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Panorama Helfer graben mit bloßen Händen nach Verschütteten
Nachrichten Panorama Helfer graben mit bloßen Händen nach Verschütteten
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18:43 01.10.2009
Rettungskräfte suchen in Padang nach Überlebenden. Quelle: afp
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Andrianis Augen sind rot vom vielen Weinen. Die Indonesierin lässt ihren Blick nicht von den Helfern, die unter den Trümmern der eingestürzten Schule nach Überlebenden suchen. „Ich warte seit gestern hier“, sagt die 49-jährige Frau. „Ich bete zu Gott, dass meine Tochter lebt.“ Neun Kinder haben die Rettungskräfte nach dem verheerenden Erdbeben am Mittwoch lebend geborgen. Acht weitere Kinder holten sie tot aus dem eingestürzten Gebäude in Padang, einer Küstenstadt mit knapp einer Million Einwohner auf der indonesischen Insel Sumatra. Der staatliche Krisenstab richtet sich darauf ein, dass tausende Menschen ums Leben kamen.

Andriani schaut weinend zu, wie die Rettungskräfte mit bloßen Händen in dem Geröll graben. Ihre 14-jährige Tochter war mit dutzenden weiteren Kindern in der Abendschule, als das Erdbeben das dritte Stockwerk zum Einsturz brachte. Von den beiden unteren Etagen ist nur noch Schutt übrig. Durch den Regen verwandeln sich die Trümmer in Schlamm. Helfer legen orange, grüne, gelbe Plastiksäcke für die Leichen bereit, ordentlich aufgereiht, einen neben den anderen.

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Hunderte Gebäude in Padang sind wie die kleine Schule eingestürzt. Den Helfern fehlt es an schwerem Gerät, um die Trümmer beiseitezuschaffen. „Wir haben nicht genug Baumaschinen“, sagt ein Sprecher des Katastrophenschutzzentrums in der Hauptstadt Jakarta. „Wir leihen oder mieten welche vor Ort, aber es ist schwierig, sie zu den Gebäuden zu bringen.“ Weite Teile der Stadt waren am Donnerstag ohne Strom, auch Telefon gab es kaum. Ganze Viertel waren nicht mehr befahrbar.

Ein zweites schweres Erdbeben hat am Donnerstagvormittag die Stadt Padang auf der indonesischen Insel Sumatra erschüttert. Nach dem ersten Beben am Mittwoch steigt die Opferzahl nach offiziellen Angaben auf 467. Weitere Todesopfer werden erwartet.

Das indonesische Militär schickte zwei Transporthubschrauber mit ärztlichen Helfern und Material. „Aber obwohl sie gelandet sind, wird es schwierig werden, in die zerstörten Zonen zu gelangen“, sagte ein Armeesprecher. „Die Straßen sind abgeschnitten.“ Trotzdem wollte das Militär drei weitere Hubschrauber losschicken. In den kommenden zwei Tagen werden außerdem sechs Schiffe der Marine in Padang erwartet.

Viel Zeit bleibt den Rettungskräften nicht, um Überlebende zu retten. „Es hängt davon ab, wie schwer die Menschen verletzt sind und wie robust sie sind“, sagt Seiji Amano, ein leitender Mitarbeiter des japanischen Katastrophenschutzzentrums. „Im Allgemeinen sind die ersten 72 Stunden entscheidend.“

Im Hotel Mariani schrie nach Stunden ein Gast um Hilfe, der unter einem Tisch in der Halle überlebt hat. „Ich habe ihm gesagt, er soll sich nicht bewegen, um bei Kräften zu bleiben“, sagt Hoteleigentümer Arif Husein. Außer ein paar zerrissenen Laken, Teilen einer Klimaanlage und zersplitterten Bettgestellen ist nicht viel übrig von dem fünfstöckigen Haus. „Heute morgen um Acht hat ein Bagger angefangen, den Schutt abzutragen.“

Ein junger Mann namens Herli arbeitete bis Mittwoch als Wachmann in einer Werkstatt, die durch das Beben zerstört wurde. Die meisten der 15 Mitarbeiter hätten sich retten können, berichtet der 24-Jährige. Zwei seien in der Nacht tot aus den Trümmern geholt worden. „Und ich fürchte, dass zwei Angestellte noch verschüttet sind“, sagt Herli. Er habe Glück gehabt, seiner Familie sei nichts passiert. „Aber ich weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll.“

afp

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