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Panorama Clooney: „Ich bin ein Glückspilz“
Nachrichten Panorama

George Clooney im Interview

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14:00 18.05.2019
Der Schauspieler und Produzent wird nicht müde zu betonen, wie stolz er auf seine Frau ist. Quelle: imago

George Clooney, Sie sind ein politisch sehr engagierter Mensch ...

... der nicht in die Politik gehen will. Da müsste man zu viele Zugeständnisse machen, und dazu bin ich nicht bereit.

Also schließen Sie sich nicht der Schlange der demokratischen Bewerber um das Präsidentschaftsamt an?

Aber ich werde helfen, wo ich kann. Ich bin mit einigen von ihnen befreundet. Joe Biden ist ein sehr guter Freund von mir.

Sie sind mit Wohnsitzen in Amerika, Italien und England sozusagen zu zwei Dritteln Europäer. Was halten Sie vom Brexit?

Ein Desaster. Das schlimmste Eigentor der Geschichte. Amal und ich leben in einer kleinen englischen Stadt namens Sonning. Unsere Nachbarin ist Theresa May. Wir haben sie noch nie getroffen. Denn sie geht in die Kirche und Amal und ich gehen in die Kneipe. Mit dem Brexit hat sich das nicht geändert. Nur dass sie seitdem in die Kneipe geht und wir in die Kirche.

Guter Gag. Sie sind dafür bekannt, dass Sie Dinge beim Namen nennen. Damit kann man sich Feinde machen. Wie vorsichtig sind Sie? Lassen Sie Hotels, in denen Sie mit Ihrer Familie absteigen, nach Bomben durchsuchen?

Meine Frau bringt den IS vor Gericht. Natürlich müssen wir auf der Hut sein. Manchmal müssen wir Hotels wechseln. Auf der anderen Seite wollen wir aber auch unser Leben so normal wie möglich leben. Sie kennen mich. Ich umgebe mich nicht mit Security, die mich isoliert.

Sie engagieren sich zum Beispiel mit einer Organisation, die kriegerischen Machthabern ihr Geld abjagt.

Das macht Spaß. Sie sollten mal sehen, wie ich mich mit dem Boss einer großen Bank an den Tisch setze und sage: „Hier ist der Beweis von unserem Finanzsachverständigen, dass ein Machthaber 400 Millionen Dollar unterschlagen und die über eine Strohfirma in Ihrer Bank deponiert hat. Wir sagen Ihnen jetzt, wer das ist, und Sie tun entweder etwas oder wir berufen eine Pressekonferenz ein.“

Warum stellen Sie nicht die Kriegsherren an den Pranger?

Weil man die nicht zur Schande machen kann. Wir haben das versucht. Wir haben das jahrelang mit (dem wegen Völkermordes angeklagten Ex-Präsidenten des Sudans) Omar al-Bashir versucht. Wir haben Satellitenfotos als Beweis gehabt, aber es hat nichts genützt. Man kann nur die zur Schande machen, die mit den Machthabern Geschäfte machen. Das ist die gute Seite von Social Media.

Fühlen Sie immer noch die Leidenschaft fürs Schauspiel?

Klar. Der Beweis ist meine neue Serie „Catch-22“. Ich habe daran fast zwei Jahre gearbeitet, und wir haben gerade vor Kurzem die letzten – vom Computer kreierten – Szenen gedreht.

Sie sind in Italien mit dem Motorrad verunglückt. Es heißt, Ihre Frau hat Ihnen danach das Motorradfahren verboten. Was sonst noch?

Alles! (lacht) Nein, im Ernst, sie hat mir gar nichts verboten. Das brauchte sie auch nicht. Als wir nach meinem Unfall aus dem Krankenhaus kamen, da fragte sie mich: „Wirst du wieder fahren?“ Dazu muss man wissen, dass ich den anderen mit über 110 km/h gerammt habe. In 99 von 100 Fällen überlebt man so etwas nicht. Also habe ich mir gesagt: 40 schöne Jahre im Motorradsattel reichen

Ihre Zwillinge werden bald zwei Jahre alt sein. Welche Sprache sollen sie in erster Linie sprechen? Englisch oder Italienisch?

Da wir die meiste Zeit in Italien leben, haben wir entschieden, dass Italienisch eine ihrer ersten Fremdsprachen sein soll. Sie können schon auf Englisch und Italienisch buchstabieren und bis 20 zählen. (Pause, Augenzwinkern) Was ich nicht mal kann. Sie haben in Sachen Köpfchen ganz bestimmt die Gene ihrer Mutter mitbekommen.

Und die Begabung des Vaters, Streiche zu spielen?

Mein Sohn und ich tun das schon zusammen. Ich habe ihm neulich Erdnussbutter an den Schuh geschmiert. Er hat sie mit dem Finger abgekratzt und ist zu Amal gerannt: „Mama, Kaka, Kaka.” Wenn ich ihn jetzt noch dazu bekomme, den Finger abzulecken, dann ist er perfekt.

Ihr fünfter Hochzeitstag steht übrigens demnächst bevor.

Es hieß doch, dass es nicht von Dauer sein würde. Im Ernst, ich bin ein Glückspilz. Ich habe in der späten Phase meines Lebens jemanden gefunden, den ich liebe wie niemanden zuvor, und auf den ich stolz bin wie auf niemanden zuvor.

Amal Clooney mit ihrem Mann George bei einer Filmveranstaltung vor ein paar Tagen Quelle: dpa

Von Dierk Sinderman/RND