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Panorama Flugzeug stürzt in Menschenmenge und reißt neun Zuschauer in den Tod
Nachrichten Panorama Flugzeug stürzt in Menschenmenge und reißt neun Zuschauer in den Tod
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19:49 18.09.2011
Der Absturz kam ohne Vorwarnung: Auf dem Reno Air Race ist eine umgebaute Jagdmaschine ins Publikum gerast. Der Pilot einer P-51 Mustang soll durch sein Handeln ein noch größeres Unglück verhindert haben. Quelle: dpa
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Washington

Unter den Toten ist auch der 74-jährige Pilot der Unglücksmaschine, der mit einem verzweifelten Manöver in letzter Sekunde wahrscheinlich eine viel größere Tragödie verhinderte. Viele Augenzeugen nannten ihn einen Helden. „Ich habe kein Zweifel daran, dass er Leben gerettet hat“, sagte ein Mann dem Sender CNN.

Der Unfall ereignete sich bei den jährlichen National Championship Air Races, einer Art Rennen in der Luft mit stets Tausenden von Zuschauern. Jimmy Leeward, ein langjähriger Hollywood-Stuntpilot, steuerte den „Galloping Ghost“ (Gallopierenden Geist) – eine Propellermaschine vom Typ P 51 Mustang aus dem Zweiten Weltkrieg. Dem Veranstaltungschef Mike Houghton zufolge lieferte sich der Pilot einen Wettflug mit fünf Konkurrenten, als das Unglück passierte.

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Laut Augenzeugen scherte das Flugzeug plötzlich aus seiner Bahn aus, überschlug sich und prallte dann im Sturzflug auf den Boden – direkt vor einer Extrasitzreihe vor der Haupttribüne, die unter anderem für Organisatoren der Veranstaltung und Ehrengäste reserviert war. So ereignete sich das Unglück auch direkt vor den Augen der Familie des Piloten.

Augenzeugen sprachen von einer „Horrorszene“. Die Maschine sei in kleine Stücke zerrissen worden. Auf Videoaufnahmen waren eine Staubwolke und herumfliegende Trümmerteile zu sehen. Fernsehsender zeigten Bilder von blutüberströmten Menschen, die auf Tragen zu Krankenwagen und Helikoptern gebracht wurden. Einige der Verletzten waren laut dem Sender CNN am Wochenende in kritischem Zustand.

Aber es hätte noch weitaus schlimmer kommen können. Die Maschine prallte nur Meter von der dicht besetzten Zuschauertribüne entfernt auf den Boden. Leeward habe sich noch verzweifelt bemüht, den Absturz zu verzögern und das Oldtimer-Flugzeug von der Menge wegzulenken. „Ich habe gesehen, wie er nach oben zog und dann nach rechts drehte“, sagte Howard Struble von einem Konkurrenzteam bei der Show der „New York Times“ (Sonntag). „Dann sind unsere Herzen stehengeblieben, weil wir wussten, was kommen wird.“

Der Pilot galt als äußerst flugerfahren. Nach Angaben auf seiner Facebook-Seite nahm er seit Mitte der siebziger Jahre an Flugwettbewerben teil. Er habe sich niemals fahrlässig verhalten, zitierten Medien Freunde Leewards.

Die Absturzursache blieb vorerst unklar. Ein Team der Nationalen Transportsicherheitsbehörde NTSB setzte seine Ermittlungen am Unglücksort fort. Einen möglichen Anhaltspunkt könnten Videoaufnahmen kurz vor dem Absturz bieten: Sie deuten darauf hin, dass am Heck der Maschine ein Stück fehlte. Nach Polizeiangaben wurde am Boden ein Teil gefunden. Es sei aber noch nicht sicher, dass es von der Unglücksmaschine stamme.

Nach Angaben des „Reno Gazette Journal“ hat es in der fast 50-jährigen Geschichte des Luftrennens wiederholt tödliche Abstürze gegeben. Bis zum Freitag seien aber noch nie Zuschauer ums Leben gekommen oder verletzt worden.

Auch bei einer Flugshow in West Virginia kam es zu einem tödlichen Unfall. Dort stürzte am Sonnabend ebenfalls eine Oldtimer-Maschine ab – in diesem Fall während eines Formationsfluges in Martinsburg. Das Flugzeug vom Typ T-28 sei auf das Rollfeld gestürzt und in Flammen aufgegangen. Der Pilot sei getötet worden, hieß es unter Berufung auf die Nationalgarde. Zuschauer seien nicht verletzt worden.

dpa