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Panorama Hochwasserlage angespannt - Warten auf die zweite Welle
Nachrichten Panorama Hochwasserlage angespannt - Warten auf die zweite Welle
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15:19 13.01.2011
Der Main ist am Donnerstag weiter gestiegen. Quelle: dpa
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Auf Niedersachsen kommt eine zweite Hochwasserwelle zu. Bis Samstag werde es stark regnen und die Pegel in den Flüssen besonders in Südniedersachsen wieder steigen, teilte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Donnerstag in Norden mit. Genaue Vorhersagen könnten aber nicht gemacht werden. „Entscheidend ist die Regenmenge. Am Donnerstag ist weniger gefallen als befürchtet“, betonte ein NLWKN-Sprecher. An der Weser werde jedoch zum Wochenende flächendeckend die Warnstufe drei erreicht.

In der bislang besonders betroffenen Stadt Hann.Münden müssen sich die Menschen auf eine erneute Überflutung vorbereiten. „Die Pegel steigen wieder, weil es unaufhörlich regnet“, sagte eine Stadtsprecherin. Sandsäcke stehen für die Anwohner bereit.

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Auch an der Elbe müssen sich die Anwohner auf Hochwasser einstellen. Am Sonntag wird in Neu Darchau (Landkreis Lüchow-Dannenberg) voraussichtlich die Sechs-Meter-Marke überschritten und damit die unterste Alarmstufe ausgelöst, teilte das niedersächsische Umweltministerium am Donnerstag mit. „Niedersachsen ist gut vorbereitet“, sagte Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). In die Deiche entlang der Elbe seien in den vergangenen Jahren insgesamt 146 Millionen Euro investiert worden.

Naturschützer forderten dagegen für einen nachhaltigen Hochwasserschutz Rückhalteräume in den Flussauen. Während in Brandenburg große Rückdeichungen durchgeführt werden, um den Wassermassen nach starken Regenfällen und Schneeschmelzen mehr Raum zu geben, setze Niedersachsen nach wie vor fast ausschließlich auf den technischen Hochwasserschutz mit Erhöhung der Deiche, teilte der Naturschutzbund Niedersachsen am Donnerstag in Hannover mit.

Auch die Pegelstände an Rhein und Mosel sind wieder angestiegen. Für die Rhein-Mosel-Stadt Koblenz könnte es erneut kritisch werden, sagte Dieter Prellberg vom Hochwassermeldezentrum für den Rhein in Mainz. Die braunen Fluten des Mains erreichten mittlerweile die Finanzmetropole Frankfurt am Main. Das Wasser umspülte Hochwasserbarrieren vor dem Rathaus, dem „Römer“, in der Innenstadt. Die alte Universitätsstadt und Touristenhochburg Heidelberg bereitete sich auf das schlimmste Hochwasser seit 2002 vor.

Ein Feuerwehrsprecher in Frankfurt sagte: „Das Wasser steht unmittelbar an den Mauern (des „Römers“) und staut sich dort bereits wenige Zentimeter.“ Der Pegelstand des Flusses lag bei 4,68 Metern. „Wie es weitergeht, können wir noch nicht abschätzen“, sagte der Sprecher. Die Behörden erwarteten das schwerste Hochwasser der vergangenen Jahre. 2003 hatte der Pegel die Marke 5,19 Meter erreicht.

Weiter südlich den Fluss hinauf in Wertheim in Baden-Württemberg wich die Flut des Mains zunächst langsam aus der Altstadt - aber die Ankündigung von Dauerregen zerrte an den Nerven der Menschen. Der Deutsche Wetterdienst DWD hatte für Wertheim bis Freitag früh ergiebige Regenfälle angekündigt. Bei der Stadt fließt die Tauber in den Main. Bis zum Freitag seien bis zu 70 Liter pro Quadratmeter möglich, hieß es auf der DWD-Internetseite.

Der Pegelstand des Neckars sollte am Freitag voraussichtlich die Marke von fünf Metern überschreiten. Die Behörden stellten sich darauf ein, dass Teile der romantischen Altstadt Heidelbergs überflutet werden. Der Hochwasserschutz baute Schutzwände entlang der Altstadt auf. Pegelstände von mehr als fünf Metern gab es in Heidelberg nach Angaben des Hochwasserbüros der Stadt zuletzt im März 2002.

„Die Situation bleibt angespannt“, sagte der Sprecher der Feuerwehr Koblenz, Manfred Morschhäuser. „Für die Nacht von Samstag auf Sonntag erwarten wir einen Pegelstand von um die 7,50 Metern.“ Erst am vergangenen Montag hatte das Wasser am Pegel Koblenz 7,52 Meter erreicht und mehrere ufernahe Stadtteile überflutet. Sandsäcke liegen bereit, ein Bürgertelefon sei geschaltet. „Die Wasserstände werden auf der gesamten Rheinstrecke vom Ober- bis zum Niederrhein steigen“, sagte der Sprecher. Die Mosel steige ebenfalls langsam, sagte ein Sprecher des Hochwassermeldezentrums Mosel in Trier.

Dauerregen auch in Nordrhein-Westfalen: Die befürchteten Schäden blieben bislang allerdings aus. Die Polizei berichtete von einer ruhigen Lage. Auch die Hochwasserschutzzentrale in Köln meldete zunächst keine dramatischen Pegelstände. Der Dauerregen werde aber vor allem den Wasserstand der kleinen Flüsse im Bergischen Land und im Siegerland am Freitag stark anschwellen lassen, erklärte Reinhard Vogt, Leiter der Hochwasserschutzzentrale.

Auch die Flüsse in Sachsen führten Hochwasser. Für die Pegel der Pleiße, Parthe und Weißen Elster im Raum Leipzig galt Alarmstufe 2 von insgesamt vier. Die Pegelstände der Elbe in Dresden, Riesa und Schöna stagnieren und lagen bei der Alarmstufe 1. In Sachsen-Anhalt verlagerte sich das Hochwasser an der Saale von Halle nach Bernburg, sagte Peter Hasdorf von der Hochwasserzentrale.

dpa

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