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Panorama „Die ganze EU in einem Auto“
Nachrichten Panorama „Die ganze EU in einem Auto“
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14:52 01.04.2015
Sturm Niklas legte am Dienstag in weiten Teilen Deutschlands die Bahn lahm. Viele Reisende musste eine Alternative finden. Doch auch Mietwagen waren rar. Quelle: dpa
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Kassel/Berlin

Ein ICE nach dem anderen ergießt seine Passagiere in den Bahnhof, das Chaos wächst und wächst. Nach zwei Stunden vergeblichen Wartens auf eine verlässliche Auskunft – fahren noch Züge nach Berlin? Und wenn ja, wann? – beschließt der Berliner, sein Glück am Mietwagenschalter zu versuchen. Auch dort: eine riesige Warteschlange. Beim millimeterweisen Vorrücken taucht plötzlich ein vage bekanntes Gesicht in der Menge auf: Ein Bühnenbildner, man kennt sich von früher, hat schon zusammen gearbeitet. Und beschließt jetzt, auch zusammen gen Berlin zu reisen, wie auch immer. Im Lauf der Wartezeit wächst die kleine Schicksalsgemeinschaft auf vier Personen an: Eine Mittvierzigerin aus Irland und eine spanische Historikerin kommen mit den beiden Berlinern ins Gespräch, und man entscheidet, gemeinsam zu fahren, wenn sich noch ein Wagen ergattern lässt.

Gut eine Stunde später sind sie endlich zum Schalter vorgerückt – und erfahren, dass soeben das letzte verfügbare Auto vergeben wurde. Ab jetzt würden nur noch online reservierte Wagen rausgegeben. Die Irin hat die rettende Idee: Innerhalb von einer Minute reserviert sie über ihr Handy – und tatsächlich klappt es, ein geräumiger Mercedes Kombi wird der kleinen Gruppe ausgehändigt. Die rund 30 Wartenden in der Schlange hinter ihnen gehen nun tatsächlich leer aus, der Mercedes war der endgültig letzte Mietwagen in Kassel.

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Auf dem Weg zum Auto sprintet plötzlich ein Mann auf das Quartett zu. Eigentlich wollte er nach Kiel, würde nun aber notfalls auch nach Berlin fahren, wenn sie ihn mitnähmen, Hauptsache, weg aus Kassel… Im Auto ist genug Platz, also steigt auch noch der bulgarisch-deutsche Online-Marketing-Experte zu. Die Tour nach Berlin wird der Truppe wohl für immer unvergesslich bleiben. Unterwegs erzählt man sich seine Lebensgeschichten – die Familie des Halbbulgaren ist eins vor Verfolgung nach Deutschland geflohen –, beschreibt sich gegenseitig die Osterbräuche seines Heimatlandes, und schließlich stimmen die fünf sogar Volkslieder aus ihrer jeweiligen Heimat an, bei denen bald begeistert alle mitsingen. Gegen 2 Uhr nachts ist endlich das Ziel Berlin erreicht – der ICE wäre planmäßig um kurz nach 20 Uhr da gewesen. Bei allem Nerv und Stress hat sich die spontane Fahrgemeinschaft dennoch blendend amüsiert – und beschlossen, sich in einem Jahr in Berlin zu treffen und das Auto nach Kassel zurückzufahren.

Von Stefanie Gollasch

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