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Panorama Giftschlammkatastrophe: Greenpeace warnt vor langwierigen Folgen
Nachrichten Panorama Giftschlammkatastrophe: Greenpeace warnt vor langwierigen Folgen
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15:37 08.10.2010
Quelle: dpa
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Nach der Giftschlammkatastrophe in Ungarn hat Greenpeace vor einer lang anhaltenden Umweltverseuchung gewarnt. „Es besteht das Risiko einer dauerhaft verseuchten Natur und der Nahrungsmittelkette“, sagte der Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster am Freitag in Wien. Die ungarischen Behörden hätten die Menschen zudem nicht ausreichend über die Gefahren der giftigen Substanzen informiert.

Schuster sagte, es sei davon auszugehen, dass 4000 Hektar Land für die Landwirtschaft unbrauchbar geworden seien. Der Arsen-Gehalt des Schlamms liege bei 110 Milligramm pro Kilogramm, wie Messungen der Umweltorganisation vom Dienstag ergeben hätten. „Das ist zwei Mal so hoch wie wir erwartet haben“, sagte Schuster. Auch der Quecksilber-Gehalt sei erhöht und könnte von den Fischen aufgenommen werden. Greenpeace forderte zudem Proben zur Feststellung des Chrom-Gehalts im Schlamm. Mit Ergebnissen sei am Montag zu rechnen.

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Der erhöhte Arsen-Gehalt könne zu einer Verschmutzung des Trinkwassers führen, warnte Schuster. „Wir wissen aber noch nicht genau, inwieweit das Grundwasser betroffen sein wird.“ Darüber hinaus warnte Schuster vor einer möglichen Luftverschmutzung. Derzeit seien die giftigen Substanzen noch im Schlamm enthalten. Mit besserem Wetter steige aber das Risiko, dass der Schlamm trockne und die Substanzen in die Luft abgegeben würden.

Unterdessen stieg die Zahl der Todesopfer durch die Giftschlammkatastrophe auf fünf. Nach Angaben von Einsatzkräften starb ein älterer Mann infolge seiner Verletzungen, die er bei dem Chemieunfall erlitten hatte. Am Montag waren aus einem Auffangbecken in der Aluminiumfabrik Ajka, 165 Kilometer westlich von Budapest, etwa 1,1 Millionen Kubikmeter hochgiftiger roter Schlamm ausgelaufen.

Messungen in der Donau vom Freitag zeigten verbesserte Wasserwerte. Bei Komarom etwa 80 Kilometer westlich von Budapest wurde nach Angaben des Katastrophenschutzes um 8.30 Uhr Ortszeit ein pH-Wert von 8,4 gemessen. Dies liege nur leicht über dem Normalwert und bedeute keine Bedrohung für das Ökosystem des Flusses, sagte einer der mit den Messungen befassten Experten. Weiter flussaufwärts nahe des Unglücksortes wurde allerdings ein pH-Wert von 9 gemessen. Dort wurden auch tote Fische gesichtet, allerdings weniger als am Donnerstag.

afp