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Panorama Holländer verkauft Kuhfladenparfüm
Nachrichten Panorama Holländer verkauft Kuhfladenparfüm
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22:29 12.09.2011
Frische Landluft: Der Geruch der Kuh soll zu Geld gemacht werden. Quelle: dpa
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Bei manchen Regionen in Niedersachsen rümpft man automatisch die Nase, wenn man auch nur in die Nähe kommt. In Vechta spricht man euphorisch vom „Güllegürtel“ des Landes, anderswo stinken den Anwohnern schon lange die Folgen der Tierhaltung. Sie sollten ruhig mal ein Blick über die Grenzen Niedersachsens hinaus werfen – nur wenige Kilometer entfernt in den Niederlanden zeigt ein findiger Geschäftsmann, dass man mit Landluft ein gutes Geschäft machen kann.
Ben Hut heißt der Mann, der den Geruch von Kühen und Schweinen zu Geld macht. Der 55-jährige Niederländer aus der Grenzprovinz Drenthe betreibt einen Parfümladen der ganz besonderen Art. Ben Hut bannt die Landluft in Parfümflakons und verkauft sie. Seine neueste Kreation soll das Kuhfladen-Aroma werden.

„Die Städter wissen doch gar nicht mehr, wie es auf dem Land riecht,“ sagt Hut. „Der moderne Mensch hat sich von der Natur total entfremdet. Kuhfladen stinken nicht, sie riechen.“ Der Bauernduftparfümist hat schon einiges im Angebot – Shampoos und Seifen etwa, die beim Duschen oder beim Händewaschen die Gerüche des Bauernhofs entfalten. Ein Stück „Schafseife“ gibt es schon für einen Euro. „Mit meinem Shampoo ,Hoer Ziepe‘ denkt man beim Duschen, man würde in der Heide von Drenthe stehen,“ behauptet Ben Hut. Das Heidearoma-Shampoo fürs Haar will er nun auch durch ein zweites Produkt für die biologische Haarwäsche erweitern. „Es wird ein Bodenaroma, richtig erdig,“ kündigt Geruchskünstler Hut an. „Es wird riechen, als stünde man in einer Grotte.“ Hoffentlich wird es nicht zu muffig.

Billig sind die Naturshampoos aber nicht. Zwischen acht und neun Euro für ein kleines 0,375-Liter-Fläschchen Bio-Haarshampoo muss man bezahlen, wenn man das Heidearoma beim Duschen und Haarewaschen daheim riechen will.
Bestellungen bekommt der Spezialist für ländliche Aromen und Düfte inzwischen aus der ganzen Welt. Aus dem fernen Australien erhielt Hut jetzt eine Order von ehemaligen niederländischen Landwirten, die nach Australien ausgewandert sind und nun Sehnsucht nach der einstigen Heimat haben. Sie bestellten bei ihm die „echte holländische Bauernhofluft“. Sie hat natürlich ein typisches Kuhmistaroma – eine Offenbarung für die ausgewanderten holländischen Landwirte, die im staubigen australischen Outback wohl keine Gülle zu riechen bekommen.

Helmut Hetzel

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