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Panorama Filmkomponist John Barry ist tot
Nachrichten Panorama Filmkomponist John Barry ist tot
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21:00 31.01.2011
Dooo, dooo, dooo, dooo – ohne John Barrys Musik undenkbar: Der typische James-Bond-Vorspann, der Herr Agent im runden Bildausschnitt. Quelle: Archiv
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„Bad Signs, good Signs“ – ein Welthit. Nie gehört? Vielleicht nicht in der Version von Monty Norman. Der komponierte Anfang der sechziger Jahre das Stück mit exotischen Instrumenten wie Sitar und Tabla für das Musical „A House for Mr. Biswas“. Realisiert wurde das Bühnenstück nie, es fehlte das Geld, es fehlten auch passende Darsteller für das Musical, das auf einem Roman des späteren Literaturnobelpreisträgers V. S. Naipaul basierte und auf Trinidad spielte.

Und so wäre „Bad Signs, Good Signs“ vielleicht auch im musikhistorischen Orkus verschwunden – wenn nicht der britische Filmkomponist John Barry auf das Lied aufmerksam geworden wäre. Barry arrangierte das Stück neu und formte daraus das Thema für den ersten Bond-Film „Dr. No“. Ohne Sitar, aber mit dieser so simplen wie unverwechselbaren Folge von Halbtonschritten. Seitdem ist es untrennbar mit dem Vorspann verbunden, in dem der Herr Agent in einen runden Bildausschnitt läuft und plötzlich auf das Kinopublikum zielt.

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Dass der Song selbst nicht von ihm war, hat Barry zeitlebens gewurmt. Ironischerweise blieb das Bond-Thema sein musikalisches Steckenpferd. Da halfen auch keine Grammys und Oscars, die er unter anderem für die Filmmusiken zu „Der mit dem Wolf tanzt“ und „Jenseits von Afrika“ bekam. Nun ist John Barry im Alter von 77 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts in New York gestorben.

Für das Bond-Thema blieben ihm höchste Preisweihen versagt, obwohl die Mischung aus kantigen Bläsern und einem markanten Gitarrenlauf zu den bekanntesten Melodien aller Filmzeiten gehört. Durch mehr als fünf Jahrzehnte haben Popstars versucht, die Tonfolge zeitgemäß und fantasievoll zu verpacken und einen Titelsong um das Thema herumzustricken. Nicht immer, aber ziemlich häufig hatte der im nordenglischen York geborene John Barry als Komponist seine Hände im Spiel. Shirley Bassey lieferte mit „Goldfinger“ 1964 nicht nur den ersten Hit, sondern durfte noch zwei weitere Titelsongs („Diamonds are forever“, 1971, und „Moonraker“, 1979) singen. Tom Jones („Thunderball“, 1965) und Louis Armstrong (für „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“, 1969) verewigten sich in der Bond-Historie – und 1967 auch Nancy Sinatra mit „You only live twice“.

Aber der Idealtypus eines Bondsongs war in Barrys Augen Basseys „Goldfinger“. Er mochte die impulsive, spontane Art, mit der Bassey an den Song ging. Er vertraute wie so oft seinem Gefühl – und lag mit „Goldfinger“ goldrichtig. Es wurde 1964 der erste Bond-Song, der in die Topplätze der Charts sowohl in England als auch in den USA stürmte, und es blieb Shirley Basseys größter Hit.

Nachdem er 1987 noch einmal für „The living Daylights“ (Der Hauch des Todes) die Musik komponiert und sich ziemlich über die in seinen Augen respektlosen norwegischen Schnösel von a-ha aufgeregt hatte, die den Titelsong sangen, klappte Barry das Kapitel Bond zu. Alle Rückholaktionen scheiterten.

Doch zu diesem Zeitpunkt hatte Barry längst in Hollywood Fuß gefasst. Bereits 1966 hatte er für den Film „Königin der Wildnis“ zwei Oscars bekommen. Später kamen drei weitere für „Der Löwe im Winter“ und die Blockbuster „Jenseits von Afrika“ und „Der mit dem Wolf tanzt“ hinzu. Doch bei seiner Übersiedelung in die USA Anfang der Siebziger hatte Barry offensichtlich seinen forschen, experimentellen Kompositionsstil vergessen. Statt seiner hakenschlagenden Musikalität, mit der er sich in den sechziger Jahren durch Dutzende von Filmen komponiert hatte, regierten nun elegische Geigen. Barry nahm sich selbst seine Unverwechselbarkeit und wurde in der Produzentengunst durchgereicht. Vor zehn Jahren komponierte John Barry seine letzte Filmmusik für „Enigma“ von Regisseur Michael Apted und versuchte sich danach ohne Erfolg im Musicalgeschäft.

Nun ist Barry tot. Wie lebendig seine größte musikalische Hinterlassenschaft ist, wird man 2012 sehen. Da kommt der nächste Bond.

Uwe Janssen