Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Israel erlebt Feuer-Katastrophe mit Ankündigung
Nachrichten Panorama Israel erlebt Feuer-Katastrophe mit Ankündigung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:17 03.12.2010
Bei den Feuern in Israel kamen mehr als 40 Menschen ums Leben. Quelle: afp
Anzeige

Die meterhohe, leuchtend rote Feuerwalze war für manchen Israeli nur noch mit biblischen Vergleichen zu fassen. „Die Hölle auf Erden gesehen und gerochen“, titelte die Tageszeitung „Jerusalem Post“. Aber das blanke Entsetzen und die tiefe Trauer über den Tod von mehr als 40 Menschen ist schnell in ohnmächtige Wut umgeschlagen. Auch weil Israel den schlimmsten Brand seiner Geschichte nicht allein in den Griff bekommt und das Ausland um Hilfe bitten musste. Dabei ist es eine Katastrophe mit langer Ankündigung, denn die Mängel in der Ausstattung der Feuerwehr waren seit mehr als einem Jahrzehnt bekannt.

Das Karmel-Gebirge bei Haifa wird liebevoll die „kleine Schweiz“ genannt. Für Wanderer ist der Nationalpark mit seinen Pinien- und Kiefernwäldern ein Juwel.

Anzeige

Doch seit Donnerstag brennt es lichterloh in diesem Paradies. An vielen Stellen fressen sich kleine Brandherde die Hänge herunter. Über den Bergen hängt eine dicke Rauchwolke. Acht Löschflugzeuge sind bislang im Einsatz und werfen ihre Wasserlast ab. Viele Staaten Europas haben Israel weitere Flugzeuge zugesagt. Freitagabend sollten mehr als 20 gegen die Flammen anfliegen.

17 000 Menschen haben sich bereits vor dem Feuer in Sicherheit gebracht. Und weil der Wind, der zeitweise mit Geschwindigkeiten von über 70 Kilometern pro Stunde geblasen hatte, etwas nachlässt, keimt unter den mehr als 3000 Feuerwehrleuten und Soldaten neue Hoffnung.

Das Unterholz im Karmel-Gebirge ist trocken wie Zunder. Seit Monaten hat es nicht richtig geregnet. Der Norden Israels erlebt nach Medienberichten die größte Trockenheit seit 48 Jahren. Und während in Deutschland alles vor Kälte zittert, herrschen in Israel sommerliche Temperaturen von bis zu 28 Grad Celsius.

Für ein Feuer sind das ideale Bedingungen. Und leider auch für Brandstifter. Die Polizei hat am Freitag zwei Männer festgenommen, die angeblich neue Feuer legen wollten. Und dabei hat der Großbrand schon eine Fläche von rund 30 Quadratkilometern Wald- und Buschlandschaft mit 1,5 Millionen Bäumen vernichtet. Die Fläche entspricht etwa der Größe der Nordseeinsel Borkum.

Eine Gruppe frisch ausgebildeter Wachleute sollte bei der Evakuierung eines Gefängnisses mit 500 Insassen helfen. Als ihr Bus in Richtung Haftanstalt fuhr, habe das Feuer noch in 1500 Meter Entfernung von der Straße gelodert, berichten Augenzeugen. Nur binnen drei Minuten habe die Feuerwalze dann die Straße erreicht. Als ein brennender Baum umfiel, war dem Bus der Weg versperrt. Für 36 junge Wachmänner gab es kein Entrinnen mehr.

Auf sich allein gestellt, würde Israel den Großbrand nicht in den Griff bekommen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat deshalb das Ausland um Hilfe gebeten. Die Solidaritätswelle rollte umgehend an. Auch aus Ländern, von denen man es nicht sofort erwartet hätte, wie der Türkei, mit der Israel derzeit in Fehde lebt.

Trotz dieser Solidarität bleibt bei manchem Israeli ein bitterer Beigeschmack zurück. Der Nationalstolz ist sichtlich verletzt. Ein Land, das Spionagesatelliten starte, abschreckende Militäroperationen ausführe, bei Hochtechnologien führend sei, habe nach sieben Stunden keine Bestände mehr zur Brandbekämpfung, kommentiert die Tageszeitung „Maariv“. Mit „heruntergelassenen Hosen“ stehe man da und warte auf Löschflugzeuge der „Großmacht Zypern“, heißt es zynisch.

Bereits vor einer Woche, als ein Brand in den 29 Etagen hohen Shalom-Towern in Tel Aviv ausgebrochen war, schrillten in Israel die Alarmglocken. 250 Löschfahrzeuge fehlten, schrieb die „Jerusalem Post“. Überall in westlichen Ländern gebe es einen Feuerwehrmann pro 1000 Einwohner. In Israel dagegen nur einen für 5000. Nicht einmal ausreichend Hydranten seien vorhanden.

Die Tageszeitung „Haaretz“ berichtet, dass bereits vor zwölf Jahren ein Komitee die Mängel bei der Feuerwehr aufgelistet und auf Strukturänderungen gedrängt habe. Das Problem mit den fehlenden Löschflugzeugen sei mehrmals im Kabinett angesprochen worden, sagt Außenminister Avigdor Lieberman. Aber nichts bewegte sich. Jetzt, nach dem Desaster, kündigte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Freitag an, dass Israel Löschflugzeuge kaufen werde.

dpa