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Panorama Gefürchtetes "Benzin-Chaos" über Ostern bleibt aus
Nachrichten Panorama Gefürchtetes "Benzin-Chaos" über Ostern bleibt aus
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14:28 25.04.2011
Nicht jede Tankstelle in Deutschland hatte Ostern ausreichend Sprit. Ein „Benzin-Chaos“ blieb aber aus.
Nicht jede Tankstelle in Deutschland hatte Ostern ausreichend Sprit. Ein „Benzin-Chaos“ blieb aber aus. Quelle: dpa
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Das befürchtete Benzin-Chaos mit flächendeckend leeren Zapfsäulen ist zu Ostern ausgeblieben. Shell-Sprecherin Cornelia Wolber sagte am Ostermontag, Leerstände gebe es nur punktuell. „Die Lage ist bei weitem nicht so kritisch wie befürchtet.“ Allerdings schlugen die Benzinpreise zumindest in einem Fall Kapriolen: An einer Tankstelle in Filderstadt kostete ein Liter Super 9,99 Euro. Weil nur noch geringe Mengen Super vorrätig waren, sollten die Kunden nach Polizeiangaben vom Tanken abgehalten werden.

Die „Welt am Sonntag“ hatte von Versorgungsengpässen bei Super, Superplus und E10 berichtet. Aral-Sprecher Tobias Wolny bestätigte der dpa am Sonntag: „Aufgrund der verstärkten Nachfrage nach Kraftstoffen über die Feiertage kann es zu vorübergehenden Leerständen kommen.“ Die Spediteure bemühten sich aber nach Kräften, Leerstände zu vermeiden und betroffene Tankstellen schnellstmöglich wieder zu beliefern.

Weiterhin kein E10 gefragt

Shell-Sprecherin Wolber sagte nun, logistische Probleme gebe es schon, seit E10 vor sechs Wochen eingeführt wurde. Viele Kunden hätten in dieser Zeit Superplus nachgefragt, dieser Kraftstoff lagere aber mittlerweile in kleineren Tanks. Mancherorts habe es deshalb schon in den vergangenen Wochen zwei bis drei Mal am Tag Nachlieferungen gegeben. Viele Autofahrer tanken weiterhin kein E10.

Zum Osterwochenende seien zudem weitere Punkte hinzugekommen, sagte Wolber. Dazu zähle der Osterreiseverkehr, vor allem bei dem schönen Wetter. Tanklastwagen dürfen an Feiertagen nicht fahren. Und: Die Umstellung der Tankstellen „von Winterware auf Sommerware“ steht an, die „alte Ware“ in den Tanks muss also leerlaufen.

Was klingt wie der Saisonwechsel im Mode-Einzelhandel, hat folgenden Hintergrund: E10-„Winterware“ darf regulär zwischen dem 16. November und dem 15. März verkauft werden. Daran schließt sich eine Übergangsfrist bis zum 30. April an. Vom 1. Mai an darf die Branche nur noch die E10-„Sommerware“ an den Autofahrer bringen - bis zum Herbst, wenn wieder auf Winterware umgestellt wird.

Der wichtigste Unterschied zwischen Winter- und Sommerware ist der Dampfdruck: Dieser beträgt im Winter bis zu 90 Kilopascal, im Sommer maximal 60 Kilopascal. Damit auch bei eisigen Winter-Temperaturen optimale Kaltstarts möglich sind, werden Winterbenzin zusätzliche flüchtige Substanzen zugegeben - sie sorgen für höheren Dampfdruck im Motor.

All diese logistischen Herausforderungen führten dann wohl auch zum Preisschock in Filderstadt. Zwar seien an den Zapfsäulen Hinweise angebracht worden, kein Superbenzin zu tanken, erklärte die Polizei. Doch zwei Kunden tankten dennoch und fielen an der Kasse aus allen Wolken: Eine Frau sollte für 20 Liter Superkraftstoff rund 200 Euro bezahlen. Ein anderer Kunde tankte 10 Liter und sollte rund 100 Euro hinblättern.

Beide weigerten sich zunächst zu bezahlen und riefen stattdessen die Polizei. Der Mitarbeiter der Tankstelle war sich laut Polizei keiner Schuld bewusst, da er keinen Einfluss auf die Kraftstoffpreise habe. „Die Preise werden von der Zentrale eingestellt“, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage.

Die Kunden jedenfalls bezahlten ihren Einkauf und hoffen nun auf eine gütliche Einigung. An der Tankstelle wollte sich am Montagmittag niemand zu dem nächtlichen Vorfall äußern.

dpa