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Panorama Heckenschütze von Washington stirbt durch Giftspritze
Nachrichten Panorama Heckenschütze von Washington stirbt durch Giftspritze
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12:44 11.11.2009
John Allen Muhammad Quelle: afp
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Sieben Jahre, nachdem er als „Heckenschütze von Washington“ für Angst und Schrecken gesorgt hat, ist John Allen Muhammad im US-Bundesstaat Virginia hingerichtet worden. Der wegen zehnfachen Mordes verurteilte Muhammad starb nach Behördenangaben am Dienstagabend (Ortszeit) durch die Giftspritze. Im Herbst 2002 hatte er gemeinsam mit einem damals nur 17-jährigen Komplizen willkürlich aus dem Hinterhalt auf Menschen geschossen.

Mit Hilfe von Gefängnisbediensteten wankte Muhammad in die Todeskammer, auf eine letzte Stellungnahme verzichtete der 48-Jährige. „Ich habe ihn nicht ein Wort äußern hören“, sagte der Sprecher des Greensville-Gefängnisses, Larry Traylor. Um 21.11 Uhr (Ortszeit, Mittwoch 03.11 Uhr MEZ) wurde Muhammad für tot erklärt, fünf Minuten nachdem er die tödliche Spritze gesetzt bekam. Als Henkersmahlzeit hatte er Hühnchen und Erdbeerkuchen gewählt.

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Virginias Gouverneur Tim Kaine hatte zuvor ein letztes Gnadengesuch für Muhammad abgelehnt. Auch der Oberste Gerichtshof in Washington hatte einen Eilantrag für eine Aussetzung der Hinrichtung abgewiesen. Muhammads Anwälte zeigten sich enttäuscht über die „Eile“ bei der Vollstreckung des 2004 gefällten Todesurteils und verwiesen darauf, dass auch drei Richter des Obersten Gerichts am Montag dagegen protestiert hätten. Im Durchschnitt verbringen Todeskandidaten in den USA vor ihrer Hinrichtung zwölf Jahre im Todestrakt.

Die Anwälte argumentierten, dass ihrem Mandanten nicht genug Zeit zur restlosen Ausschöpfung aller Berufungsmittel eingeräumt worden sei. Außerdem sei nicht ausreichend berücksichtigt worden, dass Muhammad unter Paranoia und anderen mentalen Störungen gelitten habe und er sich deswegen während eines Teils des Verfahrens nicht hätte allein verteidigen dürfen.

Mehrere Familien der Opfer verfolgten die Hinrichtung. „Ein anderes Leben ist vorbei. Und dieses Mal verdient“, sagte Steven Moore, dessen Schwester Linda Muhammad erschossen hatte. Auch Muhammads 26-jähriger Sohn Lindberg war mit Familienmitgliedern in das Greensville-Gefängnis gekommen, um seinen Vater ein letztes Mal zu sehen.

Drei Wochen hatten Muhammad und sein damals 17-jähriger Ziehsohn Lee Boyd Malvo im Oktober 2002 die Einwohner Washingtons und der umliegenden Gemeinden in Virginia und Maryland terrorisiert. Willkürlich und zu den unterschiedlichsten Tageszeiten schossen sie an Tankstellen und Parkplätzen gezielt auf Passanten. Die Menschen der Region lebten jeden Tag mit der Angst, das nächste Opfer zu sein. Der blutige Albtraum endete am 24. Oktober 2002, als die beiden auf einem Autobahnrastplatz nördlich von Washington festgenommen wurden.

Während Malvo lebenslang hinter Gitter musste, verurteilte ein Gericht in Virginia den Haupttäter Muhammad zum Tode. Als Motiv für die Tat gab Malvo während des Verfahrens Muhammads Abscheu gegen die Vereinigten Staaten an. Sein früherer Komplize habe die USA wegen der „Sklaverei“, ihrer „Heuchelei“ und ihrer Außenpolitik gehasst. Muhammad, als Golfkriegsveteran ein routinierter Schütze, war vor mehr als 20 Jahren zum Islam konvertiert. Da die beiden Schützen von den Behörden zehn Millionen Dollar zu erpressen versucht hatten, war auch Geldgier als möglicher Grund vermutet worden.

afp