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Panorama Kachelmanns neuer Verteidiger greift Medien an
Nachrichten Panorama Kachelmanns neuer Verteidiger greift Medien an
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16:06 01.12.2010
Wettermoderator Jörg Kachelmann (M) mit seinem neuen Anwalt Johann Schwenn (l) und Verteidigerin Andrea Combe. Quelle: dpa
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Hanseatisch-ruhig im Ton, aber schneidend scharf in der Sache - so präsentierte sich Jörg Kachelmanns neuer Verteidiger an seinem ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht Mannheim. Mit einem rhetorisch geschliffenen Rundumschlag gegen Gericht, Staatsanwaltschaft und Medien startete der Hamburger Staranwalt Johann Schwenn am Mittwoch in das Verfahren gegen den TV-Wettermoderator, der sich Anfang der Woche überraschend von seinen bisherigen Verteidigern getrennt hatte. Kachelmann wird vorgeworfen, er habe eine langjährige Geliebte vergewaltigt. Er bestreitet das.

Punkt neun Uhr erschien Schwenn im Gerichtssaal, in dem seit längerer Zeit zu Verhandlungsbeginn wieder Kameras zugelassen waren. Geübt hielt Schwenn den Blitzlichtern stand - ein Anwalt, der unter anderem schon Radrennfahrer Jan Ullrich und DDR-Topspion Markus Wolf vertreten hat, ist Aufmerksamkeit gewohnt.

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Der 63-Jährige sieht aus wie die Idealbesetzung für einen amerikanischen Anwaltsfilm - schon äußerlich ist der elegante Hanseat ein Kontrast zu Kachelmanns bisherigem Anwalt, dem eher rustikal auftretenden Reinhard Birkenstock.

Und auch der Ton war neu am Mittwoch: Eher leise, manchmal fast tastend schlich sich Schwenn in verschachtelten, doch meist druckreifen Formulierungen heran - um dann, ohne auch nur im Mindesten laut zu werden, gezielte Stiche zu setzen. „Mir erscheinen Sie“, sagte Schwenn Richtung Staatsanwaltschaft, „als Verfahrensbeteiligte, um nicht zu sagen Partei, die gemeinsam mit dem Haus Burda anstrebt, Herrn Kachelmann fertigzumachen.“

Die Bezeichnung als „Partei“ - ein Affront gegen die Staatsanwaltschaft. Fast nebenbei landete Schwenn damit einen weiteren Schlag gegen die Medien, genauer: den Burda-Verlag und die Zeitschrift „Bunte“, die wiederholt verschiedene Ex-Geliebte Kachelmanns in großen Geschichten präsentiert hatte.

Gleich zu Beginn des Verhandlungstages hatte Schwenn beantragt, fortan auch Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker in den nicht- öffentlichen Verhandlungen zuzulassen. Der Grund: Manche der Ex- Geliebten hätten sich in der „Bunten“ anders geäußert als vor Gericht - und Höcker müsse beurteilen, „wann und ob es sich empfiehlt, gegen dieses Burda-Blatt vorzugehen“.

Der Burda-Verlag verteidigte sich: „Es besteht ein überragendes öffentliches Informationsinteresse, das gerade durch solche Interviews angemessen befriedigt wird. Auch Herr Kachelmann hat die Medienöffentlichkeit gesucht“, teilte die „Bunte“-Chefredaktion mit.

Nicht zuletzt griff Schwenn das Gericht an - er ließ eigens die Vernehmung einer Zeugin unterbrechen, um dann in öffentlicher Sitzung die Art und Weise zu rügen, in der eine Richterin die ehemalige Geliebte befragt hatte. Anschließend zeigte er sich gönnerhaft: „Dass eine Frage mal missraten kann“, sagte er Richtung Richterbank, „das kenne ich ja auch. Aber das sollte nicht Methode haben.“

Vor allem kritisierte Schwenn die Vernehmung der zahlreichen Ex- Geliebten Kachelmanns. Zwar zeigte er Verständnis, dass das Gericht versuche, sich ein Bild über die Persönlichkeit des Angeklagten zu machen. Dabei falle jedoch auf, „dass man sich auf Zeuginnen beschränkt, die als Sexualpartner des Angeklagten angesehen werden“. Das Gericht glaube, so Schwenn, „mit juristisch anmutender Genauigkeit dem Sexualverhalten des Angeklagten nachgehen zu müssen“. Bei Zeuginnen, die ihre Privatsphäre schützen wollten, sei dieses Frageverhalten „unappetitlich und abstoßend“.

Als der Vorsitzende Richter widersprach, versuchte ihn Schwenn zu belehren: „Herr Vorsitzender, Spontanreaktionen sind immer problematisch.“ Fast nebenbei machte Schwenn auch deutlich, was er von den bisherigen Zeugenvernehmungen hält: „Das, was bisher geschehen ist, ist - abgesehen von der verschrifteten Vernehmung der Nebenklägerin - alles irrelevant.“ Vielleicht sollte das auch Bedenken zerstreuen, er könnte sich nicht rechtzeitig in das bereits seit Anfang September laufende Verfahren einarbeiten.

Am Ende schien es, als habe der neue Ton auch den Vorsitzenden Richter Michael Seidling beeindruckt. Man werde, erklärte er konziliant, den Appell zum Schutz der Persönlichkeit der Zeuginnen beherzigen.

dpa