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Panorama Hochwasserwarnung in New Orleans aufgehoben
Nachrichten Panorama Hochwasserwarnung in New Orleans aufgehoben
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11:15 29.05.2011
Das Wasser in New Orleans steht noch bei etwa 5,2 Metern, soll in den nächsten Tagen aber weiter fallen. Quelle: dpa
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Breit fließt der Mississippi durch die Innenstadt von New Orleans, vorbei an jahrhundertealten Kolonialhäusern und Hochhausklötzen aus Beton. „In case of flood, float your way to a better life“, hat jemand auf eine weiße Kiste geschrieben, die im bräunlich-grauen Wasser treibt - „Bei Flut, lass dich in ein besseres Leben treiben.“ Aber die befürchtete Jahrhundertflut ist ausgeblieben. Die Nationale Ozean- und Wetterbehörde (NOAA) der USA hat die Hochwasserwarnung für New Orleans aufgehoben. Das Wasser stehe im Moment zwar noch bei 17 Fuß (rund 5,2 Meter), werde in den nächsten Tagen aber weiter fallen, teilte die Behörde am Freitag mit.

Trotzdem zieht es täglich hunderte schaulustige Einheimische und Touristen an das Ufer des breiten Stromes. „Der hohe Wasserstand des ’mighty Mississippi’ ist natürlich eine Attraktion“, sagt Touristenführer Louis Jobert, der gerade eine Reisegruppe über die Uferpromenade führt. „Natürlich bin ich erleichtert, dass die Warnung aufgehoben worden ist - ich hatte mir aber von vorne herein überhaupt keine Sorgen wegen der angekündigten Überschwemmungen gemacht. Wir sind das hier gewöhnt.“

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Experten hatten schon seit Tagen vorsichtig Entwarnung gegeben. In den vergangenen Wochen hatte es nur sehr wenig geregnet. Zudem hatten Spezialisten der US-Armee mehrere Fluttore nördlich von New Orleans geöffnet und so große Teile des Wassers auf ländliche Gebiete gelenkt. Die Einwohner dort waren aufgefordert worden, ihre Häuser vorübergehend zu verlassen. Tausende Menschen waren von den absichtlichen Überschwemmungen betroffen, viele protestierten lautstark. „Das kann ich natürlich verstehen“, sagt Touristenführer Jobert. „Aber man muss auch die Relationen verstehen: Es handelt sich da vielleicht um die Häuser von 25 000 Menschen, in den Großstädten Baton Rouge und New Orleans geht es um ein vielfaches davon und das wird gerettet.“

Bereits seit Anfang Mai hatte die Nationale Wetterbehörde vor der Flut gewarnt. In New Orleans habe das aber niemanden besonders gekümmert, sagt die Besitzerin der Reinigung „The Washing Well“ in der Innenstadt von New Orleans. „Wegen des bisschen Hochwassers soll ich mir Sorgen machen?“, fragt sie und zieht einen Faden durch ein Nadelöhr. „Ich habe diesen Laden hier seit 62 Jahren, ich kenne meine Stadt. So ein bisschen Hochwasser kann uns nichts anhaben. Nach Katrina komme was wolle.“

Der Hurrikan Katrina hatte im August 2006 im südöstlichen Teil der USA eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Rund 1800 Menschen kamen im Sturm und den anschließenden Überflutungen ums Leben. New Orleans war mit am schlimmsten betroffen - fast 80 Prozent des Stadtgebiets standen unter Wasser. Noch heute - sechs Jahre später - sind viele Häuser verwüstet, ganze Stadtteile stehen leer.

Ein großes Hotelhochhaus und ein Krankenhaus mitten in der Innenstadt seien seit Katrina nie wieder geöffnet worden, erzählt Touristenführer Jobert und zeigt auf die zerbrochenen Fensterscheiben der beiden Gebäude. „Im Großraum New Orleans lebten mal 460.000 Menschen, jetzt sind es noch ungefähr 355.000. An jeder Ecke kann man die Auswirkungen von Katrina heute noch sehen - und da sollen wir uns Sorgen wegen so einer kleinen Überschwemmung machen?“

dpa