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Panorama Hauseinsturz in Brühl: Zwei Tote, ein vermisstes Kind
Nachrichten Panorama Hauseinsturz in Brühl: Zwei Tote, ein vermisstes Kind
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13:55 12.12.2010
Die Rettungskräfte haben zwei Todesopfer aus den Trümmern des Hauses geborgen. Quelle: dpa
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In Brühl bei Köln ist am Samstag ein Haus eingestürzt und hat vier Menschen unter sich begraben. Feuerwehrleute schafften es unter Lebensgefahr, einen zwölf Jahre alten Jungen mit den Händen aus dem Schutt zu graben. Er hatte nur leichte Verletzungen. Sein Vater (45) und dessen Lebensgefährtin (47) konnten dagegen am Sonntag nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden. Ein zehn Jahre altes Mädchen wurde noch unter Schutt, Geröll und Brettern im Keller vermutet.

Die Unglücksursache ist unklar; Gas wurde unmittelbar nach dem Unglück nicht gemessen. Fest steht nur, dass es eine heftige Druckexplosion gegeben hat. Alles, was derzeit an möglichen Ursachen genannt werde, entbehre jeder Grundlage, betonte ein Polizeisprecher.

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Nach Augenzeugenberichten hatte es am Samstagabend einen lauten Knall gegeben. Als die Nachbarn daraufhin aus dem Fenster sahen, war die Doppelhaushälfte schon eingestürzt. Die ganze Straße davor lag voller Trümmer.

Am frühen Sonntagmorgen begann die Feuerwehr mit dem Abtragen des Schutts. „Wir können jetzt nur noch Bagger einsetzen; weiter mit den Händen zu arbeiten, wäre viel zu gefährlich“, schilderte der Sprecher der Feuerwehr, Josef Uhlhaas, die Lage. Der Gebäudeteil, der noch stand, war stark einsturzgefährdet. Alles von Hand abzutragen, hätte auch zu lange gedauert und damit die Überlebenschancen verringert, erklärte Uhlhaas.

Ein Bagger trug möglichst vorsichtig den Schutt ab. Zwischendurch suchten immer wieder Spürhunde die Trümmer ab. Um 9.55 Uhr wurde im Kellerschutt eine tote Frau gefunden. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um die Lebensgefährtin des Vaters. Die Polizei musste die Identität aber noch klären. Am Mittag wurde auch die Leiche des Vaters entdeckt. Beide waren nach Einschätzung der Einsatzleitung sofort tot. Der Vater befand sich zum Zeitpunkt der Explosion wohl im Keller, die Frau stürzte hinab. Ein 15 Jahre alter Sohn hatte Glück: Er befand sich zum Zeitpunkt des Einsturzes nicht im Haus.

In der Nacht kam der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) zur Unglücksstelle. Er freue sich sehr “über die Rettung des 12-jährigen Jungen Tobias“, sagte er. Nachbarn äußerten sich fassungslos. „Ich habe fast einen Schlag bekommen“, berichtete Anne Brügel (69). „Das ganze Dach war runtergerutscht. Ich war völlig außer mir.“ Sie rief als erstes ihren Sohn an, um ihm zu sagen, dass nicht ihr Haus explodiert war, sondern das auf der anderen Straßenseite. Eine 85 Jahre alte Nachbarin sagte: „Schrecklich, furchtbar. Wichtig ist, dass sie die Menschen finden.“

dpa