Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Hohe Haftstrafen für die Sauerland-Gruppe
Nachrichten Panorama Hohe Haftstrafen für die Sauerland-Gruppe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:31 04.03.2010
Von Heinrich Thies
Daniel Schneider wurde am Düsseldorfer Oberlandesgericht zu zwölf Jahren verurteilt.
Daniel Schneider wurde am Düsseldorfer Oberlandesgericht zu zwölf Jahren verurteilt. Quelle: dpa
Anzeige

Die Mitglieder der „Sauerland-Gruppe“ waren zu grenzenlosem Töten bereit, in ihren Köpfen hat die Idee eines zweiten 11. September herumgespukt.“ Mit deutlichen Worten begründete am Donnerstag der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf das Urteil gegen die vier Angeklagten der sogenannten Sauerland-Gruppe: Je zwölf Jahre Haft für die beiden deutschen Konvertiten Fritz Gelowicz und Daniel Schneider, elf Jahre für den Deutschtürken Adem Yilmaz und fünf Jahre für Atilla Selek, der die Terrorgruppe unterstützt hatte. Hätten sie nicht so umfassende Geständnisse abgelegt, wäre die Strafe noch härter ausgefallen, betonte der Richter.

Die drei Hauptangeklagten waren Anfang September 2007 in einem Ferienhaus im Sauerland festgenommen worden, nachdem sie sich unter anderem 700 Liter Wasserstoffperoxid und Sprengstoffzünder beschafft hatten, um damit Autobomben zu bauen. Ihr Ziel war es, auf deutschem Boden Hunderte von US-Soldaten in Kasernen, Diskos und Flughäfen zu töten – im Auftrag der „Islamischen Dschihad Union“.

Die Verabredung zu einem Anschlag mit solchen Ausmaßen habe es bisher noch nie gegeben, betonte der Richter. Trotz „lückenhaftester Kenntnisse“ auf dem Gebiet der muslimischen Religion hätten sich die Angeklagten aufgespielt wie „Todesengel im Namen des Islam“. Das Verfahren habe mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt, „zu welchen Taten hasserfüllte und von verqueren Dschihad-Ideen verführte junge Menschen bereit und in der Lage sind“, sagte Breidling.

In seiner Urteilsbegründung bezeichnete der Richter den Fanatismus der Islamisten als „Geißel unserer Zeit“ und warnte vor der wachsenden Bedrohung, die davon ausgehe. Besonders Jugendliche, die in ihren Familien und ihrem Umfeld nicht die erforderliche Aufmerksamkeit fänden und nach einem Lebenssinn suchten, seien ein leichtes Opfer für „Hassprediger, wie sie zunehmend auch in unserem Land ihr Unwesen treiben“.

Der Hauptangeklagte Gelowicz, der schon mit 15 Jahren zum Islam konvertiert war, hatte sich in einer Moschee in Neu-Ulm zum fanatischen Gotteskrieger entwickelt.