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Panorama Flughäfen drohen massive Engpässe bei Enteisungsmitteln
Nachrichten Panorama Flughäfen drohen massive Engpässe bei Enteisungsmitteln
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17:42 30.12.2010
Den Flughäfen drohen in der kommende Woche massive Engpässe bei Enteisungsmitteln. Quelle: dpa
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Die Hersteller von Glykol, einem Grundstoff der Enteisungsmittel, hätten Lieferschwierigkeiten wegen der derzeit hohen Nachfrage. Der Produktionsstopp könne „je nach Wetterlage und Vorratsmengen der Flughäfen zu erneuten Beeinträchtigungen im europäischen Flugverkehr führen“, hieß es.

Vor allem in Berlin drohen möglicherweise erneut Flugausfälle. Die Ankündigung von Clariant „beunruhige“ die Betreiber der Berliner Flughäfen, sagte ein Sprecher auf dapd-Anfrage. Clariant sei der einzige Lieferant der für Tegel und Schönefeld zuständigen Firma GlobeGround, fügte der Sprecher hinzu. „Wir sind sehr besorgt.“

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Am Freitag wird der Vorrat in Berlin aufgefüllt. Wie lange er reiche, sei allerdings unklar. „Wir können, wie andere Flughäfen auch, zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass es im Laufe der kommenden Woche zu Einschränkungen im Flugbetrieb kommen kann“, sagte der Sprecher. Dies sei abhängig vom Wetter. In Berlin-Schönefeld und Paris-Roissy war das Enteisungsmittel bereits vor Weihnachen einmal ausgegangen, was zu vielen Flugausfällen geführt hatte.

Weiter sagte der Clariant-Sprecher, in engem Kontakt mit den Flughäfen werde versucht, das „vorhandene Material bedarfsgerecht einzusetzen“. Wegen der aktuell strengen Witterung gebe es jedoch auch Flughäfen, die derzeit täglich drei Viertel ihrer Lagerkapazitäten an Enteisungsmitteln einsetzen müssten. In Notfällen sei aber denkbar, Flughäfen mit Langstreckenverkehr bevorzugt mit Einteisungsmitteln zu versorgen, sagte er weiter. Moderne Flughäfen verfügten darüber hinaus über Recyclingsysteme. Dabei könnten bis zu 40 Prozent der zur Flugzeugenteisung eingesetzten Mittel wiederverwendet werden.

Der Flughafenverband ADV wappnet sich für einen Engpass. „Die Airports versuchen schon seit Wochen alles, um weitere Lieferanten zu finden“, sagte ADV-Geschäftsführer Ralph Beisel der Nachrichtenagentur dapd. Schon vor Weihnachten sei etwa eine Schiffsladung aus den USA geordert worden, die kommende Woche ankommen solle. „Die Flughäfen Berlin, Düsseldorf und Frankfurt am Main haben bereits jetzt so viel Enteisungsmittel verbraucht wie im gesamten letzten Winter, der ja auch sehr streng war.“

Beisel sagte, nach seinen Informationen hätten die meisten deutschen Flughäfen derzeit ausreichende Vorräte für die kommenden Tage. Das erklärten die Flughäfen Frankfurt, München, Hamburg, Düsseldorf, Köln/Bonn, Nürnberg, Hannover und Bremen auch auf dapd-Anfrage. Doch kann der Verbrauch laut Beisel je nach Wetterlage quasi explodieren: „Was normalerweise für eine Woche reicht, ist dann an einem Tag alle.“

Die britische Konkurrenzfirma „Kilfrost“ erklärte in Newcastle-upon-Tyne, sie werde ihre angestammten Kunden bevorzugt beliefern, zu denen Amsterdam und Frankfurt gehörten, aber auch versuchen, auszuhelfen, wenn dies möglich sei. Ihre Produktionsanlagen liefen rund um die Uhr auf Hochtouren, es sei kein Produktionsstopp geplant. Es sei aber nicht so, dass das Unternehmen zu viel Enteisungsmittel zur Verfügung habe. Die Fabriken stünden in Newcastle, Antwerpen, Nordamerika und Japan. Weiter sagte die Sprecherin, die Firma habe im Dezember schon 20.000 Tonnen der Enteisungsflüssigkeit rund um die Uhr produziert, was „unnormal viel“ sei.

Clariant ist nach eigenen Angaben Marktführer in Europa. Seit Oktober 2010 produziere das Unternehmen für rund 100 Flughäfen in Europa rund um die Uhr. Allein im Dezember sei die Produktion von Enteisungsmitteln gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte gesteigert worden. Die Firma stellt Enteisungsmittel für Flugzeuge (Safewing) und für Landebahnen (Safeway) her.

dapd

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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