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Panorama Schluss mit den schiefen Piepstönen
Nachrichten Panorama Schluss mit den schiefen Piepstönen
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00:15 23.12.2013
Von Stefan Arndt
Bei vielen Deutschen nur schlecht gelitten: Die Blockflöte. Quelle: dpa
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Hannover

Das belegt eine Statistik des Verbandes der Deutschen Musikschulen, die zuletzt nur noch rund 50.000 Flötenkinder gezählt hat. Klingen die Glocken in diesem Jahr also ohne schiefe Piepstöne süßer denn je? Schließlich gehört das Vorspiel unterm Tannenbaum in vielen Familien noch immer zu den weihnachtlichen Ritualen.

Glaubt man der Musikschulstatistik, ist das Gegenteil der Fall: Schließlich lernen mehr Kinder denn je ein Instrument – nur eben nicht mehr Blockflöte. Die ersten Töne auf einer Geige aber klingen nicht viel lieblicher als das erste Flötenkonzert. Das Streichinstrument hat das Blasinstrument zuletzt in der Beliebtheitsskala überholt. Den Spitzenplatz hat die Blockflöte bis Anfang der achtziger Jahre innegehabt. Dann zogen erst das Klavier und – um die Jahrtausendwende – die Gitarre vorbei. Jetzt muss die Flöte den dritten Platz schon gegen Instrumente wie Schlagzeug und Keyboard behaupten.

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Neben Moden spiegelt diese Rangliste auch einen wachsenden Wohlstand der Gesellschaft wieder. Der Vorsprung, den die günstige Holzflöte etwa gegenüber einem Klavier gehabt hat, scheint dahin. So ergeht es der Blockflöte wie manch anderem Ersatzprodukt: Auch Getreidekaffee und Margarine finden immer weniger Abnehmer.

Europas größten Flötenbauer Moeck kann das allerdings nicht beunruhigen. „Wir haben keine Untergangsstimmung, wir passen uns gut an“, sagt Ronald Haase, Geschäftsführer des Celler Unternehmens. Der Export sei „ein solides Standbein“ für ­Moeck.

Dass die Blockflöte in Deutschland kein Masseninstrument mehr ist, mit dem Kinder sich in der Schule auseinandersetzen müssen, hat aber auch etwas Gutes: Das schlechte Image der Flöte kann endlich aufpoliert werden. Ein Instrument, das sehr oft gespielt wird, wird schließlich oft auch sehr schlecht gespielt. Heute dagegen nimmt man eher die Könner wahr: „Die Blockflöte ist in ihrer Geschichte seit dem Mittelalter noch nie so gut gespielt worden wie heute“, sagt Ulrich Thieme von der hannoverschen Musikhochschule und meint damit nicht nur die inzwischen als Klassikstars gefeierten Profis, sondern auch Teilnehmer von „Jugend musiziert“. Wenn eine Blockflöte in diesen Tagen „Stille Nacht“ anstimmt, stehen die Chancen also gar nicht mehr schlecht, dass tatsächlich der Chor der Engel erwacht: Hört nur, wie lieblich es schallt!

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