Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Kachelmann-Prozess nach der Pause: Wie es weitergeht
Nachrichten Panorama Kachelmann-Prozess nach der Pause: Wie es weitergeht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:16 19.01.2011
Wettermoderator Jörg Kachelmann. Quelle: dpa
Anzeige

Vernehmung einer Zeugin in der Schweiz, Befragung von Rechtsmedizinern und Psychologen - die Agenda des Kachelmann- Prozesses nach der Winterpause ist lang. So lang, dass der spektakuläre Prozess möglicherweise länger dauern wird als geplant - das vermutet jedenfalls Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge. Bisher ist das Verfahren bis Ende März terminiert. Am Mittwoch beschäftigte sich das Landgericht - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - mit den Videoaufzeichnungen aus der Vernehmung der Ex-Freundin von Jörg Kachelmann. Der Schweizer Wettermoderator soll Sabine W. (Name geändert) vergewaltigt und dabei mit einem Messer bedroht haben. Kachelmann bestreitet die Tat.

Nach einer Parade von ehemaligen Geliebten des 52-Jährigen hatte sich das Gericht zuletzt mit der Auswertung konkreter Spuren beschäftigt. Bei den weiteren Prozesstagen dürften vor allem psychologische Sachverständige und Rechtsmediziner zu Wort kommen. Darunter ist auch der Heidelberger Gerichtsmediziner Rainer Mattern, der Sabine W. am Morgen nach der behaupteten Vergewaltigung untersucht hatte.

Anzeige

Möglicherweise macht sich das Gericht auch auf in die Schweiz, um dort eine Zeugin zu befragen, die nicht in Deutschland aussagen will. Die Züricher Staatsanwaltschaft hat die vom Mannheimer Gericht beantragte Rechtshilfe bewilligt. Allerdings kann die Frau, die das Magazin „Focus“ als neue angebliche Belastungszeugin präsentiert hatte, gegen die Entscheidung innerhalb von zehn Tagen Beschwerde einlegen. Direkt befragen dürfen Richter, Staatsanwälte und Verteidiger aus Mannheim die Frau nicht, sondern nur über einen Schweizer Staatsanwalt.

Für Wirbel dürfte auch wieder Kachelmanns neuer Anwalt Johann Schwenn sorgen, der den Fall Ende November übernommen und Gericht, Gutachter und Medien scharf angegriffen hatte. So beantragte er die Durchsuchung der Redaktionen von „Focus“ und „Bunte“. Der Hamburger Strafverteidiger beschuldigte die im Burda-Verlag erscheinenden Zeitschriften, sie hätten versucht, Zeuginnen zum Nachteil Kachelmanns zu beeinflussen. Hierfür sollte die Durchsuchung Beweise liefern. Der Verlag hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Das Landgericht lehnte eine Durchsuchung ab.

Über einen weiteren Antrag Schwenns muss das Landgericht noch entscheiden. Er hatte einen Befangenheitsantrag gegen die psychologische Sachverständige Luise Greuel gestellt. Greuel soll die Glaubhaftigkeit der Aussage von Sabine W. beurteilen. In ihrem schriftlichen Gutachten kam sie zu einem offenen Ergebnis. Ein „etwaiger Erlebnisgehalt“ lasse sich nicht bestätigen. Kachelmanns früherer Verteidiger Reinhard Birkenstock hatte das Gutachten stets als entlastend interpretiert.

Kachelmann selbst hat bisher im Prozess geschwiegen. Am Mittwoch erschien er vor Gericht im dunklen Nadelstreifenanzug, die Haare etwas kürzer.

dpa

Mehr zum Thema

Der Fall des unter Vergewaltigungsverdacht stehenden Wettermoderators Jörg Kachelmann steht womöglich vor einer Wende: Die Aussagen des mutmaßlichen Opfers erschienen einer Gutachterin zweifelhaft, berichtete „Spiegel Online“ am Sonnabend.

06.06.2010

Die langjährige Freundin von Jörg Kachelmann belastet den ARD-Wetterexperten offenbar schwer. Der „Focus" berichtete auf seiner Internetseite von Details des angeblichen Tathergangs. Diese Detailberichterstattung ist dem Magazin im Zuge eines einstweiligen Verfügungsverfahrens untersagt worden.

01.04.2010

Deutschlands bekanntester Wetter-Moderator - Jörg Kachelmann - sitzt im Gefängnis. Der schlimme Verdacht: Er soll seine langjährige Freundin vergewaltigt haben.

Imre Grimm 29.07.2010