Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama In Australien flüchten 200.000 Menschen vor Überflutungen
Nachrichten Panorama In Australien flüchten 200.000 Menschen vor Überflutungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:47 02.01.2011
Die 75.000-Einwohner-Stadt Rockhampton ist von Wassermassen umschlossen. Quelle: dpa
Anzeige

Die Krisengebiete müssen sich auf neue Unwetter und Fluten einstellen. Meteorologen kündigten für den heutigen Montag für Queensland Gewitter mit sehr starkem Regen und heftigen Winden an.

Der Schaden der Katastrophe wird mittlerweile auf mehr als eine Milliarde australische Dollar (765 Millionen Euro) geschätzt. 200.000 Menschen sind von den Überflutungen betroffen, von denen die meisten ihre Häuser vorübergehend verließen und bei Freunden und Verwandten Zuflucht suchten.

Anzeige

Von „biblischen Ausmaßen“ der Katastrophe sprach ein Politiker, der die Region überflogen hatte. Der halbe Bundesstaat Queensland steht unter Wasser . In manchen Gebieten sind es die schlimmsten Überschwemmungen seit mehr als 50 Jahren, in anderen steht das Wasser so hoch wie nie zuvor seit Beginn der Messungen vor mehr als 100 Jahren.

Von Rockhampton und Mackay weiter im Norden aus fahren Touristen oft auf die Inseln des Great Barrier Reef. Jedoch haben die meisten ihre Pläne wegen der heftigen Regenfälle an Weihnachten frühzeitig geändert.
In der von Wassermassen umgebenen 75.000-Einwohner-Stadt Rockhampton rund 1000 Kilometer nördlich von Sydney trat in der Innenstadt der Fluss Fitzroy über die Ufer. Der Katastrophenschutz war rund um die Uhr im Einsatz, um Flutbarrieren aufzubauen. Bürgermeister Brad Carter richtete einen dringenden Appell an die Einwohner: „Wir brauchen noch etwa 50 zusätzliche Freiwillige, um 2000 Sandsäcke zu füllen“, sagte er. Rund 40 Prozent der Stadt könnten überflutet werden, 4000 Gebäude lagen in der unmittelbaren Gefahrenzone.

In der Innenstadt von Rockhampton schaufelten den ganzen Sonntag über Helfer Sand in Säcke, um zu schützen, was noch zu schützen war. In den Straßen entlang des Fitzroy, der mitten durchs Zentrum fließt, gab es kein Halten mehr. Durch das Flussbett rauschen die Niederschläge, die über Weihnachten im Hinterland gefallen waren. Das Flussbett konnte die Wassermassen nicht halten. Der Highway Richtung Norden war für Leute, die weg wollten, gestern noch offen. Ansonsten ist die Stadt von der Außenwelt abgeschnitten. Flughafen, Bahnhof und alle anderen Zufahrtsstraßen sind überschwemmt. Bis zu einen halben Meter hoch steht das Wasser. „Achtung: Diese Zone ist überschwemmungsgefährdet“ steht auf einem Schild, dessen Schriftzug gerade noch über der Wasserkante zu lesen war. „Rockhampton gleicht jetzt einer Insel“, sagte Carter.

„Wir haben alles in den ersten Stock geschafft und sind jetzt bei Freunden ein paar Häuser weiter“, berichtete Kevin Martin in einem Vorort von Rockhampton den Fernsehreportern. „Wir haben Angst vor Plünderern.“ In seinem Vorort stand das Wasser hüfthoch. Eine weitere Gefahr sind offenbar Schlangen, die sich aus den Wassermassen ins Trockene retten. „Überall da draußen sind Schlangen“, sagte eine Frau aus der Rockhampton-Region der „Courier Mail“. „Sie kommen zu Tausenden aus den Fluten und suchen einen trockenen Fleck. “

In Queensland waren etwa 20 Städte von der Außenwelt abgeschnitten. Hubschrauber waren im Einsatz, um die Menschen aus der Luft zu versorgen. Im Hinterland von Rockhampton und weiter südlich entspannte sich dagegen die Situation. In Bundaberg, Emerald und Theodore gingen die Wasserpegel zurück. Dort wurde das Ausmaß der Schäden sichtbar: Straßen haben tiefe Schlaglöcher, Stromleitungen sind abgerissen und Abwasserrohre überflutet.

Die Überschwemmungen haben riesige Getreide- und Baumwollfelder zerstört. Die Behörden erklärten ein Gebiet von etwa einer Million Quadratkilometern zum Katastrophengebiet. Einige Kohlebergwerke wurden geschlossen.

Sid Astbury und Christiane Oelrich