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Panorama Justiz sucht nach Mädchenleiche unter Straßendecke
Nachrichten Panorama Justiz sucht nach Mädchenleiche unter Straßendecke
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12:28 12.05.2011
Nach neuen Hinweisen suchten Arbeiter nach der verschwundenen Mädchenleiche unter einer Straße in Helpsen. Quelle: Grabowski
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43 Jahre nach dem Verschwinden eines 16-jährigen Mädchens aus Helpsen im Landkreis Schaumburg ist vorübergehend Bewegung in den Fall gekommen. Die Staatsanwaltschaft Bückeburg hatte Hinweise erhalten, dass der Leichnam des Kindes unter der Asphaltdecke einer Straße liegen könnte. Die Behörde ließ daraufhin die Riepacker Straße an zwei Stellen aufreißen. Ohne Erfolg. Knochen fanden die Arbeiter nach Angaben von Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt nicht. Bereits am Montag hatten sich die Bagger ins Erdreich gebuddelt, gestern wurden die Löcher wieder zugeschüttet.

Angelika I. ist seit dem 4. November 1968 spurlos verschwunden. Noch immer ist ungeklärt, ob die damals 16-jährige Näherin das Opfer eines Verbrechens geworden ist. Für die Ermittler handelt es sich damals wie heute nicht um einen Mord-, sondern um einen Vermisstenfall. Dass das Schicksal von Angelika I. nach mehr als vier Jahrzehnten nun möglicherweise vor der Aufklärung steht, verneinte der Sprecher der Staatsanwaltschaft ausdrücklich.

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In dem 2000-Seelen-Ort Helpsen halten sich seit dem Verschwinden des Mädchens hartnäckig Gerüchte. Weil damals Kanalrohre an der Riepacker Straße verlegt wurden, vermutete die Polizei bereits vor 43 Jahren, dass die Leiche des Mädchens in der Baugrube verscharrt sein könnte. Eine groß angelegte Suchaktion ist jedoch schon damals erfolglos geblieben. Feuerwehrleute hatten zusammen mit Jägern und Polizisten nicht nur die Baustelle, sondern auch mehrere Waldstücke durchsucht. Auch gegen einen Verdächtigen ist damals nach Auskunft der Staatsanwaltschaft ermittelt worden. Der Verdacht erhärtete sich nicht. Alle Ermittlungen wurden schließlich eingestellt. Ob das Kind weggelaufen, verunglückt oder getötet worden ist, konnte nie geklärt werden.

Die Helpser beobachteten die überraschende Suchaktion der vergangenen Tage daher mit großem Interesse. Schnell hatte sich herumgesprochen, dass die Baggerarbeiten der vor 43 Jahren verschwundenen Angelika galten. In dem kleinen Ort hätte die späte Aufklärung zumindest eine gewisse Erleichterung gebracht, sagten zwei Helpserinnen dieser Zeitung. Besonders unter den älteren Helpsern blieb das verschwundene Mädchen bis heute ein Thema. Oberstaatsanwalt Schmidt äußerte Verständnis, dass es noch immer Spekulationen gibt. „Da fehlt jemand aus deren Mitte“, sagte Schmidt. Nach seinen Angaben leben noch heute Familienangehörige der Vermissten in dem Ort.

Doch die Akte Angelika wird wohl bald erneut erfolglos geschlossen. Angelikas Schicksal bleibt weiter ungeklärt. Woher der aktuelle Hinweis gekommen ist, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit.

Wiebke Ramm und Guido Scholl