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Panorama Internationale Hilfe für Haiti angelaufen
Nachrichten Panorama Internationale Hilfe für Haiti angelaufen
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10:47 14.01.2010
Quelle: ap
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Nach dem schweren Erdbeben in Haiti mit vermutlich zehntausenden Toten ist die internationale Hilfe angelaufen. Die USA und zahlreiche andere Länder brachten am Mittwoch Hilfsgüter, Rettungsteams und Material auf den Weg in den Karibikstaat. US-Präsident Barack Obama sagte in Washington, er habe den Regierungsbehörden Anweisung gegeben, in einer „raschen“ und „koordinierten“ Anstrengung Menschenleben in Haiti zu retten.

US-Außenministerin Hillary Clinton brach eine Asienreise ab, um von Washington aus die US-Hilfe zu koordinieren. Clinton verglich das Erdbeben in Haiti mit der Tsunami-Katastrophe Ende 2004 im Indischen Ozean, der mehr als 220.000 Menschen zum Opfer gefallen waren. Der Tsunami sei eine „schreckliche Tragödie“ mit einer hohen Zahl an Todesopfern gewesen. Nach dem Beben der Stärke 7,0 in Haiti sei ebenfalls mit einer hohen Opferzahl zu rechnen.

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Präsident Réné Préval, der am Flughafen von Port-au-Prince die internationale Hilfe koordinierte, wollte sich zunächst nicht zur Zahl der Opfer äußern. Die Untersuchungen liefen noch, es gebe „viele Opfer, vielleicht tausende“, sagte er. „Alle Krankenhäuser und Leichenhallen sind voll.“ Haitis Regierungschef Jean-Max Bellerive sagte CNN, die Zahl der Toten könne „deutlich über 100.000“ liegen. Auch mehrere Minister wurden vermisst, Parlamentspräsident Kelly Bastien war unter den Trümmern des Parlaments verschüttet, wie ein ehemaliger Minister, Jocelerme Privert sagte.

Das schwerste Erdbeben seit mehr als 200 Jahren in Haiti hat weite Teile der Hauptstadt Port-au-Prince verwüstet und zehntausende Bewohner obdachlos gemacht.

Laut Préval war unter den Toten auch der Chef der UN-Friedensmission in Haiti (MINUSTAH), der Tunesier Hedi Annabi. Er sei beim Einsturz des UN-Hauptquartiers getötet worden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon konnte Annabis Tod zunächst nicht bestätigen. Ban sprach in New York von einer Tragödie für Haiti und die UNO, die mindestens 16 Mitarbeiter beim Einsturz ihres Hauptquartiers in Port-au-Prince verlor; Dutzende weitere wurden verletzt.

„Wir haben es mit einer großen humanitären Notsituation zu tun, die einen umfassenden Hilfseinsatz erfordert“, sagte Ban. Eine Sprecherin der UNO in Genf nannte die Hilfsanstrengungen einen „Wettlauf mit der Zeit“. Schuttberge, die zusammengebrochene Strom- und Wasserversorgung und ein defektes Telefonnetz erschwerten die Arbeiten. Die UNO mobilisierte 37 Such- und Spürtrupps.

Deutschland sagte 1,5 Millionen Euro zu

Auf dem Flughafen Port-au-Prince trafen erste Militärflugzeuge mit Hilfsgütern ein. Die USA schickten einen Flugzeugträger, weitere Schiffe, Flugzeuge und Hubschrauber. Zahlreiche Länder entsandten Such- und Bergungsteams sowie Spürhunde. Die Internationale Föderation vom Roten Kreuz und Roten Halbmond bereitete sich auf Hilfe für „ein Maximum von drei Millionen Menschen“ vor.

Zahlreiche Staaten und Organisationen kündigten umgehend Nothilfe an. Deutschland sagte 1,5 Millionen Euro zu, die EU gewährte drei Millionen Euro. Die Weltbank stellte 100 Millionen Dollar (knapp 69 Millionen Euro) an Soforthilfe in Aussicht. Australien sagte neun Millionen US-Dollar zu, Brasilien zehn Millionen Soforthilfe. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Spanien und Italien sowie Russland, Kuba und weitere lateinamerikanische Länder schickten Rettungsteams und Ärzte.

Das Erdbeben hatte den Inselstaat am Dienstag um 16.53 Uhr Ortszeit (22.53 Uhr MEZ) erschüttert, das Epizentrum lag nur 15 Kilometer von Port-au-Prince entfernt. Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt und wurde in den vergangenen Jahren mehrfach von Naturkatastrophen heimgesucht.

afp