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Panorama „Jopie“ Heesters wird am Freitag in München beigesetzt
Nachrichten Panorama „Jopie“ Heesters wird am Freitag in München beigesetzt
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16:16 26.12.2011
Johannes Heesters galt als der älteste aktive Schauspieler und Entertrainer der Welt.
Johannes Heesters galt als der älteste aktive Schauspieler und Entertrainer der Welt. Quelle: dpa
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München

Trauer um Johannes Heesters: Knapp drei Wochen nach seinem 108. Geburtstag ist der älteste aktive Schauspieler der Welt an Heiligabend gestorben. Im Klinikum Starnberg erlag er den Folgen eines schweren Schlaganfalls. Kollegen und Wegbegleiter würdigten den Schauspieler, Sänger und Entertainer. „Charme, Eleganz und Leichtigkeit waren sein Markenzeichen", erklärte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Am Freitag soll der gebürtige Niederländer auf dem Münchner Nordfriedhof beigesetzt werden.

Heesters sei am 24. Dezember um 10.15 Uhr im Beisein seiner Frau friedlich verstorben, teilte das Klinikum mit. Der Operettenstar hatte mit seiner 45 Jahre jüngeren Ehefrau Simone Rethel-Heesters bis zuletzt am Starnberger See gewohnt. Auf einem Pfosten am Gartenzaun vor dem Wohnhaus des Paares stand am Sonntag eine erloschene Kerze mit einem roten Kreuz.

„Jopie" Heesters galt als der älteste aktive Schauspieler, Sänger und Entertainer der Welt. Er gehörte zu den populärsten Bühnendarstellern des 20. Jahrhunderts und wurde vor allem mit Operettenrollen bekannt. Seine Paraderolle war der leichtlebige Graf Danilo aus Franz Lehárs Operette "Die lustige Witwe". Auch auf der Leinwand war Heesters in zahlreichen Filmen zu sehen wie "Gasparone", "Hallo Janine" und "Die Csardasfürstin".

Am 31. Oktober hatte er bei seinem letzten großen Auftritt zum 50-jährigen Bestehen der Komödie im Bayerischen Hof in München das Publikum begeistert. Vor rund fünf Monaten hatte Heesters noch in dem Kurzfilm "TEN - Sündige und du wirst erlöst" die Rolle des Petrus übernommen. „Und da war er einfach fit und beeindruckend und charismatisch und hatte eine starke kräftige Stimme", sagte Schauspieler Christof Arnold, der mit ihm vor der Kamera stand.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte Johannes Heesters als „Grandseigneur der leichten Muse". Mit seiner einzigartigen Bühnenausstrahlung habe er die Herzen des Publikums erobert, hob Seehofer hervor. „Sein Publikum hat ihn verehrt und geliebt."
Am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort als Johan Marius Nicolaas Heesters geboren, begann der Künstler seine Bühnenlaufbahn als 17-Jähriger in Amsterdam. Die eigentliche Karriere begann 1935 in Berlin, wo er rasch zum Frauenliebling und Charmeur aufstieg. Das lebensfrohe Lied „Heut geh' ich ins Maxim, da bin ich so intim", das der Mann mit Frack, Zylinder und dem weißen Schal so oft sang, war ihm auf den Leib geschrieben.

In den Niederlanden gab es gemischte Reaktionen - wegen seiner Karriere in der Nazi-Zeit war Heesters in seiner Heimat umstritten und von den niederländischen Bühnen jahrzehntelang boykottiert worden. 2008 hatte er seinen ersten Auftritt nach fast einem halben Jahrhundert in seiner Geburtsstadt Amersfoort. In Medienberichten zu Heesters' Tod wurde auf den Besuch des auch bei Nazi-Größen beliebten Operettenstars im Konzentrationslager Dachau im Jahr 1941 verwiesen.

In der ARD verfolgten am Sonntagabend 3,48 Millionen Menschen (Quote: 11,9 Prozent) den Nachruf „Herzensbrecher wider Willen". "Johannes Heesters war schon zu Lebzeiten eine Legende - und noch erstaunlicher: bis zuletzt ein aktiver Bühnenkünstler", sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres.

dpa

26.12.2011
26.12.2011