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Panorama Junge von Baumstamm erschlagen: Polizei vermutet Verbrechen
Nachrichten Panorama Junge von Baumstamm erschlagen: Polizei vermutet Verbrechen
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20:28 15.10.2018
Blumen, Kerzen und Karten stehen vor dem Hochhaus in Berlin, vor dem ein Achtjähriger erschlagen wurde. Quelle: Paul Zinken/dpa
Berlin

Im Fall des achtjährigen Junges, der in Berlin von einem herabstürzenden Stück eines Baumstamms erschlagen worden ist, gehen Polizei und Staatsanwaltschaft nun von einer vorsätzlichen Tat aus. Der Holzklotz sei nach ersten Erkenntnissen aus dem 15-stöckigen Hochhaus im Berliner Norden geworfen worden, sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft am Montag. „Wir ermitteln wegen eines vorsätzlichen Tötungsdeliktes. Von einem Unglück gehen wir nicht aus.“

Die Tat im Märkischen Viertel (Reinickendorf) ereignete sich am Sonntag gegen 13.30 Uhr. „Die beiden Jungen sind an dem Haus vorbei geradelt. Dann ist aus dem Haus heraus ein Stück eines Birkenstammes mit einem erheblichen Gewicht heruntergeworfen worden“, sagte der Sprecher. „Der achtjährige Junge wurde am Kopf getroffen und erlitt schwerste Verletzungen, an denen er starb.“

Gerüchte über Bewohner des Hauses

Eine Augenzeugin, die den Tod des Jungen miterlebt hatte, berichtete, der Holzklotz sei „in hohem Bogen“ von oben herabgestürzt. „Mir ist immer noch schlecht von dem Anblick. Ich hoffe, dass sie den Verrückten kriegen.“

Nach der Tat untersuchten die Experten der Spurensicherung stundenlang zahlreiche Balkone. Zeugen und Nachbarn wurden befragt. Fotos und Filmaufnahmen zeigten das etwa 30 Zentimeter dicke und 40 bis 50 Zentimeter lange Teil des Baumstamms. Angeblich soll es in den Tagen vor der Tat in der Nähe des Hauses gelegen haben.

Der Polizeisprecher sagte, bisher gebe es keine konkreten Verdächtigen. Zeugenaussagen müssten noch ausgewertet werden. Zu Gerüchten, die in dem Hochhaus und der Nachbarschaft zu einem möglichen Täter umgingen, wollte er sich nicht konkret äußern. Da müsse man sehr vorsichtig sein bei der Bewertung. Fingerabdrücke werden nach Einschätzung von Polizisten auf dem Holz nicht zu finden sein, aber für DNA-Spuren bestehe eine sehr gute Chance, hieß es.

Trauer vor dem Hochhaus in Berlin

Am Montag standen zahlreiche brennende Kerzen vor dem Hochhaus, daneben lagen Blumen und ein Teddybär. Auf einer Karte stand: „Warum? Du wolltest doch nur spielen“. Viele Bewohner und Nachbarn standen auf der Straße und äußerten sich zum Teil entsetzt, andere weinten oder spekulierten über einen möglichen Täter. Die 21-jährige Cousine des toten Jungen erzählte: „Er war sehr aktiv, ist überall hingeklettert, hat viel gespielt. Ich finde es einfach nur schrecklich.“

Die Ermittler sprachen von einer spannungsgeladenen Atmosphäre nach der Tat, besonders zwischen der Familie des toten Jungen und anderen Bewohnern, aber auch gegenüber der Polizei.

Das Märkische Viertel ist eine Hochhaussiedlung, die in den 60er-Jahren am nördlichen Stadtrand West-Berlins gebaut wurde. 40 000 Menschen leben dort in 17 000 Wohnungen. In den 70er- und 80er-Jahren galt die Satellitenstadt als Problemviertel mit Kriminalität und Verwahrlosung. Die Wohnungsbaugesellschaften bemühten sich seitdem, durch Investitionen den Ruf wieder zu verbessern.

Kritik an der Hausverwaltung

Bewohner erzählten, seit mehreren Monaten würden Dinge wie Wasserbomben, Müll, Möbelteile und Windeln von den Balkonen geworfen. Nun kritisierten einige Menschen die Hausverwaltung, weil sie dagegen kaum vorgehe. Ein 39-jähriger Familienvater sagte zu der aktuellen Tat: „Wir Nachbarn sind alle schockiert. Meine Frau ist sehr beunruhigt, ich habe selbst Angst um meine Kinder und lasse sie draußen nicht mehr allein.“ Er wolle mit seiner Familie so schnell wie möglich wegziehen.

Eine andere Frau meinte: „Ich würde keiner Familie raten, herzuziehen.“ Es gebe immer wieder Überfälle, aber auch Messerstechereien und Schießereien. Weitere Bewohner lobten hingegen die Nachbarschaft und den Zusammenhalt.

Von RND/dpa

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