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Panorama „Gorch Fock“-Ermittler kommen Anfang der Woche
Nachrichten Panorama „Gorch Fock“-Ermittler kommen Anfang der Woche
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12:10 21.01.2011
Quelle: dpa
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Ein Ermittlerteam der Marine soll Anfang kommender Woche in Argentinien seine Untersuchungen auf der „Gorch Fock“ beginnen. Das sagte ein Marine-Sprecher am Freitag in Glücksburg. Die Kommission soll Vorwürfen von Offiziersanwärtern nachgehen, wonach Mitglieder der Stammbesatzung Kadetten drangsaliert haben. Vier Auszubildenden soll einem Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus zufolge Meuterei vorgeworfen worden sein.

Marine-Sprecher Achim Winkler betonte, es habe keine Meuterei gegeben. „Der Begriff ist völlig falsch und überzogen“, sagte Fregattenkapitän Winkler am späten Donnerstagabend der Deutschen Presse-Agentur dpa in der argentinischen Hafenstadt Ushuaia. Das Segelschulschiff war nach Bekanntwerden der Vorwürfe dorthin zurückbeordert worden, um auf die Ermittler zu warten.

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Meuterei bedeute, dass die ganze Besatzung auf die Barrikaden gehe, sagte Winkler. Auch nach dem tödlichen Unfall an Bord sei dies nicht der Fall gewesen. „Dies wird aber jetzt Gegenstand der Untersuchungen, und deshalb kann ich dazu weiter nichts sagen.“ Mit Blick auf die Atmosphäre auf der „Gorch Fock“ sagte der Fregattenkapitän: „Die letzten drei Wochen, die ich an Bord war, war die Stimmung ausgesprochen gut. Wir sind um Kap Hoorn gesegelt. Das war ein tolles Erlebnis. Da war die Stimmung völlig in Ordnung.“

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenburg (CSU) sicherte „rückhaltlose Aufklärung“ der Vorwürfe zu und schloss Konsequenzen nicht aus. Er könne sich auf der „Gorch Fock“ zum Beispiel Veränderungen bei der Ausbildung der Kadetten vorstellen.

Im vergangenen November war eine 25 Jahre alte Offiziersanwärterin aus Bodenwerder auf der „Gorch Fock“ aus der Takelage in den Tod gestürzt. Trauernde Kameraden sollen gedrängt worden sein, wieder in die Masten zu klettern, obwohl sie das nach dem Unglück nicht mehr wollten. Besatzungsmitglieder hatten Vorgesetzten danach Versagen vorgeworfen. Die Ermittler müssen auch Vorwürfen nachgehen, die Stammbesatzung habe Offiziersanwärter bedroht und sexuell belästigt.

An Bord der Segelschulschiffes befinden sich derzeit rund 200 Mann Besatzung. Das Schiff hatte am Donnerstag um 13.45 Uhr (Ortszeit) vor Ushuaia Anker geworfen. Wohin die Reise geht, wenn die Ermittler an Bord waren, war zunächst unklar.

dpa

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