Diebstahlversuche hinweist sowie bei der Ortung eines gestohlenen Fahrrades hilft. „Insect“ soll voraussichtlich zur Fahrradsaison 2016 auf den Markt kommen.

Wenn das Fahrrad gestohlen wurde

Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, ein gestohlenes Fahrrad wiederzuerhalten, sehr gering. Gerade einmal 9,6 Prozent der Diebstähle konnten im vergangenen Jahr aufgeklärt werden. Dennoch lohnt sich eine Anzeige bei der Polizei. „Häufig ist es die Voraussetzung für eine Schadensregulierung mit der Versicherung“, sagt der Kriminaloberrat. „Wenn das Fahrrad gefunden wurde, geht es so wieder an seinen Besitzer zurück – vorausgesetzt, dass es einem konkreten Fall und Geschädigten zugeordnet werden kann.“

Wer sein gestohlenes Fahrrad durch Zufall wiederfindet, sollte es aber keinesfalls „zurückklauen“ und somit selbst zum Dieb werden. „Es sollte auch nicht versucht werden, den Täter zu stellen“, sagt Schmidt. „Stattdessen sollte die Polizei verständigt und gewartet werden, bis die Beamten vor Ort sind.“

Nicht nur Diebe machen sich strafbar

In den Kleinanzeigen der Zeitungen, auf Flohmärkten und auf zahlreichen Verkaufsplattformen im Internet werden gebrauchte Fahrräder angeboten – oft für wenig Geld. Doch Schnäppchenjäger sollten aufpassen und skeptisch sein. Wer ein gestohlenes Fahrrad kauft, egal ob wissentlich oder nicht, macht sich der Hehlerei strafbar. Paragraf 259 des Strafgesetzbuches besagt, dass derjenige, der eine Sache kauft, die ein anderer gestohlen oder durch sonst eine rechtswidrige Tat erlangt hat, mindestens mit einer Geldstrafe rechnen muss.

Um ganz sicherzugehen, empfiehlt die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, sich vor dem beim Gebrauchtradkauf eine originale Kaufquittung des Händlers zeigen zu lassen.

„Fast die Hälfte aller Radfahrer in Deutschland (46 Prozent) hat ihr Rad nicht gegen Diebstahl versichert“, sagt Versicherungsexperte Bernd Kaiser. „Dabei bieten viele Versicherer im Rahmen einer Hausratversicherung die Mitversicherung von Fahrraddiebstahlschäden an.“ Ist das Fahrrad zum Tatzeitpunkt jedoch nicht abgeschlossen, hafte der Geschädigte selbst für den Verlust. Bei einer Leistungsregulierung über die Hausratversicherung ist es hilfreich, wenn der Versicherte eine Anschaffungsrechnung oder einen Fahrradpass vorlegen kann.

Von Katharina Ahlers

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