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Panorama Gaucks Wahlkampftour von schwerem Unfall überschattet
Nachrichten Panorama Gaucks Wahlkampftour von schwerem Unfall überschattet
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19:10 23.06.2010
Ein Sachverständiger vermisst in München den Wagen, mit dem Joachim Gauck auf dem Weg zum Flughafen war. Quelle: dpa
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Ein schwerer Verkehrsunfall wirft am Mittwoch einen Schatten auf den Wahlkampf des rot-grünen Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck. Im bayerischen Landtag steht der 70-Jährige am Vormittag noch selbstbewusst am Rednerpult und wirbt um Stimmen von CSU, FDP und den Freien Wählern (FW). Er gewinnt Unterstützung bei den Freien Wählern, die sich bislang noch nicht festgelegt hatten. „Ich bin ein überzeugter Wähler Gaucks“, verkündet FW-Chef Hubert Aiwanger danach.

Doch anschließend kollidiert Gaucks Chauffeur mit seinem Wagen auf dem Weg zum Flughafen mit einem Radfahrer, der schwer verletzt auf die Intensivstation kommt. Der geschockte Gauck bleibt unverletzt und erkundigt sich anschließend im Krankenhaus nach dem Zustand des Mannes. Nach ersten Erkenntnissen wollte der Radfahrer die Straße überqueren und fuhr dabei fahrlässig durch eine Lücke zwischen zwei Autos auf die Fahrbahn, so dass ihn der Fahrer Gaucks erst im letzten Moment sehen konnten.

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Der Tag fängt für Gauck besser an als er endet. Der Plenarsaal des Landtags ist am Morgen voll besetzt, auch einige wenige Abgeordnete von CSU und FDP sind da. Im ganzen Haus ist Neugierde auf Gauck zu spüren. Gleichzeitig tagt im benachbarten Senatssaal die CSU-Landtagsfraktion. Die CSU hatte vor der Bundespräsidentenwahl 1999 selbst überlegt, ob sie Gauck als Gegenkandidaten zu Johannes Rau aufstellen soll. „Ich übe auf keinen einzigen Delegierten Druck aus“, versichert CSU-Chef Horst Seehofer am Rande. Vor kurzem hat er die Wahl des Kandidaten von Union und FDP, Christian Wulff, noch zur entscheidenden Frage für die Berliner Koalition erklärt.

„Sie brauchen gar nicht mehr zu kommen, um mich kennenzulernen. Sie kennen meine Freiheitsliebe ganz genau und wissen, was sie an mir haben“, scherzt Gauck über die fehlenden CSU-Abgeordneten. SPD und Grüne spekulieren auf Überläufer. „Ich denke, dass im ersten Wahlgang alles drin ist“, sagt SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher. Der SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold wirft den Linken vor, einen möglichen Gauck-Erfolg zu verhindern: „Das versteht überhaupt niemand, dass da immer noch die alten Kader das Wort führen.“

CSU- und FDP-Politiker bekunden reihenweise ihre Unterstützung für Wulff. „Joachim Gauck ist ein sehr respektabler Mann, aber Christian Wulff wird ein guter Präsident“, sagt Gesundheitsminister Markus Söder (CSU).

Sichtlich beeindruckt und entschieden kommt der FW-Fraktionschef Hubert Aiwanger,aus einem gesonderten Treffen mit dem rot-grünen Kandidaten: Dabei hatte gerade Aiwanger sich wochenlang schwergetan mit einer klaren Haltung für die Wahl des Bundespräsidenten am 30. Juni in Berlin. Seine Entscheidung steht nach dem Gauck-Auftritt fest. Auch die anderen neun Wahlleute der Freien Wähler tendieren nach Aiwangers Angaben zu Gauck.

Gauck ist geschmeichelt: Solch ein „eminentes Interesse“ gebe es sonst nur bei Prominenten wie Franz Beckenbauer oder Michael Ballack, sagt er. Bewegt zeigt sich SPD-Fraktionschef Rinderspacher. Auf ihn wirkt Gauck offensichtlich wie ein Motivationstrainer: „Das hat auch mich persönlich ermutigt, als jüngster Abgeordneter meiner Fraktion weiter politische Verantwortung zu übernehmen.“

dpa