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Panorama Fashion Week in Berlin startet mit Pomp und Prominenz
Nachrichten Panorama Fashion Week in Berlin startet mit Pomp und Prominenz
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21:34 07.07.2010
Bodylotion bringt die Haut im Bühnenlicht zum Schimmern, ein Schubser die Models auf den Laufsteg: Marcel Ostertags „I love to hate you“-Kollektion sorgt am Mittwoch für den Auftakt der Berliner Modewoche. Quelle: ap
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Ein Quadrat aus Klebestreifen markiert die Grenze. Wer den Fuß darüber setzt, muss auf mehr als zehn Zentimeter hohen Stilettos seinen Weg auf dem Catwalk machen. „Walk in the Middle – lauft in der Mitte. Kürzt den Weg nicht ab“, ermahnt Backstagemanagerin Lena streng. Es ist nicht das erste Mal an diesem Morgen, kurz nach neun. Hinter den Kulissen der Berliner Fashion Week nennt man sie und ihre Kollegen die „Schubser“, nicht aus Gemeinheit, sondern weil sie diejenigen sind, die den Models während der Schauen das Zeichen zum Start geben – mit einem leichten Klaps auf die Schulter.

Nebenan wird noch hektisch frisiert, geföhnt und geschminkt. Camouflage hilft gegen Ränder unter müden Augen, Bodylotion bringt die Haut der Modelle im Bühnenlicht zum Schimmern. „Jetzt ist Schluss, nicht dass ihr zu viel auflegt“, sagt Visagist Boris Entrup zu seinem Team, das mit schwarzem Kajal und sanftem Pastell für die Lippen arbeitet. Schon das ist eine Frage der Geschicklichkeit: Der Boden am Bebelplatz ist uneben. Sobald im engen Backstagebereich ein Kollege zu stark auftritt, schwingen die Holzbohlen.

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In der Luft hängt der Duft nach Haarspray. Es herrscht gute Stimmung. Am Wochenende wird das vielleicht anders aussehen. Bis Sonntag sind in ganz Berlin mehr als 70 Modenschauen geplant. Das bedeutet bis zu zehn Schauen am Tag und für das etwa 30-köpfige Team um den „Head of Hair“ André Märtens und Make-up-Chef Entrup bis zu 16 Stunden Arbeit am Tag.

Überhaupt ist die Hauptstadt in diesen Tagen groß in Mode: Parallel zur Fashion Week öffnet am ehemaligen Flughafen Tempelhof die Modemesse „Bread & Butter“, Streetwear ist auf der „Bright“ zu sehen, noch mehr Mode gibt es unter anderem auf den Schauen der Premium sowie der Dessousmesse „5 elements.berlin“. Insgesamt werden 120 000 Fachbesucher erwartet. Auf den Gästelisten stehen Stars wie Exmodel und Schauspielerin Milla Jovovich, die nach Topmodels wie Eva Padberg und Julia Stegner das diesjährige Gesicht der Fashion Week ist. Auch der deutsche Hollywoodstar Diane Krueger und US-Star John Malkovich sind dabei. Am Donnerstag werden unter anderem Karoline Herfurth, Katja Riemann, Mariella Gräfin Faber-Castell und Nina Hoss erwartet.

Den Auftakt zur Fashion Week macht an diesem Mittwochmorgen der Münchener Designer Marcel Ostertag im Zelt am Bebelplatz. In den provisorischen Kabinen zwischen aufgereihten Kleiderständern herrscht zehn Minuten vor Beginn der Show noch ein mittelschweres Chaos. Ankleider helfen den Models beim Anziehen, während andere ihnen die Schuhe zubinden. Friseur Marcel Winterroth aus Hannover frisiert im Eiltempo: Die langen Haare des Models sollen eng am Kopf anliegen und hinten trotzdem locker fallen. Einige Mädchen sind für weitere Schauen an diesem Tag gebucht. „Da ist es wichtig, nicht zu viel Haarspray und Gel zu verwenden, sonst lassen sich die Haare später nicht mehr frisieren“, sagt er.

In der Nähe sitzt Model Barbara Meier in Plateaustilettos und schwarzem Minirock und tippt etwas in ihren Blackberry. Die 23-Jährige gilt derzeit als erfolgreichste unter den Siegerinnen der Fernsehcastigshow „Germany’s Next Topmodel“. Später grüßt sie Marcel Winterroth und entschuldigt sich leise: Eigentlich habe sie sich von ihm frisieren lassen wollen, doch ein Kollege sei ihm zuvorgekommen.

Das Interesse an Prominenten ist backstage nicht weniger gering als in der Front Row: Wer die Chance bekommt, einen Star kennenzulernen oder sich mit ihm fotografieren zu lassen, ergreift sie. Und so werden an diesem Modemorgen bereits zahlreiche Erinnerungsfotos gemacht. Journalisten und Fernsehteams drängen sich zwischen Frisier- und Schminktischen. Marcel Ostertag berichtet bereits zum dritten Mal vor laufender Kamera von seiner Arbeit, eine Moderatorin im grünen Cocktailkleid stellt Fragen zu seiner Kollektion „Love to Hate you“. Auf dem Laufsteg zeigt der Berliner später Overalls und Kleider in sanften Nudetönen, Creme- und Sandfarben. „Alles, was schmeichelt“, sagt er.

Dann erklingt „Obsession“ von Army of Lovers und die Modelle stellen sich in einer Reihe in Startposition. Zahlreiche Hände zupfen noch am Finish für Kleidung, Haar und Make-up, bis der Schubs auf den Catwalk kommt.

Nach nur 15 Minuten steht Ostertag im Finale: Boris Entrup trägt noch einmal etwas Puder auf, Ostertag wuschelt durch seine Locken, und lässt sich schließlich selbst vor das applaudierende Publikum „schubsen“. Etwa eine halbe Stunde später ist „Love to Hate you“ bereits wieder im Auto verstaut, die Sitzreihen im Zelt sind für kurze Zeit leer, der Staubsauger summt. Die Fashion Week ist eröffnet.

Dany Schrader

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