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Panorama Hilfe erreicht Erdbebenopfer - Weitere Nachbeben
Nachrichten Panorama Hilfe erreicht Erdbebenopfer - Weitere Nachbeben
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22:39 21.01.2010
Das Rote Kreuz erklärte, die Hilfe komme nun an. Quelle: dpa
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Bei einem Gottesdienst für die zehntausenden Toten am Mittwoch (Ortszeit) in New York sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon: „Ich weiß, dass es in den ersten Tagen gewisse Verzögerungen gab. Aber mittlerweile haben wir ein sehr effektives System aufgebaut, um Engpässe zu umgehen.“ Das Rote Kreuz erklärte ebenfalls, die Hilfe komme nun an.

Unterdessen fanden Retter immer noch Überlebende des Jahrhundertbebens, bei dem womöglich bis zu 200 000 Menschen starben. So konnten spanische Helfer nach Angaben vom Donnerstag eine 14- Jährige aus den Trümmern ihres Hauses retten. UN-Nothilfekoordinator John Holmes zufolge sind seit dem Beben am 12. Januar mit der Stärke 7,0 insgesamt mehr als 120 Überlebende geborgen worden. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin wurden am Donnerstag noch drei Deutsche vermisst. Vermutlich starben demnach drei Bundesbürger, von denen zwei noch identifiziert werden mussten.

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Das Deutsche Rote Kreuz schickt am Donnerstag und Freitag von Berlin aus zwei weitere Hilfsflüge und ein mobiles Hospital nach Haiti. Dort nahm bereits eine DRK-Gesundheitsstation ihre Arbeit auf. Pro Tag können in der im Osten von Port-au-Prince in Delmas stehenden Station 250 Patienten behandelt werden.

Endlich erreiche die Hilfe die Menschen in Haiti, betonte auch das Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). „Es ist sehr gut zu sehen, dass die Hilfe beginnt, bei den Opfern anzukommen“, zitierte das IKRK seinen Chef der Haiti-Operationen, Riccardo Conti. „Die Hilfsorganisationen werden jetzt in den Stadtvierteln immer sichtbarer.“ Wasser sei an vielen Ausgabestellen in der ganzen Stadt verfügbar, sagte Conti weiter. Nach UN-Angaben landen inzwischen täglich 150 Flugzeuge in Port-au-Prince.

Ban berichtete ebenfalls von Fortschritten bei der Verteilung der Hilfsgüter. „Wir haben an Land fünf Transport-Routen aufgebaut und die Flughafenkapazität erhöht. Wo und was auch immer an Hilfsgütern ankommt, hat jetzt absolute Priorität.“ Mittlerweile stehe den Helfern auch der Seeweg offen.

Ban betonte, die Haitianer müssten die Tragödie, so weit es geht, auch in eine Chance umwandeln. Die ganze Welt stehe hinter ihnen und helfe beim Aufbau des zerstörten Landes. „Ich weiß, was das für eine große Herausforderung ist. Aber ich habe die Ausdauer der Menschen und den festen Willen der Führung Haitis selbst gesehen. Das Volk ist vereint und zusammen mit der internationalen Gemeinschaft werden wir diese Tragödie überstehen.“ UN wollen Helfer bezahlen

Die Vereinten Nationen wollen die Menschen im Erdbebengebiet künftig für das Aufräumen bezahlen. „Wir haben in einem ersten Schritt 400 Haitianer angestellt, zum Ende der Woche sollen es 700 sein“, sagte die Chefin des Entwicklungsprogramms UNDP, Helen Clark. Ziel des „Cash-for-Work“-Programms („Bares für Arbeit“) sei, bis zu 220 000 Menschen zu beschäftigen. Sie sollen Trümmer wegräumen und vor allem die Infrastruktur reparieren. Dafür würden sie fünf Dollar (etwa 3,50 Euro) am Tag bekommen.

Der Generaldirektor der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO), Jacques Diouf, sagte in Rom, dass auch Haitis Landwirtschaft dringend Hilfe brauche. Im März beginne schon die Zeit, in der gepflanzt werden müsse. Haiti braucht jährlich eine Million Tonnen Getreide. Knapp zwei Drittel davon werden eingeführt. IWF-Chef für eine Art Marshall-Plan

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, forderte für Haiti Wiederaufbauhilfen nach dem Vorbild des Marshall-Plans. „Ich bin überzeugt, dass Haiti - das auf unglaubliche Weise von vielerlei getroffen wurde (...) - etwas Großes braucht“, sagte er am Mittwoch bei einem Besuch in Hongkong. Der Präsident des Nachbarlandes Dominikanische Republik, Leonel Fernández, hatte den Finanzbedarf Haitis in den kommenden fünf Jahren auf etwa zehn Milliarden Dollar (sieben Milliarden Euro) geschätzt. Tote bei Nachbeben - Hilfe läuft aber weiter

Am Mittwoch waren bei schweren Nachbeben der Stärke 6,1 nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa mehrere Menschen ums Leben gekommen. Beim Einsturz eines Gebäudes starben 20 Straßenhändler unter den Trümmern. Helfer aus aller Welt arbeiten dennoch weiter rund um die Uhr bis zur völligen Erschöpfung. Russland entsandte acht weitere Ärzte und 15 Tonnen Medikamente, Nahrungsmittel und technische Geräte, sagte eine Sprecherin des Zivilschutzministeriums. Bisher arbeiten in Haiti 159 russische Ärzte, Psychologen und Rettungskräfte.

UNICEF richtet in Port-au-Prince drei Schutzzentren für zunächst 900 Kinder ohne Eltern und Angehörige ein. „Wir gehen davon aus, dass Tausende Kinder im Katastrophengebiet auf sich gestellt sind“, sagte der Sprecher der deutschen Sektion des Kinderhilfswerks, Rudi Tarneden, in Köln.

Zwei weitere Nachbeben in Haiti
Das vor neun Tagen von einem verheerenden Erdbeben heimgesuchte Haiti ist am Donnerstag von zwei weiteren Nachbeben erschüttert worden. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte hatten die beiden Erdstöße eine Stärke von 4,8 und 4,9. Über neue Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Erst am Vortag waren bei einem Nachbeben mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen, als ein bereits beschädigtes Gebäude über ihnen zusammenbrach. Bei dem Jahrhundertbeben der Stärke 7,0 am Dienstag vergangener Woche waren geschätzte 200 000 Menschen ums Leben gekommen.

dpa

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